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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 17 Min. Lesezeit

PV-Module als Dach abdichten

Indachmodule als Dachhaut, die zweite wasserführende Ebene und der brandsichere Kabeldurchgang
9 Arbeitsschritte
11 typische Fehler

Vorab: Die Schadstofffrage, bevor die alte Deckung weicht

Wer das Modul zur Dachhaut macht, ersetzt die vorhandene Deckung — und damit beginnt die Arbeit mit dem, was dort liegt.

🔴 Faserzement-Kleintafeln ahmen Ziegel nach. Es gibt Platten aus Faserzement, die Frankfurter Pfannen oder Biberschwänze imitieren. Stammen sie aus der Zeit bis einschließlich 1993, können sie asbesthaltig sein — und der Rückbau der alten Deckung bedeutet genau den Eingriff, der bei Asbest verboten ist: lösen, brechen, tragen. Bei Verdacht gilt: nicht bohren, nicht brechen, nicht betreten; Umgang und Demontage richten sich nach der TRGS 519 und gehören zu einem dafür qualifizierten Fachbetrieb. Maßgeblich ist genau genommen der Baubeginn des Objekts: Wurde bis einschließlich 31. Oktober 1993 mit dem Bau begonnen, ist mit Asbest zu rechnen; bei später erneuerten Bauteilen zählen deren eigene Einbau- und Produktnachweise.

Auch alte Dachbahnen sind mitzuprüfen
Bitumenbahnen aus der Zeit bis einschließlich 1993 können Teer enthalten — dann gilt die TRGS 551. Andere alte Bahnen, Kleber, Kitte und Anschlussmassen aus der Zeit bis einschließlich 1993 können ihrerseits asbesthaltig sein — dann gilt die TRGS 519. Die Bestimmung des sichtbaren Decksteins allein reicht nicht: Beim Öffnen der Deckung sind Unterdeckung, alte Bahnen, Kleber, Kitte und Anschlussmassen mitzuprüfen, die unabhängig vom Deckmaterial schadstoffhaltig sein können.
Der Baubeginn stellt die Weiche, das Bauteil kann sie entlasten
Zuerst gilt die Vermutung nach dem Baubeginn des Objekts: bis einschließlich 31. Oktober 1993 ist mit Asbest zu rechnen. Von dieser Vermutung entlastet ein später erneuertes Bauteil nur, wenn sein eigenes Einbaudatum durch belastbare Einbau- und Produktnachweise belegt ist — die Reihenfolge lässt sich nicht umdrehen. Umgekehrt ist ein Baujahr nach 1993 kein Freibrief. Eine 1975 errichtete Halle, deren Deckung 2010 erneuert wurde, hat eine unverdächtige Deckung — kann aber unter der neuen Lage alte Bahnen und Kleber behalten haben. Umgekehrt kann ein insgesamt junges Gebäude beim Umbau Reste älterer Bauteile aufgenommen haben. Geprüft wird jedes Bauteil, das geöffnet wird, für sich.
Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein
Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme — bevor die erste Platte von der Latte genommen wird.

Was „PV-Module als Dach" von der Aufdach-PV unterscheidet

„PV-Module als Dach abdichten" verbindet zwei Dinge, die man auseinanderhalten muss: das Modul, das Strom macht, und das Dach, das dicht halten muss.
Die Aufdach-PV liegt auf dem fertigen Dach
Dort bleibt die eigentliche Dachhaut — Ziegel, Dachstein, Blech — erhalten. Die Module werden über ihr montiert, auf Dachhaken oder Schienen. Das Dach ist dicht, unabhängig davon, ob die Anlage funktioniert. Fällt ein Modul aus, bleibt das Dach trotzdem ein Dach.
Die gebäudeintegrierte PV ersetzt die Dachhaut
Das Indachmodul wird statt der Ziegel oder Steine eingebaut. Es trägt damit zwei Funktionen zugleich: Es erzeugt Strom und es hält das Wasser ab. Fällt ein Modul aus oder ist es undicht, ist es nicht nur ein elektrisches Problem, sondern ein Wasserschaden — denn das Modul ist die erste Dichtebene.
Daraus folgt die eigentliche Frage dieser Seite
Wer Indach baut, baut ein Dach, das nebenbei Strom erzeugt. Die Abdichtung ist nicht ein Detail am Modul, sondern die Hauptsache. Ein Indachsystem, das nur als „PV" geplant wird und nicht als „Dach", scheitert bei Schlagregen.

