Eine Dachgaube ist ein Aufbau, der aus einer geneigten Dachfläche heraustritt und senkrechte Fensterflächen in die Dachschräge bringt. Ihr Zweck ist immer derselbe: im Dachraum dort Licht, Luft und Stehhöhe zu schaffen, wo die Schräge sonst den Raum begrenzt.
Die Gaube besteht aus drei Teilen: der Gaubenstirn mit dem Fenster nach vorn, den beiden seitlichen Gaubenwangen und dem Gaubendach darüber. Zusammen bilden sie einen kleinen Baukörper, der in die Hauptdachfläche eingesetzt ist — und an den Stellen, an denen er auf die Hauptfläche trifft, entstehen die Kehlen, die das Wasser aus beiden Flächen zusammenführen.
Welche Form dieser Aufbau annimmt, entscheidet über Fensterfläche, Lichteinfall, Kosten und den Eingriff ins Tragwerk. Die fünf gängigen Formen unterscheiden sich im Wesentlichen in einem Punkt: in der Form ihres Gaubendachs.
Gaube oder Dachfenster: die Vorentscheidung vor der Form
Vor jeder Gaubenform steht eine grundsätzlichere Frage: Braucht es die Gaube — oder reicht ein Dachflächenfenster in der vorhandenen Schräge?
Das Dachflächenfenster lässt das Tragwerk unangetastet, ändert weder Kubatur noch Dachform und kommt mit weniger Genehmigungsthematik aus. Es bringt Licht und Luft in die Schräge — aber keine zusätzliche Grundfläche und keine Stehhöhe an der Wand.
Die Gaube liefert genau beides: eine senkrechte Fensterfläche, vor der man stehen und im Stehen lüften kann, plus nutzbare Fläche bis an die Außenwand. Dafür schneidet sie in Tragwerk und Dachhaut ein und löst Genehmigung und Statik aus (Anleitung Dachgaube nachträglich einbauen).
Geht es nur um Licht und Luft im Bestand, trägt das Dachflächenfenster (Sortiment Dachfenster 4.701, Eindeckrahmen 614). Geht es um Stehhöhe, Grundfläche und eine aufrechte Fensterfront, führt kein Weg an der Gaube vorbei — und erst dann stellt sich die Frage nach der Form.
Zwerchhaus ist keine Gaube — die häufigste Verwechslung
Die Giebelgaube wird im Alltag ständig mit dem Zwerchhaus (auch Zwerchgaube) verwechselt — beim Amt und beim Zimmerer ist es aber ein anderes Bauteil, und wer das falsche Wort benutzt, bekommt die falsche Auskunft.
Der Unterschied liegt im First und im Auflager. Das Zwerchhaus steht mit seinem First rechtwinklig zum Hauptfirst und wächst mit seiner Giebelseite aus der Traufwand hoch — sein Giebel setzt die Fassade des Gebäudes nach oben fort. Die Giebelgaube dagegen sitzt auf der Dachfläche und stützt sich auf deren Tragwerk ab; ihr First bleibt klein und richtet sich nach dem Hauptdach.
Für die Praxis heißt das: Das Zwerchhaus ist ein Eingriff in die Wand, nicht nur in die Dachfläche, und wird in Gestaltungssatzungen und Bebauungsplänen oft anders bewertet als eine Gaube. Wer eine genehmigungsfähige Lösung sucht, muss das Bauteil deshalb korrekt benennen.
Die Schleppgaube: die einfache, günstige Standardform
Die Schleppgaube ist die verbreitetste Gaubenform — und zugleich die einfachste.
Das Gaubendach wird „geschleppt"
Das Dach der Schleppgaube hat eine geringere Neigung als das Hauptdach und läuft von der Gaubenstirn nach oben, bis es unterhalb des Hauptfirsts wieder in die Hauptfläche mündet. Es ist also keine zweite Spitze, sondern eine flacher geneigte Fläche, die sich in das Hauptdach hineinlegt — daher der Name „geschleppt".
Ihre Stärken: viel Fensterfläche, wenig Aufwand
Die Schleppgaube bringt eine der größeren durchgehenden Fensterflächen aller Gaubenformen mit und ist konstruktiv die unaufwendigste — ein einfaches, flach geneigtes Gaubendach, das wenig Anschlussdetails erzeugt. Deshalb ist sie die wirtschaftlichste Wahl, wenn es vor allem um Licht und nutzbare Fläche geht.
