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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 17 Min. Lesezeit

Flachdach dämmen Altbau

Dachöffnung und Feuchtekataster, Nachdämmung als Plusdach, Sanierungsdampfbremse mit Berechnung — § 39 nur bei neuer beheizter Fläche
10 Arbeitsschritte
8 typische Fehler

Vorab: Die Schadstofffrage im Altbau

Beim Altbau steht die Schadstofffrage besonders weit vorn — sie ist hier kein Randthema, sondern der erste Befund der Bestandsaufnahme.

🔴 Alte Flachdächer können schadstoffhaltig sein. Alte Bitumenbahnen und -bitumenschindeln, Faserzementplatten sowie Kleber, Kitte und Spachtelmassen können bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31.10.1993 asbesthaltig sein; bei später erneuerten Bauteilen sind deren Einbau- und Produktnachweise gesondert zu prüfen; alte Dämmstoffe aus künstlichen Mineralfasern sind, wenn sie vor 1996 eingebaut wurden, nach TRGS 521 als krebserzeugend Kategorie 1B zu behandeln; bei Einbau zwischen 1996 und 2000 gilt dies ohne Einzelnachweis weiter. Beides ist beim Altbau-Flachdach besonders häufig: die alte Bitumenbahn ist der Regelfall, und die alte Dämmung darunter stammt oft aus einer Zeit, in der sie noch krebserzeugende Fasern enthielt. Die beiden Stichtage sind zu trennen: Asbest knüpft an den Baubeginn des Objekts, die alte Mineralwolle an den Einbau des Dämmstoffs — nicht an sein Herstellungsdatum. Bei Verdacht gilt: nicht öffnen, nicht zerstören; Umgang nach TRGS 519 (Asbest) beziehungsweise nach TRGS 521 (alte Mineralwolle) durch einen dafür qualifizierten Fachbetrieb.

Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein. Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme.
Erst wenn der Bestand als unbedenklich bestimmt ist, geht es ans Dämmen — und an die Fragen, die den Altbau entscheiden: Aufbau, Feuchte, Dampfbremse.

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Warum das Altbau-Flachdach ein Feuchtekataster braucht

Beim Altbau kann man nicht einfach die Dämmung auflegen — der Bestand selbst liefert die Bedingungen, unter denen gedämmt werden darf.
Ein Altbau-Flachdach ist ein Zustand, kein bekanntes Schichtenpaket
Anders als der Neubau, bei dem alle Schichten bekannt und dimensioniert sind, ist das Altbau-Flachdach eine Konstruktion, deren Alter, Aufbau und Feuchte erst ermittelt werden müssen. Die alte Abdichtung hat gealtert, die alte Dämmung kann durchnässt sein, und was zwischen Tragkonstruktion und Dachhaut liegt, weiß niemand ohne Blick hinein. Die neue Dämmung wird in diesen Zustand eingepasst — nicht auf eine bekannte Fläche gelegt.
Der Bestand entscheidet, was überhaupt möglich ist
Ob als Plusdach nachgedämmt, ob die alte Abdichtung erhalten oder erneuert wird, ob eine Sanierungsdampfbremse nötig ist — all das hängt vom Befund ab. Ein Altbau-Flachdach, das feucht ist oder dessen Abdichtung undicht ist, darf nicht einfach überdämmt werden: Die Dämmung würde die Feuchte einschließen und den Schaden beschleunigen. Das Feuchtekataster ist deshalb kein Vorspiel, sondern die eigentliche erste Arbeit.
Deshalb beginnt der Altbau mit der Dachöffnung
Wer die Dämmung plant, öffnet zuerst an einer Stelle, sieht nach, was wirklich da ist, und misst. Das Ergebnis bestimmt den weiteren Weg — nicht die Annahme, der Bestand werde „schon in Ordnung sein".

