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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 16 Min. Lesezeit

Carport-Dach erneuern: Bestand prüfen, neu eindecken

Sparren, Pfetten und Korrosion kontrollieren, Schnee- und Windlast nachweisen — dann Profilblech oder Lichtplatten neu verlegen
9 Arbeitsschritte
8 typische Fehler

Vorab: Die Schadstofffrage bei der alten Eindeckung

Die Erneuerung beginnt mit dem Abbau der alten Eindeckung — und der Abbau beginnt mit einer Frage, die vor dem ersten Lösen einer Schraube steht.

🔴 Alte Eindeckungen können asbesthaltig sein. Alte Faserzement-Wellplatten und -Dachplatten — die grauen Wellplatten und ihre Verwandten — können bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 asbesthaltig sein; bei später erneuerten Bauteilen sind deren Einbau- und Produktnachweise gesondert zu prüfen. Die gesetzliche Weiche ist der Baubeginn des Objekts. Bei Verdacht gilt: nicht sägen, nicht bohren, nicht brechen, nicht schleifen, nicht betreten, nicht mit dem Hochdruckreiniger bearbeiten; Umgang, Demontage und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb.

Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein. Verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme — die Probe selbst nicht durch Absägen nehmen.
Erst wenn die alte Eindeckung als unbedenklich bestimmt ist, geht sie herunter — und erst dann zeigt sich, ob das Tragwerk darunter noch trägt.

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Warum Erneuern mehr ist als „alte Platten runter, neue drauf"

Ein Carportdach wirkt einfach — ein paar Platten auf ein paar Sparren. Genau diese Schlichtheit verführt dazu, die alte Deckung ab- und die neue aufzuschrauben, ohne einen Blick auf das zu werfen, was darunter liegt.
Die Eindeckung spannt, das Tragwerk trägt ab
Profiltafeln und Platten sind durchaus selbsttragend — sie überspannen den Abstand zwischen ihren Auflagern und leiten die Flächenlast dort ein. Was sie nicht leisten, ist die Abtragung nach unten und die Aussteifung des Bauwerks: Die Last wandert über Sparren und Pfetten in die Ständer und von dort in die Fundamente. Wer die Eindeckung erneuert, ohne das Tragwerk anzusehen, deckt ein neues Blech auf ein altes, womöglich geschwächtes Gerüst.
Die alte Deckung verdeckt den Schaden
Rost an den Auflagern, durchgefeuchtete oder gerissene Sparren, gelockerte Verbindungen — all das sieht man erst, wenn die alte Deckung herunter ist. Die Erneuerung ist der einzige Moment, in dem dieser Blick möglich ist; danach liegt die neue Deckung wieder darüber.
Erneuern heißt: Bestand prüfen, nachweisen, dann eindecken
Diese Reihenfolge — Bestandscheck, Lastnachweis, Eindeckung — ist der Kern dieser Seite. Wer sie umdreht, baut das Ergebnis auf eine Annahme statt auf einen Befund.

Der Bestandscheck: Sparren, Pfetten, Korrosion

Wenn die alte Deckung herunter ist, liegt das Tragwerk frei — und der Bestandscheck ist der Blick, der über das Ergebnis entscheidet.
Sparren und Pfetten werden auf Tragfähigkeit geprüft
Risse, morsche Stellen, übermäßige Durchbiegung, gelockerte Verbindungen — alles, was die Tragfähigkeit mindert, wird gefunden und bewertet, bevor die neue Deckung darauf kommt. Ein Sparren, der unter der alten Deckung schon nachgab, trägt auch unter der neuen nicht mehr.
Korrosion wird gesucht, nicht vermutet
Beim Carport sind die Befestiger und Auflager die Stellen, an denen Rost zuerst zuschlägt: Wo Blech auf Holz oder Stahl auf Beton trifft, sammelt sich Feuchte. Rostige Schrauben, aufgequollene Anschlüsse, korrodierte Stahlteile werden getauscht — eine neue Deckung auf rostigen Befestigern hält nicht.
Das Holz wird auf Feuchte geprüft
Durchfeuchtete Sparren und Pfetten gehören nicht überdeckt. Feuchtes Holz fault unter der neuen Deckung weiter; Trocknung und Tragfähigkeitsnachweis sind dabei zwei getrennte Prüfschritte. Wo das Tragwerk durchfeuchtet oder geschädigt ist, wird es ertüchtigt oder ersetzt — nicht verdeckt.

