Ein Satteldach ist ein Dach aus zwei gegeneinander geneigten Dachflächen, die sich an ihrer höchsten Linie treffen. Diese höchste Linie heißt Dachfirst — sie verläuft waagerecht und bildet die Kante, an der die beiden Flächen zusammenlaufen. Von dort fallen die Flächen nach zwei Seiten hin ab, je eine zu jeder Gebäudeseite.
Der Name spielt auf die Form an: Der Umriss eines Satteldachs — ein Dreieck auf einem Rechteck — erinnert an einen Sattel, der über dem Gebäude liegt. So einfach die Form wirkt, sie ist nicht die geometrisch einfachste Dachform: Das Pultdach kommt mit nur einer Dachfläche aus, das Satteldach braucht zwei und damit eine Firstlinie. Jede zusätzliche Fläche erzeugt weitere Kanten, an denen die Deckung dicht bleiben muss.
Für die Material- und Planungsfragen, die sich aus dieser Form ergeben — welche Neigung sie zulässt, wie sie eingedeckt und saniert wird — ist Satteldach zuständig. Hier geht es allein um die Begriffe.
Jede Dachfläche eines Satteldachs wird von drei Kantenarten begrenzt, die im Fachbegriff jeweils einen eigenen Namen tragen — oben, unten und an beiden Seiten.
Der First ist die oberste, waagerechte Linie, an der die beiden Flächen aufeinandertreffen — der höchste Punkt des Dachs. Die Traufe ist die untere, waagerechte Kante, an der das Wasser von der Fläche abläuft — dort sitzt in der Regel die Dachrinne. Der Ortgang ist die seitliche, schräge Kante, an der die Dachfläche am Giebel endet.
Als einzelne Abschnitte gezählt ergibt das sieben Kanten: ein First, zwei Traufen und vier Ortgänge — an jedem Giebel zwei. Diese drei Kantentypen sind zugleich die drei Stellen, an denen eine Deckung endet oder die Richtung wechselt, und damit die Punkte, an denen ein Dach am ehesten gewartet werden muss. Die Bauteile, die dort sitzen — Firstziegel, Traufblech, Ortgangblech — behandeln die Dachfirst abdichten, Traufe am Dach und Ortgangblech am Ziegeldach.
Grat und Kehle: die Kanten, die das reine Satteldach nicht hat
First, Traufe und Ortgang decken die Reinform ab. Zwei weitere Kantennamen tauchen in jedem Sanierungsangebot auf, sobald die Form die Reinform verlässt — und sie gehören begrifflich dazu.
Der Grat ist die außenliegende Kante zweier geneigter Flächen
Beim reinen Satteldach kommt er nicht vor — erst beim Walmdach, wo die Schmalseiten als geneigte Flächen an die Hauptflächen stoßen, bilden die schrägen Stoßlinien Grate. Dort liegt die häufigste Verwechslung: Die schräge Kante am Walmdach ist ein Grat, kein Ortgang. Der Ortgang ist der seitliche Abschluss der Dachfläche am Giebel — er liegt im Regelfall mit Dachüberstand frei über der Giebelwand und grenzt gerade nicht an sie an. Der Grat grenzt eine Dachfläche an eine zweite Dachfläche. Und wo eine Dachfläche tatsächlich gegen ein aufgehendes Bauteil stößt, ist es ein Wandanschluss — wieder ein eigenes Detail.
Die Kehle ist das innenliegende Gegenstück
Sie entsteht, wo zwei geneigte Flächen eine Innenecke bilden: Das Wasser beider Seiten läuft in sie hinein, statt von ihr weg. Auch die Kehle kennt die Reinform nicht — sie kommt erst mit einer Durchdringung ins Dach, etwa durch ein Zwerchhaus. Gerade weil sie das Wasser sammelt, ist die Kehle bei der Sanierung die Kante, die am ehesten undicht wird; ihr Blech und seine Einkleidung sind ein eigenes Detail, kein Nebensatz.
Die Giebelwand: wo das Satteldach seitlich endet
An den beiden Schmalseiten des Gebäudes stößt das Satteldach nicht auf eine weitere Dachfläche, sondern auf eine senkrechte Wand — die Giebelwand. Sie ist der Ort, an dem der Ortgang verläuft und an dem der dreieckige Querschnitt des Dachs sichtbar wird.