Die Dachöffnung: der Bestand gibt den Blick frei

Der erste konkrete Schritt ist die Dachöffnung — der probeweise Eingriff, der den unbekannten Aufbau sichtbar macht.
Geöffnet wird an einer Stelle, um den Aufbau zu lesen
Die Dachöffnung legt an einer ersten Stelle frei, wie der Altbau-Aufbau tatsächlich geschichtet ist: welche Abdichtung, welche Dämmung, welche Tragkonstruktion — und in welchem Zustand jede Schicht ist. Das ist kein Abriss, sondern eine gezielte Freilegung, die den Bestand dokumentiert, bevor über ihn entschieden wird. Sie liest den Schichtaufbau — das flächige Feuchtescreening über Rand, Nähte und Durchdringungen ersetzt sie nicht (siehe Messplan).
Der Blick richtet sich auf Abdichtung und Dämmung zugleich
Geprüft wird, ob die alte Abdichtung noch dicht und tragfähig ist — davon hängt ab, ob sie als Basis des Plusdachs erhalten bleiben kann — und ob die Bestandsdämmung trocken, feucht oder durchnässt ist. Beides zusammen ergibt den Befund, der über den Nachdämmweg entscheidet.
Die Dachöffnung gehört zum Feuchtekataster
Sie ist der Moment, in dem aus Vermutung Befund wird. Wer sie überspringt und direkt aufdämmt, arbeitet auf einem Bestand, dessen Zustand er nicht kennt — und verschließt mit der neuen Dämmung, was die Öffnung hätte zeigen können.

Das Feuchtekataster: Restfeuchte und Durchfeuchtung

Das Herz der Bestandsaufnahme ist das Feuchtekataster — die Erfassung, wo und wie viel Feuchte im Altbau-Flachdach steckt.
Das Feuchtekataster kartiert die Feuchte
Es erfasst Restfeuchte und Durchfeuchtung über die Fläche: Welche Schichten sind feucht, wo sitzt die Feuchte, wie viel ist es, und wo kommt sie her? Das Ergebnis ist ein Bild des Feuchtezustands — nicht ein einzelner Messwert, sondern die Verteilung über Dachrand, Fläche und Durchdringungen.
Feuchtes Holz und feuchte Dämmung dürfen nicht überdämmt werden
Wo die Konstruktion feucht ist, schließt die neue Dämmung die Feuchte ein und nimmt ihr die Abtrocknung. Bevor gedämmt wird, wird zuerst die Feuchtequelle gefunden und beseitigt — eine undichte Abdichtung, ein fehlerhafter Dachrandanschluss, eine Durchdringung. Das Feuchtekataster liefert genau diese Diagnose.
Das Feuchtekataster entscheidet über den weiteren Weg
Ein trockener, intakter Bestand lässt sich als Plusdach nachdämmen; ein feuchter Bestand muss zuerst saniert werden. Das Kataster ist damit die Weiche: Es sagt, ob und wie gedämmt werden darf — nicht die Dämmstärke, sondern zuerst das „ob".

Das Feuchtekataster als Messplan

Ein Feuchtekataster ist keine einzelne Messung, sondern ein Messplan — der beginnt auf dem Dachplan, nicht auf der Fläche.
Der Dachplan trägt die Messstellen
Randzonen, Bahnennähte, Gullys, Notüberläufe und jede Durchdringung werden vorab markiert — genau dort tritt Feuchte zuerst ein, genau dort muss gemessen werden. Ohne diesen Plan wird an beliebigen Punkten geprobt und der Rand bleibt blind.
Gefordert ist ein flächiges Screening, keine Stichprobe
Über die Fläche wird zunächst gescreent, um Feuchtezonen zu finden; auffällige Bereiche werden dann mit mehreren zielgerichteten Öffnungen belegt, und die Proben werden schichtbezogen genommen — Abdichtung, Dämmung und Tragkonstruktion getrennt, weil jede Schicht ihre eigene Feuchtegeschichte hat.
Die Trocknungsfreigabe wird dokumentiert
Erst wenn Befund und Messwerte zusammenpassen, wird die Fläche zur Überdämmung freigegeben — und diese Freigabe festgehalten. Eine einzelne Probebohrung darf nicht die gesamte Fläche freigeben: Sie sagt etwas über ihren Punkt, nichts über den Rand und nichts über die Durchdringungen.