Indach, Aufdach oder Solardachziegel?

Wer diese Seite sucht, steht vor einer Weiche, die kein Datenblatt stellt: welcher Weg zur Photovoltaik auf diesem konkreten Dach der richtige ist.
Lage des DachsDer passende Weg
Neueindeckung steht ohnehin anIndach — Dachhaut und PV entstehen in einem Gewerk
Deckung ist noch gutAufdach — die Dachhaut bleibt, die Module liegen darauf
Denkmal oder strenge OptikvorgabeSolardachziegel oder Indach im Ziegelformat (Solardachziegel)
Dachdecker und PV-Firma getrennt beauftragenAufdach — zwei Gewerke, die unabhängig voneinander arbeiten
Die Entscheidung fällt mit dem Zustand der Deckung, nicht mit der Optik des Angebots: Indach trägt sich dort, wo ohnehin neu gedeckt wird; wo die Deckung noch Jahre hält, ist die Aufdach-Lösung der wirtschaftlichere Weg. Die Gesamtschau liefern die Solardachziegel und PV-Dachhaken am Ziegeldach.

Ein Kernunterschied bleibt die Hinterlüftung

Das Aufdachmodul schwebt über der Deckung, die Luft zieht darunter durch. Das Indachmodul sitzt in der Deckungsebene und wird von unten kaum gespült — es läuft heißer, was Ertrag und Alterung berührt und die Konstruktion darunter mit Kondensat belasten kann. Wie ein System die Wärme und Feuchte unter der Modulebene führt, ist Teil seiner Zulassung — und eine Frage ans Datenblatt, bevor unterschrieben wird.

Dachneigung als Systemgrenze

Jedes Indachsystem hat eine zugelassene Mindestneigung, und sie ist eine harte, produktgebundene Grenze: Der Wert steht in der Systemzulassung, und darunter gibt es keine Zusatzmaßnahme mehr, die es richtig macht — dann ist es das falsche System für dieses Dach, keine Frage der Ausführung.
Damit dreht sich die gewohnte Logik um: Nicht der Leser wählt das System, sondern das Dach grenzt ein, welche Systeme überhaupt in Frage kommen. Wer ein flaches Steildach hat, sortiert die Angebote zuerst nach der zugelassenen Neigung — alles andere ist Vergleich unter Kandidaten, die nicht antreten dürfen.

Die Ersatzteilfrage vor dem Kauf klären

Beim Indach ist das Modul die Dachhaut — und das macht aus einer Ersatzteilfrage ein Dachproblem.
Ein defektes Modul ist ein Loch in der Deckung
Fällt mitten in der Lebensdauer ein Modul aus und sein Format ist abgekündigt, steht kein Elektroproblem an, sondern eine undichte Stelle im Dach. Bei der Aufdach-PV tauscht die Fachfirma das Modul und die Dachhaut darunter bleibt, was sie ist; beim Indach muss das Ersatzmodul ins Systemraster passen.
Drei Fragen gehören vor die Unterschrift
Hält der Hersteller Austauschmoduln über die Lebensdauer des Dachs vor — und wie lange garantiert er das? Sind Folgemodelle mit der vorhandenen Einfassung kompatibel? Was passiert, wenn der Hersteller das System auslaufen lässt oder vom Markt geht? Kein Datenblatt beantwortet das von selbst; die Antworten gehören ins Angebot.