Ihre Grenze: die Neigung
Weil ihr Gaubendach flacher ist als das Hauptdach, braucht die Schleppgaube ein ausreichend steiles Hauptdach — bei einem flachen Dach reicht die Differenz nicht, um das Gaubendach noch regensicher zu neigen. Für flache Hauptdächer ist sie deshalb oft keine Option.
Die Giebel- und Satteldachgaube: das eigene kleine Dach
Die Giebelgaube — auch Satteldachgaube oder Spitzgaube genannt — trägt ihr eigenes kleines Satteldach.
Die Gaube hat einen eigenen Giebel
Anders als bei der Schleppgaube läuft das Gaubendach der Giebelgaube nicht in die Hauptfläche, sondern bildet ein eigenes kleines Satteldach: zwei schräg zulaufende Flächen, die sich in einem kleinen First treffen. Die Gaubenstirn zeigt nach vorn als Giebel, daher der Name.
Ihre Stärke: ein klarer Dachraum hinter der Stirn
Die Giebelgaube schafft hinter der senkrechten Stirn einen gut nutzbaren Raum mit Stehhöhe bis in den Giebel hinein, und ihr Gaubendach führt das Wasser seitlich ab, statt es wie die Schleppgaube nach unten in die Hauptfläche zu leiten. Sie ist die Form mit dem am klarsten ausgebildeten, eigenständigen Dach.
Ihr Preis: mehr Anschlussdetails
Ein eigenes Satteldach heißt: zwei zusätzliche Flächen, ein kleiner First und die Kehlen an beiden Wangen. Mehr Kanten bedeuten mehr Stellen, an denen die Deckung dicht bleiben muss — die Giebelgaube ist im Anschluss aufwendiger als die Schleppgaube.
Die Walmdachgaube: die seltene, aufwendige Form
Die Walmdachgaube ist die Variante mit dem kleinsten eigenen Walmdach — und die seltenste der gängigen Formen.
Das Gaubendach ist nach drei Seiten geneigt
Anders als bei der Giebelgaube wird bei der Walmdachgaube der obere Giebelbereich nach vorn abgewalmt: Das Dach läuft mit drei geneigten Flächen in einem kleinen First zusammen. Unter diesem vorderen Walm bleibt aber eine senkrechte Stirn- und Fensterfläche stehen — nur der Giebel darüber ist abgewalmt, die Gaubenstirn selbst ist nach wie vor eine senkrechte Wand mit Fenster.
Ihre Stärke: ein geschlossener, witterungsarmer Baukörper
Weil der vordere Giebel abgewalmt ist und nur eine kleinere senkrechte Stirnfläche bleibt, ist die Walmdachgaube von außen besonders witterungsfest und formschlüssig — sie wirkt wie ein kleiner Walmanbau auf dem Dach.
Ihr Preis: der höchste Anschlussaufwand
Drei geneigte Flächen und die Übergänge zu den Wangen erzeugen mehr Kehl- und Gratlinien als jede andere Gaubenform. Die Walmdachgaube ist deshalb die aufwendigste Variante — sie wird gewählt, wenn die Optik oder der Denkmalschutz es verlangt, nicht weil sie wirtschaftlich wäre.
Die Flachdachgaube: die moderne, großflächige Form
Die Flachdachgaube ist die Form der modernen Architektur — und bringt das meiste Licht in den Dachraum.
Das Gaubendach ist nahezu eben
Die Flachdachgaube trägt ein nur leicht geneigtes Dach, das nach vorn entwässert. Es bildet eine klare, horizontale Oberkante über der Fensterfront — das Gegenteil der geschwungenen oder gesattelten Formen.
Ihre Stärke: maximale Fensterfläche, klare Linie
Weil kein Gaubendach über der Stirn aufragt, lässt sich die gesamte Vorderfläche als Fenster ausbilden — die Flachdachgaube liefert das meiste Licht und die größte durchgehende Verglasung. Ihre schlichte Oberkante passt zur modernen Formensprache.