Bestandstragwerk: Holz, Stahl oder Aluminium

Bevor irgendein Befestiger oder Nachweis festgelegt wird, steht fest, woraus das Tragwerk besteht — je Werkstoff sehen die Prüfpunkte anders aus.
Holz
Geprüft werden Holzfeuchte und Querschnittsschaden: morsche, gerissene oder von Insekten geschädigte Sparren, übermäßige Durchbiegung, gelockerte Verbindungen. Feuchtes Holz wird nicht überdeckt; geschädigtes wird ertüchtigt oder ersetzt.
Stahl
Geprüft werden Korrosion und die Schraubauflager: Rost an Pfetten, Auflagern und Verbindungen, durchgerostete Querschnitte, gelockerte Schrauben. Der Korrosionsschutz tritt an die Stelle des Holzschutzes.
Aluminium
Geprüft werden Verformung und Anschlussverträglichkeit: Verbiegungen, geknickte Profile und die Verträglichkeit mit den neuen Befestigern — unverträgliche Metallpaarungen erzeugen Kontaktkorrosion.
Erst wenn Werkstoff und Zustand feststehen, lässt sich sagen, welche Nachweise und Befestiger das Tragwerk braucht.

Der Schnee- und Windlastnachweis

Die alte Deckung lag vielleicht Jahrzehnte oben — aber „hat immer gehalten" ist kein Nachweis. Die Lasten werden gerechnet, nicht geerbt.
Schnee und Wind sind die maßgeblichen Lasten
Wie viel Schnee auf dem Carportdach liegt, hängt von der Schneelastzone ab; wie stark der Wind zieht — und vor allem der Windsog von unten — von Lage und Umgebung. Beide kommen aus Eurocode 1, und zwar mit Grundnorm und Nationalem Anhang: DIN EN 1991-1-3 mit NA für Schnee und DIN EN 1991-1-4 mit NA für Wind samt Windsog. Für das Eigengewicht sowie Nutz- und Montagelasten gilt DIN EN 1991-1-1 mit NA.
Der Windsog ist die unterschätzte Kraft
Beim offenen Carport entsteht der Windsog nicht allein „von unten": Maßgeblich ist die resultierende Druckdifferenz aus Oberseitenströmung, Unterseitendruck, Öffnungsgrad und Umgebung. Der Windsog entscheidet, wie dicht und wie kräftig befestigt werden muss; wie offen der Carport tatsächlich ist, klärt der eigene Abschnitt unten. Wer ihn übergeht, sieht das neue Blech bei Sturm davonfliegen.
Der Nachweis ist die Grenze zur Eigenleistung
Querschnitte, Stützweiten, Befestigungsabstände und die Zahl der Schrauben kommen aus dieser Rechnung — und die ist Fachplanerarbeit. Das Tragwerk des Holzbaus wird nach Eurocode 5 — DIN EN 1995-1-1:2010-12 mit der Änderung A2:2014-07 und dem Nationalen Anhang DIN EN 1995-1-1/NA:2013-08 — bemessen. Wer die neue Deckung ohne Nachweis aufschraubt, verlässt sich auf die alte Rechnung — und die kennt niemand.

Offener, teilweise geschlossener oder angebauter Carport

Der Windlastfall des Carports hängt nicht nur an der Lage, sondern daran, wie offen er ist — und das kann sich nachträglich ändern.
Seitenwände und Nachbargebäude verändern die Druckverhältnisse
Ein offener Carport wird vom Wind durchströmt; eine später geschlossene Seitenwand oder ein angrenzendes Gebäude staut den Wind und dreht die resultierende Druckdifferenz. Der Windsog ist dann ein anderer als beim frei umströmten Dach.
Der Tragwerksplaner liefert die Konsequenzen
Aus Öffnungsgrad, Umgebung und den geplanten Verkleidungen leitet der Planer die Befestigungszonen und die Auflagerreaktionen ab — bis hinunter zu Stützen und Fundamenten. Wer diese Angaben nicht einholt, rechnet mit einem Lastfall, der für sein Dach gar nicht gilt.
Nachträgliches Schließen neu rechnen
Wer heute offen baut und später eine Seite zumacht, ändert den Lastfall — die alte Befestigung ist dann nicht mehr automatisch ausreichend.