DIN EN 50583-1/-2: was gebäudeintegriert heißt

Für die gebäudeintegrierte Photovoltaik gibt es eine eigene Norm — und sie definiert, was das Modul überhaupt zum Dach macht.
DIN EN 50583
ist die Norm für gebäudeintegrierte Photovoltaik. Sie unterteilt in Teil 1 (Anforderungen an die BIPV-Module) und Teil 2 (Anforderungen an die BIPV-Systeme). Zusammen legen sie fest, welche Anforderungen ein Modul erfüllen muss, wenn es eine Funktion der Gebäudehülle übernimmt — also nicht nur Strom erzeugt, sondern zugleich abdichtet, dämmt, trägt oder den Witterungsschutz bildet.
Der Unterschied ist die Funktion, nicht die Optik
Ein Modul ist dann gebäudeintegriert, wenn es eine Bauproduktfunktion der Hülle übernimmt — die Dichtheit, den Regenschutz, die mechanische Stabilität. Ein Modul, das nur auf dem Dach liegt und nichts abdichtet, ist Aufdach-PV, auch wenn es flach und optisch integriert aussieht.
Warum die Norm zählt
Sie markiert die Grenze zwischen einem Elektroprodukt und einem Bauprodukt. Wer ein Indachmodul einbaut, verbaut ein Bauelement, das Wasser abhalten muss — und genau dafür stellt die Norm die Anforderungen. Ein Modul, das diese Anforderungen nicht erfüllt, darf nicht die Rolle der Dachhaut übernehmen.
Die Norm ersetzt keine Statik und keine Zulassung
DIN EN 50583-1/-2 stellen die Produkt- und Systemanforderungen an die Gebäudeintegration. Den statischen Nachweis des Tragwerks, den bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis sowie die nationalen Brand- und Dachregeln ersetzen sie nicht — die bleiben eigene Nachweise neben der Norm.

Das Indachmodul als Ersatz der Dachdeckung

An der Stelle, wo früher der Ziegel lag, sitzt jetzt das Modul — und es muss dasselbe leisten wie der Ziegel, nur zusätzlich unter Spannung.
Das Modul trägt die Deckfunktion
Im Indachsystem ersetzt das Modul die Dachdeckung: Es wird in die Konstruktion eingebunden wie ein Ziegel oder Stein, schließt gegen Regen ab und bildet die sichtbare Dachfläche. Die Einfassung — die Profile, in denen das Modul sitzt — übernimmt die Funktion der Deckungsränder und Falze.
Die Einfassung ist kein Dekor
Die Profile, Klemmen und Dichtungen, in denen das Indachmodul sitzt, sind das, was aus einem Modul eine Dachhaut macht. Sie führen das Wasser, übernehmen die Überdeckung und dichten die Übergänge zwischen den Modulen. Ein Indachsystem ist deshalb immer ein System aus Modul und Einfassung — nie das Modul allein.
Das Modul ersetzt die Deckung, nicht die Konstruktion
Unter dem Indachmodul bleibt die Tragkonstruktion — Sparren, gegebenenfalls Schalung — erhalten. Die Aufgabenteilung ist dabei dieselbe wie bei jeder Deckung, nur mit anderen Zahlen: Das Indachsystem nimmt Wind und Schnee auf und leitet sie über seine Befestigungspunkte weiter; das Tragwerk darunter nimmt sie auf. Das Modul selbst ist also kein tragendes Bauteil — es ist die Dachhaut, die Lasten einträgt.
Neu zu rechnen ist der Weg dazwischen
Ein Indachsystem hat andere Eigenlasten, andere Befestigungsraster und andere Sogangriffspunkte als die alte Deckung. Die Statik bleibt deshalb nicht „was sie war": Die Einbindung des Systems in die Konstruktion — Befestigungspunkte, Lasteinleitung, gegebenenfalls die Lattung oder Schalung darunter — ist für das konkrete System neu zu führen.

