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| Sicht- und Griffbefund | Einordnung | Weg |
|---|---|---|
| Bestand haftet vollflächig, ist trocken, eine vorhandene Lage | Tragfähiger Untergrund für eine Überarbeitung | Zusatzlage möglich — mit der passenden Untergrundbehandlung (Abschnitt „Haftung auf Altbitumen") |
| Blasen, Feuchte unter der Bahn, mehrere Altlagen übereinander | Feuchte im Aufbau, unklare Lagenzahl, keine definierte Haftung | Runter bis auf die Tragschicht, dann Neuaufbau — eine Zusatzlage schließt die Feuchte ein |
| Durchfeuchtete, weiche oder nachgebende Tragschicht | Das Tragwerk selbst ist betroffen | Keine Abdichtungsfrage mehr: Statik und Tragfähigkeit prüfen lassen, Fachbetrieb |
🔴 Für die Eigenleistung fällt das Verschweißen aus. Nicht „heikel", sondern raus. Offene Flamme auf einem Dach mit brennbarem Untergrund — Holzschalung, Holzanschlüsse, Dämmung — erzeugt Glutnester, die in Ritzen ziehen und Stunden nach Arbeitsende durchbrennen, wenn niemand mehr da ist. Über bewohnten Räumen gilt das erst recht. Auch auf mineralischem Untergrund sind Feuerarbeiten am Dach kein Nebenbei-Verfahren: Sie verlangen eine vorherige Gefährdungsbeurteilung, einen geeigneten Feuerlöscher — keinen Wassereimer, weil Wasser brennendes Bitumen verspritzt — und eine Brandwache mit mehrfacher Nachkontrolle.
| Werkzeug | Material |
|---|---|
| Cuttermesser mit Hakenklinge | Unterlagsbahn (verschweiß- oder kaltverarbeitbar) |
| Andrückrolle | Oberlagsbahn, besandet oder beschiefert |
| Besen, Handfeger | Bitumen-Voranstrich (Primer) |
| Zollstock, Richtscheit, Kreide | Manschetten für Durchdringungen |
| Dachdeckerhammer (bei Nagelung auf Holz) | Randprofil oder Tropfblech |
| Kaltkleber-Spachtel oder Rolle | Kaltklebemasse oder kaltselbstklebende Bahnen |
| Handschuhe, feste Schuhe |
🔴 Schritt 0 — Schadstofffrage zuerst. Eine alte Abdichtung ist nicht einfach „alte Dachpappe": Sie kann asbesthaltig und teerhaltig sein. Asbest: Bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 muss vor dem Eingriff mit Asbest gerechnet werden; bei später erneuerten Bauteilen sind deren Einbau- und Produktnachweise gesondert zu prüfen — nicht schneiden, nicht schleifen, nicht trennen, nicht mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten. Teerhaltige Bahnen (vor allem vor den 1970er Jahren) enthalten PAK und unterliegen der TRGS 551; am Aussehen ist Teer nicht zuverlässig erkennbar. Geklärt wird über eine Materialprobe im Labor; Umgang, Demontage und Entsorgung gehören zu einem dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb. Erst wenn Asbest und Teer ausgeschlossen sind, wird geschnitten.
Die Frage aus Flachdach abdichten: zusätzliche Lage oder komplett neu? Trocken, tragfähig, fest haftend heißt: eine neue Lage möglich. Feucht, blasig, lose heißt: runter. Eine Probe aufklappen und nachsehen.
Wasser abschütten und zusehen, wo es steht. Stehendes Wasser ist der Hauptfeind der Abdichtung — wo es steht, wird als Erstes versagen. Kein Gefälle heißt: erst Gefälle herstellen, dann abdichten.
Fläche kehren, alles Lose entfernen. Auf mineralischem Untergrund Bitumen-Voranstrich auftragen und durchtrocknen lassen; auf Holz je nach Systemvorgabe.
Von der tiefsten Stelle aus, quer zur Gefällerichtung, damit das Wasser über die Nähte läuft und nicht dagegen. Überlappung nach Herstellerangabe. Kalt verklebt oder geklebt — je nach gewählter Bahn.
An Wand und Attika die Bahn nach oben führen, Kehlen mit Zuschnitten arbeiten. Ein Anschluss wird nicht geknickt, sondern in einer Rundung geführt — scharfe Kanten reißen.
Manschetten setzen, einbinden, andrücken.
Nähte versetzt zur Unterlage, mindestens um die halbe Bahnbreite. Bei jeder Bahn den Rand sorgfältig andrücken — dort öffnet sich die Naht, wenn irgendwo. Bei verschweißter Ausführung ist das der Schritt, der dem Fachbetrieb gehört.
Profil oder Blech montieren, Bahn einbinden.
Alle Nähte abgehen und mit der Hand prüfen. Wo sich eine Kante anheben lässt, wird nachgearbeitet. Bei verschweißten Nähten auf den durchgehenden Nahtwulst achten — er ist die Sichtkontrolle der Dichtheit.
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Einlagig ohne Systemfreigabe für diesen Aufbau | Lagenzahl nicht nach Regelwerk gewählt, Nähte ungeschützt |
| Nahtversatz vergessen | Schwachstelle über Schwachstelle |
| Verschweißte Naht ohne durchgehenden Wulst | Naht nicht dicht, Wasser zieht ein |
| Bahnen längs zum Gefälle verlegt | Wasser läuft gegen die Nähte |
| Über feuchten Untergrund abgedichtet | Wasser bleibt eingeschlossen, Blasen, Fäulnis |
| Wandanschluss zu niedrig | Wasser läuft bei Starkregen dahinter |
| Durchdringung mit Dichtmasse statt Manschette | altert, reißt, wird undicht |
| Unbestreute Bahn als oberste Lage | UV-Schaden nach wenigen Jahren |
| Notüberlauf fehlt | Wasser staut sich, Lastproblem |
| Fall | Warum |
|---|---|
| Verschweißte Nähte (Flämmen) | offene Flamme, Glutnester, Brandgefahr |
| Warmdach mit Dämmung und Dampfsperre | Bauphysik, Dampfdruckausgleich |
| Innenliegende Entwässerung, Gully | Anschlussdetails, Rückstau |
| Verdacht auf Teerpappe oder Asbest | Schadstoffprüfung, TRGS 551 / TRGS 519 |
| Durchfeuchtete Tragkonstruktion | Tragfähigkeit muss beurteilt werden |
| Kein Gefälle herstellbar | Sonderkonstruktion nach Regelwerk |