Schnee vom höheren Dach

Die Schneelastzone allein bildet eine häufige Carportsituation nicht ab: den Schnee, der vom höheren Nachbardach kommt.
Abrutschender Schnee
Liegt der Carport neben einem höheren Gebäude, kann abrutschender Schnee auf das Carportdach prallen — eine Last, die in der rechnerischen Schneelast der Zone nicht steckt.
Schneeverwehung am Wandanschluss
Am Wandanschluss zum Nachbargebäude kann sich Schnee zusätzlich ansammeln und lokal mehr drücken als auf der freien Fläche.
Zukünftige PV als eigene Last
Wer später Photovoltaik auflegen will, plant die zusätzliche Last von vornherein ein — nachträglich aufgelegte Module sind kein Zuschlag, der sich im Nachhinein einfach „draufrechnen" lässt. Diese Prüffälle gehören in den Lastnachweis, nicht nur die Zone.

Der konstruktive Holzschutz nach DIN 68800-2

Steht das Carport auf einem Holztragwerk — der häufigste, aber nicht der einzige Fall —, gehört zum Erneuern auch der Blick auf den Holzschutz. Bei Stahl- oder Aluminiumkonstruktionen gelten stattdessen eigene Bemessungs- und Anschlussregeln, und an die Stelle des Holzschutzes tritt der Korrosionsschutz.
DIN 68800-2 regelt den konstruktiven Holzschutz
DIN 68800-2 legt fest, wie Holzbauwerke so gebaut werden, dass sie ohne übermäßigen chemischen Schutz dauerhaft halten: durch Konstruktion und Belüftung. Die Gebrauchsklassen (GK 0–5), an denen sich diese baulichen Maßnahmen ausrichten, kommen aus DIN 68800-1 beziehungsweise DIN EN 335 — der chemische Schutz aus DIN 68800-3. Beim Carport heißt das vor allem: Holz vom Spritzwasser fernhalten, Kontaktstellen zwischen Holz und Metall sauber ausbilden, für Ablüftung sorgen — statt das Holz einfach zu überstreichen.
Beim Carport entscheidet der Rand, nicht der Anstrich
Ein Carport ist an drei oder vier Seiten offen — Schlagregen erreicht das Holz von allen Seiten, und die Konstruktion trocknet nur, wenn sie das auch darf. Genau deshalb liegt die Haltbarkeit im Detail am Rand: ein Überstand, der die Pfosten abschirmt, eine Tropfkante, an der das Wasser abreißt statt an der Untersicht entlangzulaufen, ein Abstand zwischen Balken und aufliegender Platte, durch den Luft zieht. Wo diese Details fehlen, hält auch der dickste Anstrich das Holz nicht trocken — er versiegelt die Feuchte nur ein. Chemischer Holzschutz kommt erst dort dazu, wo die Konstruktion allein die Gebrauchsklasse nicht erreicht.
Beim Erneuern wird der Schutz mit erneuert
Wo die alte Konstruktion das Holz dem Wasser aussetzte, wird das beim neuen Aufbau korrigiert — sonst übernimmt man den alten Fehler mit der neuen Deckung.

Profilblech oder Lichtplatten: die neue Eindeckung

Für die neue Deckung stehen auf dem Carport zwei Werkstoffe im Mittelpunkt — und die Wahl ist keine Geschmacksfrage.
Das Profilblech nach DIN EN 508
DIN EN 508-1 ist eine Produktnorm für selbsttragende Dachdeckungsprodukte aus Stahl; für Aluminium und nichtrostenden Stahl gelten eigene Teile der Reihe. Wichtig ist, was sie nicht regelt: Unterkonstruktion, Dachsystem, Verbindungen und Anschlussbleche nimmt die Norm ausdrücklich von ihrem Anwendungsbereich aus. Stützweite, Befestigungsraster, Überdeckung und Mindestneigung ergeben sich aus dem Lastnachweis und den Herstellerunterlagen — nicht aus der Produktnorm. Das Trapezblech ist die robuste, wartungsarme Wahl: Es trägt sich selbst über größere Stützweiten. Ohne Zusatzmaßnahme regensicher ist die überlappende Deckung aber nur ab ihrer Regeldachneigung — beim Trapezblech 7° — und bei sauberer Detailausbildung; darunter nur mit den Maßnahmen der Verlegeanleitung und keinesfalls unter 3° — und Durchdringungen sind gerade keine unempfindlichen Stellen. Die Ausführung — Überdeckung, Befestigungsmuster, Zuschnitt — folgt der Verlegeanleitung des Herstellers und den Maßen, die Trapezblech-Maße verstehen erklärt.
Die Lichtplatten nach DIN EN 1013
DIN EN 1013 ist ebenfalls eine Produkt-, Prüf- und Konformitätsnorm — sie gilt für einschalige, profilierte Lichtplatten aus Kunststoff, also die Well- und Lichtplatten, die das Carportdach hell machen. Eine Verlege- oder Bemessungsnorm ist auch sie nicht. Für flache Polycarbonat-Stegplatten gilt stattdessen die Produktnorm DIN EN 16153. Die Platten bringen Licht unter das Dach, sind aber empfindlicher: Sie dehnen sich stärker aus als Blech und dürfen deshalb nicht starr verschraubt werden. Die thermische Dehnung ist bei Lichtplatten kein Detail, sondern Teil der Befestigung (Carport-Dach abdichten).
Die Wahl folgt aus Neigung, Stützweite und Lichtbedarf
Wo Licht unter das Carport soll und die Neigung es erlaubt, liegt die Lichtplatte nahe; wo es robust und dicht sein soll, das Blech. Beide werden nach Herstellerangabe verlegt — es gibt nicht „die eine" richtige Eindeckung, sondern die, die zu Neigung, Tragwerk und Wunsch passt.