Die zweite wasserführende Ebene: Unterdach und Unterdeckung

Hier liegt der Kern jeder gebäudeintegrierten PV — und der häufigste Fehler ist, genau diese Ebene wegzulassen.
Die Indachfläche ist die erste Dichtebene
Das Modul hält Regen und Schnee ab — aber jede Deckung hat Fugen, Anschlüsse und Durchdringungen, und jede kann im Extremfall Wasser durchlassen. Deshalb arbeitet praktisch jedes zugelassene Indachsystem mit einer zweiten Ebene dahinter. Welche das ist — und ob das System sie überhaupt separat verlangt — steht in seiner Zulassung, nicht in einer allgemeinen Regel: Manche Systeme bringen die zweite Ebene als Teil des Bausatzes mit, andere setzen sie bauseits voraus.
Die zweite wasserführende Ebene fängt auf, was durchkommt
Unter dem Indachmodul liegt — je nach zugelassenem System, Dachneigung und Nutzung — ein Unterdach oder eine Unterdeckung: eine wasserführende beziehungsweise ableitende Schicht, die durchgedrungenes Wasser abführt, statt es in die Konstruktion laufen zu lassen. Beides ist nicht dasselbe — ein ausgeführtes Unterdach ist eine eigenständig wasserführende Ebene, eine Unterdeckbahn auf Schalung eine deckungsnahe Zusatzschicht. Ob und in welcher Form eine zweite Ebene nötig ist, sagt das zugelassene System, keine Pauschalregel.
Warum das bei Indach doppelt zählt
Bei der Aufdach-PV bleibt unter den Modulen die vollwertige Dachhaut — die Module sind nur die erste von mehreren Ebenen. Beim Indach ist das Modul die Dachhaut. Fällt hier die zweite Ebene aus, ist der nächste Feuchteschaden programmiert, weil zwischen Modul und Innenraum nichts mehr ableitet. Ob diese Ebene als Unterdach oder als Unterdeckung auszuführen ist, entscheidet das zugelassene System — die zweite Ebene ist damit die Bedingung, unter der ein Indach überhaupt zum Dach wird, keine pauschal identische Pflichtlösung.

Die harte Bedachung: die erste Frage beim Indachsystem

Bevor über Dichtheit gesprochen wird, steht eine bauordnungsrechtliche Frage — und sie wird bei gebäudeintegrierter Photovoltaik regelmäßig übersehen.
Ein Modul, das die Dachhaut ersetzt, ist die Bedachung
Damit gilt für es dieselbe Anforderung wie für jede andere Deckung: § 32 Abs. 1 der Musterbauordnung verlangt, dass Bedachungen gegen eine Brandbeanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme ausreichend lang widerstandsfähig sind — die „harte Bedachung". Ein Aufdachsystem, das über einer vorhandenen Ziegeldeckung liegt, ist davon nicht betroffen; ein Indachsystem schon, weil es die Deckung ersetzt.
Nachgewiesen wird das über den geprüften Aufbau, nicht über das Modul
Maßgeblich sind die Prüfung nach DIN 4102-7 beziehungsweise die Klassifizierung B<sub>roof</sub>(t1) nach DIN EN 13501-5 — und zwar für das System aus Modul, Unterkonstruktion und darunterliegender Schicht. Ein einzelnes Modul mit gutem Brandverhalten macht daraus noch keine harte Bedachung.
Was das praktisch heißt
Nach dem allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnis (abP) für genau diesen Aufbau wird gefragt, bevor bestellt wird — zusammen mit der zugelassenen Mindestneigung. Wer erst montiert und dann fragt, hat im Zweifel eine Anlage auf dem Dach, die der Bauaufsicht nicht standhält.

Der brandsichere Kabeldurchgang

Das Indachmodul hat eine Leitung, die vom Dach ins Gebäude muss — und der Durchgang durch die Konstruktion ist der Punkt, an dem Wasser und Feuer zusammenkommen.
Die DC-Leitung muss durch die zweite Ebene
Vom Modul führt die Gleichstromleitung zum Wechselrichter — und dafür muss sie die zweite wasserführende Ebene und die Dachkonstruktion durchdringen. Ein roh durchgeführtes Kabel durchstößt beide Ebenen und lässt Wasser und im Brandfall Feuer durch die Öffnung.
Der Durchgang wird brandsicher ausgeführt
Der Kabeldurchgang muss die Brandschutzanforderungen der durchdrungenen Bauteile erfüllen — eine Durchführung, die im Brandfall offensteht, ist ein Kamin. Gleichzeitig muss sie regensicher bleiben. Beides zusammen — Brandschutz und Dichtheit — macht den Durchgang zu einem Bauteil, keinem Loch.
Das ist Facharbeit
Die Durchführung der DC-Leitung durch eine wasserführende Ebene mit Brandschutzanforderung gehört zum Indachsystem und zur Ausführung des Fachbetriebs. Sie ist der Punkt, an dem Elektro- und Dachgewerk sich treffen — und beide müssen stimmen.