Die Wegwahl nach Bestandsbefund

Aus dem Befund wird eine Wegentscheidung — und die folgt aus Voraussetzungen, nicht aus Geschmack. Drei Wege stehen zur Wahl:
WegVoraussetzungen
Plusdach (Umkehrdach auf Altabdichtung)dichte, tragfähige Altabdichtung · trockener Bestand · Tragreserve · freie Anschlusshöhe
Vollständiger Warmdach-NeuaufbauAbdichtung erneuerungsbedürftig · neue Abdichtung oberhalb der Dämmung
Dämmung von innen (Deckenweg)außenliegende Dämmung nicht möglich · Dachfläche bleibt unangetastet

Der Befund wählt, nicht der Wunsch

Eine undichte Abdichtung schließt das Plusdach aus, eine zu geringe Aufbauhöhe den Warmdach-Aufbau, und ein enges Tragwerk zwingt auf den Deckenweg. Welcher Weg zulässig ist, entscheidet sich an Altabdichtung, Feuchte, Statik, Aufbauhöhe und Entwässerung — nicht daran, welcher Weg am wenigsten Arbeit macht.

Die Nachdämmung als Plusdach

Der Altbau-typische Weg, ein intaktes Bestandsflachdach zu dämmen, ist die Nachdämmung als Plusdach.
Beim Plusdach wird der intakte Warmdachbestand mit einem Umkehrdachaufbau ergänzt. Wo die alte Abdichtung noch dicht und tragfähig ist, wird sie nicht abgerissen, sondern belassen — und der Aufbau wird auf dieser Abdichtung ergänzt: obenauf eine für Umkehrdächer geeignete, druck- und feuchtebeständige Dämmung (im Regelfall XPS oder eine zugelassene Umkehrdachdämmung), darüber eine Filter- beziehungsweise Schutzlage, darüber die Auflast (Kies, Platten oder Begrünung). Eine neue Abdichtung oberhalb der Dämmung kommt beim Plusdach nicht hinzu — die vorhandene Abdichtung bleibt die wasserführende Ebene. Der Aufbau wird also nicht als neues Warmdach-Paket aufgestockt, sondern als Umkehrdach ergänzt.
Die alte Abdichtung bleibt die wasserführende Ebene
Genau das ist der Sinn des Plusdachs: Die belassene, dichte Altabdichtung dichtet weiter — sie liegt unter der neuen Dämmung und ist dort vor UV, Temperaturspitzen und mechanischer Beschädigung geschützt. Was beim Umkehrdach ohnehin gilt, gilt auch hier: Die Dämmung wird vom Regenwasser unterströmt, das zwischen Dämmung und Abdichtung abläuft, weshalb nur ein dafür geeigneter Dämmstoff in Frage kommt.
Das Plusdach setzt den intakten Bestand voraus
Der Weg funktioniert nur, wo die Altabdichtung wirklich dicht ist und keine Feuchte im Bestand steckt — genau das klärt das Feuchtekataster vorher. Eine undichte Altabdichtung mit einem Plusdach zu überbauen, baut den Feuchteschaden planmäßig in den neuen Aufbau ein. Das Plusdach ist deshalb an den Befund gebunden: nur auf trockenem, dichtem Bestand. Wo die Abdichtung erneuert werden muss, ist das Warmdach von außen der Weg (Flachdach dämmen von außen).

Aufbauhöhen- und Entwässerungsbilanz

Bevor ein Dämmstoff gewählt wird, wird gemessen, was über und unter der neuen Dämmung noch Platz hat — die Aufbauhöhe entscheidet, was überhaupt geht.
Die freien Höhen werden vorab erfasst
Attika, Türschwellen, Gullys, Notüberläufe und jedes Einbauteil geben die verfügbare Aufbauhöhe vor; eine Nachdämmung, die über diese Kante wächst, kippt das Gefälle und staut Wasser. Wer die Höhen nicht aufnimmt, plant eine Dämmstärke, die an der Attika endet.
Notwendige Anschlussumbauten werden festgehalten
Wo die Dämmung eine Schwelle oder einen Gully überragt, muss der Anschluss angehoben oder neu gefasst werden — das gehört in die Bilanz, nicht in den Nachlauf. Beim Plusdach scheitert die Planung häufig nicht am U-Wert, sondern an fehlender Anschlusshöhe: Die Dämmung wäre dämmtechnisch richtig und passt trotzdem nicht aufs Dach.