Mindestneigung als harte Produktgrenze

Zwischen der Regeldachneigung und der System-Mindestneigung eines Produkts liegt der Unterschied, der über Dicht oder Undicht entscheidet.
Regeldachneigung darf unterschritten werden
Die Regeldachneigung ist die Neigung, bei der die Deckung ohne Zusatzmaßnahmen regensicher ist — sie darf mit den vom Hersteller ausdrücklich vorgesehenen Zusatzmaßnahmen unterschritten werden.
Die System-Mindestneigung ist eine harte Grenze
Beim Trapezblech liegt sie bei 3°, die Regeldachneigung darüber bei 7°; dazwischen ist die Deckung mit vergrößerter Querüberdeckung und Dichtband freigegeben. Unterhalb der 3° endet auch das: Dann ist es das falsche Profil für diese Konstruktion. Mit mehr Dichtband „kompensieren" lässt sich ein zu flaches Dach nicht — unterhalb der Produktgrenze versagt die Deckung, egal wie viel Band eingelegt wird.
Die Grenze steht im Datenblatt
Welche beiden Neigungswerte für das gewählte Profil gelten, nennt das Datenblatt beziehungsweise die Verlegeanleitung — sie wird nachgeschlagen, bevor eingekauft wird.

Deckungswahl nach vorhandenen Auflagern

Die Deckung wird nicht „nach Optik" gewählt, sondern nach den Auflagern, die das Tragwerk schon vorgibt — Stützweite und Neigung entscheiden mit.
DeckungWas aus dem Datenblatt zu entnehmen ist
Trapezblech (DIN EN 508-1)zulässige Stützweite, Mindestneigung, Befestigungsart
Einschalige Well-/Lichtplatte (DIN EN 1013)zulässige Stützweite, Mindestneigung, Bewegungsaufnahme, Lichtwirkung
Polycarbonat-Stegplatte (DIN EN 16153)Klemmprofil, Mindestneigung, Längenausdehnung, Lichtwirkung
Stützweite ist das erste Ausschlusskriterium
Überspannt eine Platte ihre zulässige Stützweite, biegt sie durch und wird undicht — gleich, wie „robust" das Profil aussieht. Deshalb wird zuerst die vorhandene Stützweite gemessen und gegen die zulässige des Produkts gehalten.
Lichtwirkung ist der zweite
Ob Licht unter das Carport soll, entscheidet zwischen Blech und Platte — aber erst, nachdem Stützweite und Neigung die Auswahl überhaupt zugelassen haben.

Metallfläche ohne Kondensatschaden

Eine neue Metallfläche kann tropfen, ohne undicht zu sein — das ist Kondensat, kein Leck.
Innenkondensat von Undichtigkeit unterscheiden
Auf der Unterseite eines kalten Blechs schlägt sich Feuchte aus der Luft nieder; das Tropfen tritt auch auf, wenn die Deckung völlig dicht ist. Erst die Unterscheidung sagt, ob eine Reparatur nötig ist oder eine Lüftungsfrage vorliegt.
Belüftet, antikondensbeschichtet oder kontrolliert abtrocknen
Die Entscheidung lautet: belüfteter Aufbau, eine systemgebundene Antikondensausstattung oder ein kontrollierter Abtrocknungsweg, der das Kondensat nicht ins Holz ziehen lässt. Bleibt das Kondensat unbeachtet, befeuchtet es die Unterkonstruktion dauerhaft — und das Holz fault unter einer regendichten Deckung.