Die Giebelwand gehört zum Gebäude, nicht zur Dachfläche selbst — aber sie bestimmt die Form des Satteldachs mit: Ihre Breite und Höhe geben vor, wie groß das Dreieck wird, das die beiden Dachflächen bilden. Wo die Schmalseite statt einer senkrechten Wand ganz oder teilweise eine geneigte Dachfläche bekommt, verändert sich die Form — dann spricht man nicht mehr vom reinen Satteldach, sondern vom Walm- oder Krüppelwalmdach (dazu unten).
Für den Begriff ist die Giebelwand der Unterschied zum Walmdach: Beim Satteldach ist die Schmalseite eine Wand, beim Walmdach ist sie eine Dachfläche. Daran lassen sich die beiden Formen am einfachsten auseinanderhalten.
Zwerchhaus und Gaube: wenn die Fläche durchdrungen wird
Kaum ein Bestands-Satteldach ist eine Reinform — und der häufigste Grund dafür sitzt mitten in der Fläche.
Das Zwerchhaus ist ein querstehendes Satteldach
Sein eigener First läuft quer zum First des Hauptdachs, seine Flächen dringen in die Hauptfläche ein — ein komplettes kleines Satteldach auf dem großen. An den Stoßlinien, an denen seine Flächen in die Hauptfläche einlaufen, entstehen die Kehlen: Hier bekommt das Dach die Innenkanten, die keine der Reinformen kennt.
Die Gaube ist der kleinere Verwandte
Auch sie durchbricht die Fläche, bleibt aber ein lokaler Aufbau für Licht und Stehhöhe in einem Raum darunter — sie bildet keinen eigenen Baukörper, der bis an den First reicht. Beiden gemeinsam ist die Konsequenz fürs Dach: Jede Durchdringung bringt Kehlen und Wandanschlüsse mit, die es an der glatten Fläche nicht gibt — und genau diese Stellen sind es, die später gewartet und abgedichtet werden. Wer sein Dach in keiner Reinform wiederfindet, hat meist ein Satteldach mit Durchdringung vor sich, keine andere Dachform.
Zum Tragwerk nur ein Verweis
Unter der Dachfläche liegt das Tragwerk — beim Satteldach sind das Sparren, gegebenenfalls Pfetten und Kehlbalken. Diese Begriffe gehören zum Dachstuhl, nicht zur Dachform: Ob ein Satteldach als reines Sparrendach, als Kehlbalkendach oder als Pfettendach ausgeführt ist, entscheidet die Spannweite und die Last. Wie diese drei Tragwerksarten tragen, wie sie aufgebaut sind und worin sie sich unterscheiden, ist ein eigenes, tieferes Thema — dafür gilt Dachstuhl-Aufbau. Hier genügt die Feststellung, dass unter derselben Dachform verschiedene Tragwerksarten stehen können, ohne dass sich an der Dachform selbst etwas ändert.
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Satteldach, Pultdach, Walmdach: die Abgrenzung in einem Satz
Drei Dachformen werden häufig verwechselt — ein Satz je Form trennt sie sauber:
Satteldach
— zwei gegeneinander geneigte Flächen, ein waagerechter First, senkrechte Giebelwände an den Schmalseiten.
Pultdach
— genau eine geneigte Fläche, kein First, ein Hoch- und ein Tiefpunkt; die Fläche läuft gegen eine Wand oder endet frei.
Walmdach
— statt senkrechter Giebelwände sind auch die Schmalseiten geneigt; das Dach hat vier Flächen und keinen senkrechten Giebel. Der Krüppelwalm ist die Mischform: Der Walm setzt am First an und reicht nur ein Stück nach unten, darunter bleibt ein senkrechter, meist trapezförmiger Restgiebel stehen. Wie weit er herunterreicht, ist keine feste Größe — die halbe Giebelhöhe ist verbreitet, aber keine Regel. Die umgekehrte Anordnung gibt es ebenfalls und heißt Fußwalm: Dort sitzt die Walmfläche unten an der Traufe, während die Giebelspitze senkrecht weitergeführt wird. Beide sind eigene Dachformen, nicht zwei Namen für dasselbe.
Der Unterschied liegt also immer in denselben beiden Fragen: Wie viele geneigte Flächen hat das Dach — und ist die Schmalseite eine Wand oder eine Fläche? Wer diese zwei Fragen beantwortet, kann die drei Formen auseinanderhalten. Den ausführlichen Vergleich liefert Welche Dachformen gibt es.
Vom Boden aus bestimmen: die Sicht-Merkmale
Wer vor dem eigenen Haus steht, braucht keine Definition, sondern eine Zuordnung — und die gelingt mit vier Blicken vom Boden aus.