Ihr Preis: die Abdichtung des flachen Dachs
Ein nahezu flaches Gaubendach braucht eine funktionierende Abdichtung mit Gefälle und Ablauf — bei einer kleinen Gaube ist das ein vergleichsweise hoher Aufwand je Fläche. Zudem sammelt sich auf der flachen Oberfläche leichter Laub und stehendes Wasser als auf einer geneigten Fläche. Die Flachdachgaube ist deshalb eine Abdichtungsaufgabe, keine reine Deckungsaufgabe.
● Baustoffhandel seit 1978
Passt das zu Ihrem Dach?
Maße und Aufbau durchgeben — wir stellen Ihnen zusammen, was dazugehört.
Die Fledermausgaube — regional auch Ochsenauge oder Froschmaul genannt — ist die historische Sonderform, die sich von allen anderen unterscheidet.
Die Fläche schwingt ohne First in die Hauptfläche
Die Fledermausgaube hat kein eigenes Gaubendach mit Kante: Ihre Dachfläche ist geschwungen und läuft fließend in die Hauptdachfläche über, ohne First und ohne Kehle im klassischen Sinn. Ihre größte Höhe und Breite hat sie unten, an der Traufe der Gaube — dort sitzt auch das Fenster, oft ein einzelnes, gelegentlich ovales. Nach oben und zu beiden Seiten läuft die Wölbung aus und verliert sich in der Hauptfläche; die Trauflinie beschreibt dabei den charakteristischen weichen Bogen, der der Form ihren Namen gegeben hat.
Ihre Stärke: der fließende Übergang
Weil keine Kante die Fläche unterbricht, wirkt die Fledermausgaube wie aus dem Dach herausgewölbt — ein weicher, unaufdringlicher Übergang, der vor allem bei denkmalgeschützten Dächern die historisch korrekte Form ist.
Ihr Preis: die kleine Öffnung und der Aufwand
Die Fledermausgaube bringt nur wenig Licht, weil ihre Öffnung klein ist, und ihr geschwungener Verlauf ist handwerklich anspruchsvoll — die Dachfläche muss in der Krümmung gedeckt werden, was nur mit biegsamen oder kleinformatigen Materialien gelingt. Sie ist die Form der Denkmalpflege, nicht der Flächenmaximierung.
Deckung der Sonderformen: Biber und Schiefer
Die Fledermausgaube verlangt nach Materialien, die sich in die Krümmung legen — und Franke führt die beiden, die dafür in Frage kommen: den Biber (4 im Ziegelsortiment) und den Naturschiefer (Schieferplatten 9).
Der Biber ist der kleinformatige Flachziegel, der sich in der geschwungenen Fläche satt an satt verlegen lässt. Der Naturschiefer lässt sich in kleinen Formaten zuschneiden und folgt der konkaven Krümmung flächig — er ist die klassische Deckung historischer Fledermausgauben.
Beide decken die Sonderform sortimentsseitig ab; was im Einzelfall passt, entscheidet der Bestand und die Denkmalvorgabe. Großformatige Ziegel oder Steine, die auf der geraden Fläche problemlos liegen, scheiden an der Krümmung dagegen aus.
Gaubenwangen und Kehlen: wo es dicht werden muss
Jede Gaube, gleich welcher Form, hat zwei Anschlussstellen, an denen das Wasser zusammenläuft — und dort entscheidet sich, ob sie dicht bleibt.
Die Gaubenwangen sind die Seitenwände
Die Gaubenwangen sind die beiden seitlichen, meist senkrechten Flächen, die von der Gaubenstirn schräg nach hinten zur Hauptdachfläche führen. Sie schließen die Gaube seitlich und bilden den Übergang zwischen dem Gaubendach oben und der Hauptfläche unten. Je nach Form sind sie gedämmt, verkleidet und mit der Hauptdeckung verwahrungstechnisch verbunden.
Die Kehlen sind die einspringenden Linien — aber nicht jeder Anschluss ist eine. Eine echte Kehle entsteht dort, wo zwei Dachflächen — Gaubendach und Hauptdach — mit je einem Einzugsgebiet aneinanderstoßen und ihr Wasser zusammenführen. Der Anschluss einer senkrechten Wange an die Hauptdachfläche ist dagegen regelmäßig ein Seitenwand-/Anschlussdetail, keine klassische Kehle mit zwei Einzugsflächen. Beide Stellen führen mehr Wasser als die freie Fläche und sind die verwundbarsten Punkte jeder Gaube — sie werden nur unterschiedlich verwahrt.