Befestigung und Windsogsicherung

Die neue Deckung hält nicht durch ihr Gewicht, sondern durch ihre Befestigung — und die ist gegen den Windsog gerechnet.
Schrauben mit Dichtscheibe — bei Hochsickenbefestigung mit Kalotte
Befestigt wird mit Schrauben, die eine Dichtscheibe (EPDM) unter dem Kopf tragen — die Dichtscheibe dichtet die Durchdringung ab. Bei der Befestigung in der Hochsicke kommt eine Kalotte hinzu: ein zusätzliches, profilangepasstes Formteil, das den Sickenquerschnitt ausfüllt und die Schraube trägt. Die Tiefsickenbefestigung nutzt dagegen eine Dichtschraube ohne Kalotte. Schraubentyp, Abstand und Lage (im Wellental oder auf dem Hochsicken) folgen aus Produkt und Lastnachweis, nicht aus der Faustregel.
In den Randzonen dichter
Am Rand und an den Ecken greift der Windsog stärker als in der Fläche — dort wird dichter befestigt. Wer in der Fläche wie am Rand verschraubt oder umgekehrt, hat die Deckung entweder nicht gehalten oder unnötig durchlöchert.
Lichtplatten brauchen Dehnungsspiel
Kunststoffplatten dehnen sich unter Sonne aus; eine starr verschraubte Lichtplatte wirft Beulen oder reißt an der Bohrung. Wie das Spiel aufgenommen wird, hängt von der Platte ab: Bestimmte einschalige Wellplatten werden mit vorgebohrten, größeren Löchern und Gleitbefestigung montiert; Stegplatten liegen regelmäßig beweglich in abgestimmten Klemmprofilen mit EPDM-Dichtungen. Das Dehnungsspiel ist Teil der Befestigung, kein Fehler, den man „festziehen" darf.

Wand, Traufe und Werkstoffkontakt

Dichtheit und Korrosionsdauer entscheiden sich nicht auf der ungestörten Profilfläche, sondern an ihren Übergängen.
Wandanschluss
Am Wandanschluss wird das Profil hochgeführt und so angeschlossen, dass kein Wasser hinter die Deckung laufen kann — die Anschlusshöhe und der Übergang folgen dem Regelwerk, nicht dem Gefühl.
Tropfkante und Rinneneinlauf
An der Traufe wird die Deckung mit einer Tropfkante beziehungsweise einem Rinneneinlauf abgeschlossen, an dem das Wasser sauber abreißt und in die Rinne fällt — nicht an der Stirnkante entlang ins Holz kriecht.
Werkstoffkontakt
Unverträgliche Metalle, die sich berühren, erzeugen Kontaktkorrosion; Schnittkanten werden so behandelt, dass sie nicht zur Korrosionsstelle werden. Die Verträglichkeit der Materialien wird geprüft, bevor verbunden wird.

PV-fähig erneuern

Wer heute neu eindeckt, klärt gleich mit, ob später Photovoltaik auf das Dach soll — und was das für Lasten und Befestiger heißt.
Bestands-PV bleibt Fachfirmenarbeit
Liegt bereits eine Anlage auf dem Carport, ist die Demontage vor der Erneuerung Sache der Solarfachfirma — die DC-Leitungen bleiben spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt.
Spätere PV braucht Lastreserve und Befestigungsbereiche
Soll später eine Anlage aufs Dach, werden die zusätzliche Last, die Befestigungsbereiche und die korrosionsverträglichen Anschlüsse bereits im Nachweis festgelegt. Nachträgliche ungeplante Durchdringungen entwerten die neue Deckung und den Lastnachweis zugleich.
Die Schiene nicht zum Leck machen
Wo die künftige Unterkonstruktion auf die Deckung greift, wird die Durchdringung von vornherein so geplant, dass sie dicht bleibt — die PV-Befestigung ist dann Teil der Deckung, nicht ihr Loch.
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Schritt für Schritt: das Carportdach erneuern

1

Schadstofffrage klären

Alte Eindeckung bestimmen; bei Verdacht auf Asbest (TRGS 519) endet der Rückbau hier (siehe ganz oben).