Der Systemnachweis für das Plusdach

Ein Plusdach wird nicht aus Einzelteilen zusammengestellt, sondern als System nachgewiesen — die Dämmung ist nur ein Baustein davon.
Traglast und Windsog gehören zum Nachweis
Die neue Dämmung samt Filterlage und Auflast muss die Tragkonstruktion zulassen, und die Auflast muss den Windsog sichern — sonst hebt der Wind das Paket an. Diese Nachweise gehören zum System, nicht zur Dämmstoffwahl dazu.
Der Aufbau ist bauartgenehmigt
Ein Umkehrdach braucht einen bauartgenehmigten, druck- und feuchtegeeigneten Dämmstoff, eine wasserableitende Trennlage und — wo das kühlende Regenwasser die Dämmleistung mindert — eine U-Wert-Korrektur. Die erforderlichen Eigenschaften kommen aus dem Systemnachweis und dem Datenblatt; die Abdichtung folgt der DIN 18531-1:2025-08 und der ZVDH-Flachdachrichtlinie 01/2026.
Einzelne Produkteigenschaften ersetzen den Nachweis nicht
Dass ein Dämmstoff druckfest oder feuchtebeständig ist, macht noch kein zulässiges Umkehrdach — erst das Zusammenspiel aus Tragfähigkeit, Windsog, Bauart und Abdichtung tut das. Das Plusdach wird als Ganzes nachgewiesen, nicht aus passenden Einzelteilen zusammengekauft.

Die Sanierungsdampfbremse mit Berechnung

Wo der Altbau nicht über die Altabdichtung gedichtet ist, kommt die Sanierungsdampfbremse zum Einsatz — und sie wird berechnet, nicht geraten.
Die Sanierungsdampfbremse ist die feuchtevariable Folie des Bestands
Eine Sanierungsdampfbremse — in der Regel eine feuchtevariable Dampfbremse — passt ihren Dampfdiffusionswiderstand an die Umgebungsfeuchte an: Im trockenen Winter bremst sie den Dampf stark, im feuchten Sommer lässt sie mehr durch. Ob dadurch eingedrungene Feuchte tatsächlich nach innen zurücktrocknet, hängt nicht an der Folie allein: ihre vollständige feuchteabhängige Kennlinie, das Innenklima, die Verschattung, eine helle Dachoberfläche sowie PV oder Begrünung entscheiden mit. Das ist nach DIN 4108-3 nachzuweisen, nicht vorauszusetzen.
Welcher sd-Wert passt, folgt aus der Berechnung
Der sd-Wert bestimmt, wie stark die Dampfbremse bremst — und der richtige Wert ist beim Altbau eine Rechenaufgabe, keine Pauschalregel. Der Feuchtenachweis nach DIN 4108-3, im anspruchsvollen Bestand die hygrothermische Simulation, zeigt, ob und mit welcher Dampfbremse der Aufbau dauerhaft funktioniert. Ein Altbau-Flachdach, das „mal eben" mit einer beliebigen Dampfbremse gedämmt wird, ist ein Risiko mit Jahren Laufzeit.
Die Sanierungsdampfbremse ersetzt den Nachweis nicht
Auch die feuchtevariable Folie ist kein Freibrief: Sie ersetzt weder den luftdichten Anschluss nach DIN 4108-7 noch den Feuchtenachweis. Sie ist die klügere Variante derselben Schicht — nicht deren Ersatz. Welche Folie im Einzelfall richtig ist, hängt vom Aufbau und vom Nachweis ab; maßgeblich ist die Berechnung, nicht der Markenname.