Laufen die Schmalseiten als geneigte Flächen schräg nach oben, fehlt der senkrechte Giebel — und die Firstlinie ist kürzer als das Gebäude, weil die Walmflächen an beiden Enden einziehen.
Schräge oben am First, senkrechter Restgiebel darunter: Krüppelwalm
Beginnt die Schmalseite am First als geneigte Fläche und endet weiter unten in einer senkrechten, meist trapezförmigen Wandfläche, ist die Mischform gemeint. Sitzt es umgekehrt — die senkrechte Giebelspitze oben, die Schräge unten an der Traufe —, ist es der Fußwalm.
Nur eine geneigte Fläche: Pultdach
Fehlt die Gegenseite vollständig, läuft das Dach einseitig von einem Hochpunkt zu einer einzigen Traufe — dann ist es kein Satteldach, sondern die Form aus Pultdach.
Wo der Begriff an seine Grenze kommt
Der Begriff Satteldach beschreibt eine Form — und wie jeder Dachbegriff stößt er an Grenzen, an denen die reine Definition nicht mehr trägt.
Symmetrisch und asymmetrisch bleiben Satteldächer
Ein Satteldach muss nicht symmetrisch sein: Zwei Flächen mit unterschiedlicher Neigung oder Länge, ein First, der aus der Mitte rückt — das ist immer noch ein Satteldach, nur ein asymmetrisches. Auch der Krüppelwalm wird im Sprachgebrauch noch zum Umfeld des Satteldachs gezählt, obwohl er streng genommen eine eigene Form mit abgewalmter Giebelspitze ist.
Die Grenze liegt bei der zweiten Fläche
Sobald ein Dach nur noch eine Fläche hat, ist es kein Satteldach mehr — es ist ein Pultdach. Sobald auch die Schmalseiten geneigt sind, wird aus dem Satteldach ein Walmdach. Der Begriff hängt also an genau zwei Merkmalen: zwei Flächen und senkrechte Giebel. Fehlt eines davon, ist es ein anderer Begriff.
Warum die Form den Sanierungsaufwand treibt
Die Begriffe dieser Seite sind keine Wortklauberei — sie entscheiden, wie viel Detailarbeit ein Dach hat, sobald es saniert oder neu eingedeckt wird.
Jede Kante ist ein eigenes Detail
First, Traufe, Ortgang, Grat und Kehle brauchen jeweils eigene Bauteile und eigenen Zuschnitt: Die Firstabdeckung funktioniert anders als die Ortgangkante, und die Kehle anders als beide. Der Aufwand eines Dachs hängt deshalb weniger an der reinen Fläche als an seinen Kantenmetern — und die verteilen sich je Form sehr verschieden.
Zwei Dächer gleicher Größe sind nicht gleich aufwendig
Das Satteldach mit seinen sieben Kantenabschnitten ist die sparsamste Form; das Walmdach bringt die Grate dazu, das Dach mit Zwerchhaus die Kehlen. Wer zwei Angebote für gleich große, aber verschieden geformte Dächer vergleicht, vergleicht nicht dieselbe Leistung — er vergleicht unterschiedliche Kantenmeter. Und wer die eigene Form benennen kann, stellt auch die Materialanfrage richtig: Deckung, Kanten und Anschlüsse gehören zusammen.
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Was beachtet werden muss
Schadstofffrage — steht vor dem ersten Handgriff
Bei einer Sanierung ist unabhängig von der Dachform zuerst zu klären, ob Material aus der Zeit bis einschließlich 1993 verbaut ist — betroffen sein können Faserzement-Wellplatten, Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen, alte Bitumenbahnen sowie Kleber und Spachtelmassen. Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein: Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus; reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme. Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten Fachbetrieb — diese Frage steht vor dem ersten Eingriff.
Diese Seite ist eine Begriffserklärung
Für Aufbau, Neigung und Eindeckung des Satteldachs im Detail gilt Satteldach; für die Bauteile des Tragwerks Dachstuhl-Aufbau.
Form folgt Statik
Welche Tragwerksart — Sparren-, Kehlbalken- oder Pfettendach — ein Satteldach trägt, wurde nach Spannweite und Last entschieden. Ob ein vorhandenes Tragwerk eine zusätzliche Last aufnimmt, ist eine Frage für den Statiker oder Zimmerer.
Betreten der Dachfläche
Unabhängig von der Form ist keine Dachfläche eine Verkehrsfläche. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus. Die Leiter ist ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz.
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