2

Alte Deckung abnehmen

Schrauben lösen, Platten oder Bleche in handlichen Stücken abnehmen, Tragwerk freilegen.

3

Bestand prüfen

Sparren, Pfetten, Auflager und Befestiger auf Risse, Morsche, Durchbiegung und Korrosion prüfen; Durchfeuchtetes und Geschädigtes ertüchtigen oder tauschen.

4

Lastnachweis einholen

Schnee- und Windlasten nach Eurocode 1 (DIN EN 1991-1-1/-1-3/-1-4 mit NA), Holztragwerk nach Eurocode 5 — der Nachweis liefert Querschnitte, Stützweiten und Befestigungsabstände.

5

Holzschutz prüfen

Konstruktiven Holzschutz nach DIN 68800-2 herstellen — Abstände, Tropfkanten, Belüftung.

6

Neue Deckung wählen

Profilblech (DIN EN 508-1) oder Lichtplatten (DIN EN 1013) nach Neigung, Stützweite und Lichtbedarf bestimmen.

7

Eindecken

Die Profiltafeln verlaufen in Gefällerichtung — von der Traufe zum First; der Arbeitsfortschritt schreitet quer dazu über die Dachbreite fort, mit der vorgeschriebenen Überdeckung nach Herstellerangabe.

8

Befestigen

Schrauben mit EPDM-Dichtscheibe — bei Hochsickenbefestigung mit Kalotte, bei Tiefsickenbefestigung ohne —, in den Randzonen dichter, nach dem Befestigungsmuster des Herstellers; Lichtplatten mit Dehnungsspiel.

9

Kontrolle

Alle Schrauben sitzen, Überdeckungen stimmen, Anschlüsse und Ränder sind sauber geführt.


Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Schadstoffprüfung übersprungenAsbestfreisetzung, unzulässiger Eingriff, Arbeitsabbruch
Bestand nicht geprüftneue Deckung auf geschwächtem Tragwerk
Korrosion übersehenneue Deckung auf rostigen Befestigern
Lastnachweis übersprungenBefestigung hält dem Windsog nicht stand
Windsog unterschätztDeckung hebt im Sturm ab
Überdeckung zu knappWasser läuft an der Naht unter die Deckung
Lichtplatte starr verschraubtPlatte beult oder reißt an der Bohrung
Holzschutz vergessenHolz fault, Tragwerk altert vorzeitig
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — steht vor dem ersten Eingriff
Vor dem Abbau der alten Eindeckung gilt: Alte Faserzement-Well- und -Dachplatten können bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 asbesthaltig sein; bei später erneuerten Bauteilen sind deren Einbau- und Produktnachweise gesondert zu prüfen. Umgang, Demontage und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen qualifizierten Fachbetrieb. Nicht sägen, nicht bohren, nicht brechen, nicht betreten.
Lastnachweis — Fachplanerarbeit
Schnee- und Windlasten nach Eurocode 1 (DIN EN 1991-1-1/-1-3/-1-4 mit NA), das Holztragwerk nach Eurocode 5 (DIN EN 1995-1-1:2010-12 + A2:2014-07 + DIN EN 1995-1-1/NA:2013-08). Der Nachweis liefert Querschnitte, Stützweiten und Befestigungsabstände — er ist die Grenze zur Eigenleistung.
Konstruktiver Holzschutz
DIN 68800-2: Holz durch Konstruktion und Belüftung dauerhaft schützen (bauliche Maßnahmen); die Gebrauchsklassen kommen aus DIN 68800-1, chemischer Schutz nur ergänzend aus DIN 68800-3.
Absturz und Betreten
Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder tragfähiger Plattform — die Leiter ist nur der Zugang, kein Arbeitsplatz. Well- und Kunststoffplatten brechen ohne Vorwarnung (Durchsturzgefahr); Trapezblech trägt nicht punktuell. Die alte wie die neue Deckung ist keine Verkehrsfläche.
Was schiefgeht, wenn man es falsch macht
Das Carportdach wird am ehesten dort falsch gemacht, wo es am einfachsten scheint: alte Platten runter, neue drauf, fertig. Der Bestand bleibt ungeprüft, der Windsog ungerechnet, die Korrosion verdeckt — und bei Sturm hebt die neue Deckung genau an der Stelle ab, an der die Befestigung nie gerechnet wurde. Deshalb steht der Bestandscheck vor der neuen Deckung und der Lastnachweis vor der Schraube.
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