Die Sanierungsdampfbremse richtig auswählen

Wer eine Sanierungsdampfbremse auswählt, fragt nicht nach „dem" sd-Wert — der existiert beim Altbau nicht als Einzelzahl.
Gefragt wird die vollständige feuchteabhängige Kennlinie
Eine feuchtevariable Folie bremst bei jedem Feuchtegrad anders; erst ihre komplette Kennlinie zeigt, ob sie zum Aufbau passt. Ein einzelner sd-Wert beschreibt davon nur einen Punkt.
Innenklima, Verschattung und Dachfarbe entscheiden mit
Wie viel Feuchte nach innen zurücktrocknen kann, hängt davon ab, wie der Raum genutzt wird, ob das Dach verschattet liegt, ob die Oberfläche hell ist und ob PV oder Begrünung aufliegen. All das verändert die Trocknungsbedingungen — und damit, ob die gewählte Folie überhaupt arbeitet.
Maßgeblich ist das Ergebnis der hygrothermischen Berechnung
Die Folie wird danach gewählt, was die Berechnung nach DIN 4108-3 — im schwierigen Bestand die Simulation nach DIN EN 15026 — als funktionierend ausweist. Damit lässt sich die Planerangabe sachlich prüfen, statt dem Markennamen zu folgen.

GModG: welcher Paragraph wann greift

Das Altbau-Flachdach wirft eine doppelte Rechtsfrage auf — und die Antwort hängt davon ab, ob nur gedämmt oder auch umgenutzt wird.
§ 36 GModG gilt nur, wo ein Tatbestand der Anlage 7 vorliegt
Wer ein bestehendes Altbau-Flachdach dämmt, unterliegt § 36 GModG mit der Anlage 7 des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, vormals GEG) nicht automatisch: § 36 setzt einen konkreten Tatbestand der Anlage 7 voraus — beim Flachdach ist das regelmäßig Anlage 7 Nr. 5c: der Ersatz der flächig wasserdichtenden Abdichtung durch eine neue Schicht gleicher Funktion. Nur wo die Abdichtung ersetzt wird, greift § 36 über diesen Tatbestand. Wo er greift, liegt der Höchstwert des U-Werts für das Flachdach bei 0,20 W/(m²K) — bei Nichtwohngebäuden, die nur auf 12 bis unter 19 °C beheizt werden, bei 0,35 W/(m²K). Außerdem kennt § 36 die Bagatellgrenze — ausgenommen sind Maßnahmen an nicht mehr als 10 % der jeweiligen Bauteilgruppenfläche — sowie Ausnahmen bei technisch begrenzter Dämmdicke und für bestimmte nach 1983 energetisch hergestellte beziehungsweise erneuerte Flächen. Eine zu dünne Dämmung überschreitet dann den Höchstwert; ob nachgebessert werden muss, ist im Einzelfall zu klären, statt pauschal unterstellt.
§ 39 GModG setzt echte neue beheizte Fläche voraus
Nur wo der Altbau so umgebaut wird, dass tatsächlich neue beheizte oder gekühlte Räume hinzukommen, ist § 39 GModG maßgeblich: Dort zählt der Transmissionswärmeverlust der hinzukommenden Räume, nicht pauschal der Einzelbauteilwert. Eine bloße Nutzungsänderung ohne neue beheizte Fläche löst § 39 nicht aus. Bei mehr als 50 m² neu hinzukommender Fläche verlangt § 39 außerdem den sommerlichen Wärmeschutz. Beim Altbau-Flachdach, bei dem Dämmen und Umnutzen oft zusammenfallen, wird diese Frage ausdrücklich geklärt — im Zweifel durch den Energieberater beziehungsweise Fachbetrieb im Einzelfall.
Die Dämmstärke folgt aus der Berechnung
Ob 0,20 W/(m²K) als Ziel oder die Anforderung des § 39 gilt — die nötige Dämmstärke ergibt sich aus Aufbau und Dämmstoff, nicht aus einer Pauschalstärke. Der Wärmebrückenschutz am Dachrand ist im Bestand keine eigenständige Pflicht: Die Formel „Wärmebrücken so gering wie möglich" stammt aus § 12 GModG und gilt für zu errichtende Gebäude, nicht für die Nachrüstung. Im Bestand ist der konstruktive Wärmebrückenschutz technische Detailplanung; rechnerisch angesetzt wird er nur im Gesamtgebäudenachweis nach § 38 Abs. 3 i. V. m. § 24 GModG — geplant, nicht nachträglich gestopft.