Schnee, Schneefang und Dachlawinen am Indach

Die glatte Moduloberfläche verändert, was der Winter auf dem Dach tut — und das ist im Bestand der am häufigsten vergessene Umbau.
Schnee rutscht auf Glas anders als auf Ziegel
Eine Ziegeldeckung hält die Schneedecke durch ihre raue, gegliederte Oberfläche; die glatte Modulebene lässt sie als Brett abgleiten, sobald Tauwetter den Halt löst. Was früher langsam taute, kommt jetzt auf einmal.
Der alte Schneefang passt nicht automatisch zum neuen Dach
Schneefänge, die auf der Ziegeldeckung befestigt waren, gehen mit ihr — und eine Nachrüstung muss zum Befestigungsraster des Indachsystems passen, sie ist Teil der Systemplanung, kein nachträglicher Zukauf nach Augenmaß. Liegen Eingang, Gehweg oder Nachbargrundstück unter der Traufe, gehört die Frage nach der Dachlawine in die Planung — bevor der erste Winter sie beantwortet.

Wartung und Zugang: ein Dach, das man nicht betreten darf

Ein Indach verbindet zwei Gewerke, die beide irgendwann wieder ran müssen — und der Zugang dorthin kostet jedes Mal.
Die Modulebene ist keine Trittfläche
Module tragen keinen Tritt, und die Einfassungen zwischen ihnen schon gar nicht. Reinigung und Inspektion laufen deshalb von Gerüst oder Arbeitsbühne — was bei der alten Deckung ein Griff von der Leiter war, wird am Indach zum Termin mit Zugangstechnik.
Die DC-Seite bleibt Fachfirma
Auch die Wartung an Modulen und Steckverbindern ist keine Eigenleistung, weil die Leitung bei Lichteinfall unter Spannung steht. Wer die Anschaffung plant, rechnet die Folgekosten des Zugangs mit: Gerüst oder Bühne plus Fachtermin, jedes Mal, wenn etwas an der Modulebene ist.

Warum das hier kein Laienprojekt ist

Die ehrlichste Aussage dieser Seite ist kurz: Eine gebäudeintegrierte PV ist kein Heimwerkerprojekt.
Es ist ein Dachneubau mit Stromerzeugung
Wer Indach baut, ersetzt die Dachhaut, führt die zweite wasserführende Ebene, dichtet Durchdringungen und schließt eine spannungsführende Anlage an. Das sind mindestens zwei Gewerke — Dachdecker und Elektrofachkraft —, und beide arbeiten an einem Bauteil, das Wasser abhalten muss.
Die DC-Seite bleibt spannungsführend
Solange Licht auf die Module fällt, erzeugen sie Gleichspannung — auch wenn der Wechselrichter abgeschaltet ist. Der Umgang mit Modulen und Steckverbindern ist deshalb keine Eigenleistung, sondern Facharbeit.
Die Eigenleistung endet bei der Anforderung
Der Laie kann klären, was das Dach leisten soll — Fläche, Neigung, ob Indach überhaupt sinnvoll ist —, und er kann das Marktstammdatenregister im Blick behalten. Gebaut wird das Indachsystem vom Fachbetrieb mit dem Hersteller. Eine Indach-PV in Eigenleistung ist nicht „mutig", sondern ein Dach, das niemand verantwortet.
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Schritt für Schritt: die fachgerechte Ausführung

Dieser Ablauf beschreibt die Ausführung — ausdrücklich als Arbeit für Fachbetriebe, nicht als Eigenleistung.
1

Schadstofffrage klären

Die alte Deckung bestimmen: Faserzement aus der Zeit bis einschließlich 1993 (TRGS 519), alte Bitumenbahnen (TRGS 551) — bei Verdacht Fachbetrieb, bevor die erste Platte gelöst wird.

2

System wählen

Ein Indachsystem nach DIN EN 50583-1/-2, dessen Modul die Bauproduktfunktion der Dachhaut übernimmt — Modul und Einfassung als System, nicht das Modul allein.

3

Tragwerk und Statik prüfen

Das Indachsystem trägt Wind und Schnee ein, die Konstruktion darunter nimmt sie auf — beides wird für das konkrete System neu bemessen, nicht aus der alten Deckung fortgeschrieben.