Wangen und Kehlen zusammen entscheiden
Eine Gaube ist selten in ihrer Stirnfläche undicht, fast immer an Wangen oder Kehlen: dort, wo die Deckung angeschnitten, angepasst und an die Hauptfläche angeschlossen wird. Wer die Gaubenform wählt, wählt mit ihr die Zahl dieser Anschlussstellen — die Schleppgaube kommt mit wenigen aus, die Walmdachgaube mit vielen.
Wonach die Gaubenform gewählt wird
Am Ende ist die Wahl der Gaubenform keine reine Geschmacksfrage — vier Größen entscheiden zusammen.
Die Dachneigung des Hauptdachs
Die Schleppgaube braucht ein steiles Hauptdach, weil ihr Gaubendach flacher als die Hauptfläche sein muss; die Fledermausgaube passt zu geschwungenen, historischen Dächern. Die Form muss zur vorhandenen oder geplanten Neigung passen — sonst wird das Gaubendach nicht regensicher.
Der gewünschte Lichteinfall
Wer maximale Fensterfläche will, nimmt die Flachdach- oder Schleppgaube; wer nur ein kleines Fenster braucht, kann eine Fledermausgaube wählen. Die Fensterfläche ist die sichtbarste Konsequenz der Form.
Das Tragwerk
Jede Gaube ist ein Eingriff in den Dachstuhl: Sparren werden durchtrennt und über Wechsel umgeleitet. Ob der Bestand das trägt und welcher Aufwand nötig ist, entscheidet die Statik — nicht die Form allein.
Die Bauordnung
Ob eine Gaube überhaupt zulässig ist und ob sie genehmigungspflichtig ist, hängt von Landesbauordnung, Bebauungsplan und Gestaltungssatzung ab — dazu ausführlich Anleitung Dachgaube nachträglich einbauen. Die schönste Form nützt nichts, wenn sie nicht gebaut werden darf.
Die fünf Formen im direkten Vergleich
Der direkte Vergleich macht die Wahl greifbarer als die fünf Einzelporträts: welche Fensterfläche die Form liefert, was sie vom Hauptdach verlangt, wie viele Anschlussstellen sie erzeugt und wie hoch der Aufwand ausfällt.
Form
Fensterfläche
Hauptdach
Anschlussstellen
Aufwand
Einsatz
Schleppgaube
groß, durchgehend
steil
wenige
gering
Standard
Giebel-/Satteldachgaube
mittel
—
mehrere (First, 2 Kehlen)
mittel
Standard
Walmdachgaube
klein
—
viele (Grate, Wangen)
hoch
Denkmal, Optik
Flachdachgaube
maximal
—
Wangen + Abdichtung
mittel bis hoch
modern
Fledermausgaube
klein
kleinformatige oder biegsame Deckung nötig
keine echte Kehle
hoch
Denkmal
---
Was beachtet werden muss
Schadstofffrage — steht vor dem ersten Handgriff
Bei einer Sanierung oder einem Einbau ist zuerst zu klären, ob Material aus der Zeit bis einschließlich 1993 verbaut ist — Faserzement-Wellplatten, Faserzement-Kleintafeln, alte Bitumenbahnen sowie Kleber und Spachtelmassen. Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor, Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten Fachbetrieb.
Welche Gaubenform der Dachstuhl hergibt und welcher Sparrenwechsel nötig ist, entscheidet die Statik — nicht die gewünschte Optik.
Kehlen sind die verwundbare Stelle
An Wangen und Kehlen läuft mehr Wasser zusammen als in der freien Fläche. Jede zusätzliche Kehle ist eine zusätzliche Anschlussstelle, die dicht bleiben muss.
Betreten der Dachfläche
Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche, auch nicht für eine Gaubenkontrolle. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus. Die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz.
Sie können einen über unseren Online-Shop geschlossenen Vertrag hier
widerrufen. Füllen Sie dazu die folgenden Felder aus. Im nächsten
Schritt bestätigen Sie den Widerruf gesondert.