PV und Dachtechnik koordinieren

Liegt auf dem Flachdach bereits Photovoltaik oder andere Dachtechnik, wird die Nachdämmung zur Koordinationsaufgabe — die Anlage ist Teil des Bestands.
Module, Aufständerungen und Durchdringungen kommen in den Dachplan
Eine bestehende PV-Anlage, ihre Aufständerung, ihre Lasten und jede Kabel- oder Dachdurchführung werden vor der Planung aufgenommen. Die Nachdämmung verändert Höhen, Lasten und Abdichtungsanschlüsse dieser Anlage — wer sie ignoriert, dämmt sie planmäßig kaputt.
Freischaltung und Demontage sind Fachfirmensache
Die DC-Seite einer PV-Anlage bleibt auch bei abgeschaltetem Wechselrichter spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt. Module abnehmen, Aufständerungen lösen und Durchdringungen öffnen dürfen deshalb nur Fachfirmen — die elektrische Freischaltung zuerst. Die Nachdämmung rückt die Anlage beiseite, nicht der Eigenleister.
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Schritt für Schritt: das Altbau-Flachdach dämmen

Dieser Ablauf beschreibt die Altbau-Dämmung des Flachdachs — getrennt nach dem, was zu klären, zu planen und in Fachhände zu geben ist.
1

Schadstofffrage klären

Den Bestand bestimmen; bei Verdacht auf Asbest in Bahnen oder Schüttungen oder auf alte Mineralwolle endet das Öffnen hier (siehe ganz oben).

2

Dachöffnung vornehmen

An einer ersten Stelle den Aufbau freilegen: welche Abdichtung, welche Dämmung, welche Tragkonstruktion. Die eine Öffnung liest den Schichtaufbau — sie ersetzt das flächige Feuchtescreening nicht.

3

Feuchtekataster erstellen

Flächig screenen und mehrere zielgerichtete Öffnungen an Rand, Nähten und Durchdringungen anlegen; Restfeuchte und Durchfeuchtung schichtbezogen erfassen und die Trocknungsfreigabe dokumentieren.

4

Feuchtequelle beseitigen

Feuchte Konstruktion und undichte Stellen werden vor dem Dämmen saniert; die Feuchtequelle wird gefunden und behoben.

5

Nachdämmweg wählen

Intakter, trockener Bestand mit dichter Altabdichtung → Plusdach. Zu erneuernde Abdichtung → Warmdach von außen (Flachdach dämmen von außen).

6

Anforderung feststellen

Prüfen, ob der Tatbestand der Anlage 7 Nr. 5c zu § 36 GModG greift (Ersatz der flächigen Abdichtung) oder ob durch den Umbau tatsächlich neue beheizte Fläche entsteht und § 39 GModG maßgeblich ist.

7

Feuchtenachweis führen

Den Feuchtehaushalt nach DIN 4108-3 nachweisen — im anspruchsvollen Bestand mit hygrothermischer Simulation.

8

Sanierungsdampfbremse wählen

Die passende — in der Regel feuchtevariable — Dampfbremse und den sd-Wert aus der Berechnung ableiten.

9

Nachdämmen lassen

Beim Plusdach die Umkehrdachdämmung samt Filterlage und Auflast auf die belassene Altabdichtung aufbringen — eine neue Abdichtung oberhalb der Dämmung entfällt. Nur wo die Abdichtung ersetzt wird, gehört die neue Abdichtung zum Warmdach-Neuaufbau (Flachdach dämmen von außen). Dachdeckerarbeit.

10

Wärmebrücken konstruktiv lösen

Dachrand, Attika und Durchdringungen nach den anerkannten Regeln der Technik und den im jeweiligen Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich halten.


Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Ohne Feuchtekataster gedämmtFeuchte eingeschlossen, Schaden mit Anlaufzeit
Feuchte im Bestand übersehenDämmung saugt die Feuchte, Durchfeuchtung
Plusdach auf undichte Altabdichtung gesetztFeuchteschaden planmäßig eingebaut
Sanierungsdampfbremse ohne Berechnung gewähltfalscher sd-Wert, Tauwasser
Feuchtenachweis übersprungenTauwasser in der alten Konstruktion
Wärmebrücke am Dachrand ignoriertkalter Rand, Tauwasser, Schimmel
U-Wert nach GModG überschrittengesetzliche Anforderung verfehlt, Nachbesserung
§ 39 pauschal behauptet statt geprüftfalsche Anforderung zugrunde gelegt
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — steht im Altbau besonders weit vorn
Alte Bitumenbahnen, Faserzementplatten und Dichtstoffe können bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 asbesthaltig sein; alte künstliche Mineralfasern sind bei Einbau vor 1996 nach TRGS 521 als krebserzeugend Kategorie 1B zu behandeln, bei Einbau 1996–2000 ohne Einzelnachweis weiterhin. Asbest nach TRGS 519, alte Mineralwolle nach TRGS 521 — nie vermischen. Diese Prüfung steht vor jedem anderen Schritt am Bestand.
Dachöffnung und Feuchtekataster zuerst
Der Altbau beginnt mit der Dachöffnung und dem Feuchtekataster. Feuchte Konstruktion wird nicht überdämmt — zuerst die Feuchtequelle beseitigen.
Plusdach auf intakter Altabdichtung
Beim Plusdach bleibt die dichte Altabdichtung als wasserführende Ebene erhalten; oberhalb kommen eine druck- und feuchtebeständige Umkehrdachdämmung, Filter-/Schutzlage und Auflast — keine neue Abdichtung über der Dämmung. Voraussetzung ist der trockene, dichte Bestand.
Sanierungsdampfbremse mit Berechnung
Ob die feuchtevariable Dampfbremse eingedrungene Feuchte zurücktrocknen lässt, entscheidet ihre vollständige feuchteabhängige Kennlinie zusammen mit Innenklima, Verschattung, Dachfarbe und PV beziehungsweise Begrünung. Der passende sd-Wert folgt aus dem Feuchtenachweis beziehungsweise der hygrothermischen Simulation — nicht aus der Pauschalregel.
GModG: § 36 oder § 39
§ 36 GModG (0,20 W/(m²K) aus Anlage 7 Nr. 5c; 0,35 W/(m²K) bei Nichtwohngebäuden mit 12 bis unter 19 °C) nur, wo die flächige Abdichtung ersetzt wird, mit Bagatellgrenze und Ausnahmen; § 39 GModG nur, wo tatsächlich neue beheizte Fläche entsteht — eine bloße Nutzungsänderung löst § 39 nicht aus. Im Einzelfall klärt das der Energieberater.
Arbeiten am Dach
Das Flachdach ist keine Verkehrsfläche. Gearbeitet wird vom Gerüst oder der Arbeitsbühne; die Leiter ist nur der Zugang, kein Arbeitsplatz.
Was schiefgeht, wenn man es falsch macht
Der teuerste Fehler am Altbau-Flachdach ist der stille: gedämmt ohne Feuchtekataster, weil „das Dach ja immer dicht war". Die neue Dämmung verschließt die alte Feuchte, und der Schaden zeigt sich erst Jahre später — wenn die Tragkonstruktion längst angegriffen ist. Deshalb steht die Dachöffnung vor der Dämmung, das Feuchtekataster vor dem Nachdämmweg und die Berechnung vor der Dampfbremse: Der Altbau wird befundet, bevor er gedämmt wird.
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