4

Zweite wasserführende Ebene herstellen

Unterdach oder Unterdeckung unter der Modulebene ausführen — sie fängt durchgedrungenes Wasser ab und leitet es ab.

5

Indachmodule einbauen

Die Module mit ihrer Einfassung regensicher in die Konstruktion einbinden — als Dachhaut, nicht als Aufsatz.

6

Kabel brandsicher durchführen

Die DC-Leitung durch zweite Ebene und Konstruktion mit brandsicherem, regensicherem Durchgang führen (PV-Kabel unter Dachziegel verlegen).

7

Elektrisch anschließen lassen

Kontaktierung, Wechselrichter und Inbetriebnahme sind Elektrofacharbeit.

8

Meldepflicht erfüllen

Im Marktstammdatenregister registrieren.

9

Dichtheit prüfen

Die Indachfläche auf Regensicherheit kontrollieren — die Module sind jetzt die Dachhaut.

Woran man Probleme früh erkennt

Ein Indach meldet seine Fehler leise — wer die Anzeichen kennt, liest sie, bevor daraus ein Wasserschaden wird.
SymptomWahrscheinliche UrsachePrüfschritt
Feuchte an First-, Trauf- oder Wandanschluss der ModulebeneAnschluss der Einfassung undichtÜbergänge von der Bühne aus sichten lassen, Fachbetrieb dichtet systemkonform nach
Kondensat unter der ModulebeneHinterlüftung des Systems arbeitet nicht wie geplantLüftungswege unter der Modulebene prüfen, Herstellerangaben gegen die Ausführung halten
Einzelnes Modul auffällig dunkel oder heißModuldefekt — und zugleich eine offene Stelle in der DichtebeneFachfirma: Modul prüfen und tauschen, DC-Seite bleibt spannungsführend
Alle drei Wege enden bei der Fachfirma — der Leseranteil ist das frühe Erkennen, nicht die Reparatur.

Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Indachmodul als einzige Dichtebene geplantdurchgedrungenes Wasser läuft in die Konstruktion
Zweite wasserführende Ebene weggelassenkein Unterdach — Feuchteschaden zwischen Modul und Innenraum
BIPV mit Aufdach-PV verwechseltModul übernimmt ungeprüft eine Bauproduktfunktion
Kabel roh durch die Konstruktion geführtWasser- und Brandweg durch die Ebenen
Brandschutz am Durchgang ignoriertoffener Durchgang als Kamin im Brandfall
Eigenleistung unterschätztDach und Stromerzeugung in Laienhand, ohne Verantwortung
Faserzement als Ziegel abgeräumtAsbestfreisetzung, TRGS 519 verletzt
Modul ohne Einfassung verbautkein regensicherer Übergang zwischen den Modulen
System auf zu flachem Dach gewähltzugelassene Mindestneigung unterschritten — undicht ab Werk
Ersatzteilfrage vor dem Kauf nicht geklärtabgekündigtes Modulformat wird zur offenen Stelle in der Dachhaut
Schneefang nicht zum neuen Dach geplantDachlawine über Eingang oder Gehweg
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — steht vor dem ersten Handgriff
Faserzement-Kleintafeln können bei Einbau bis einschließlich 1993 asbesthaltig sein; alte Bitumenbahnen sind ein Fall der TRGS 551, andere alte Bahnen, Kleber und Kitte ein Fall der TRGS 519. Beim Rückbau der Bestandsdeckung sind auch Unterdeckung, Bahnen, Kleber, Kitte und Anschlussmassen mitzuprüfen. Bei Verdacht: TRGS 519, Fachbetrieb.
Photovoltaik im Bestand — die DC-Seite bleibt spannungsführend
Die DC-Seite bleibt bei Lichteinfall spannungsführend, auch bei abgeschaltetem Wechselrichter. Vorhandene Module demontiert, zwischenlagert und wieder in Betrieb genommen wird nicht vom Laien — Module und Steckverbinder gehören in Fachhände; der elektrische Anschluss ist Elektrofacharbeit.
Zweite wasserführende Ebene — nicht pauschal, nicht gleichsetzen
Ob unter der Modulebene eine zweite wasserführende Ebene nötig ist, hängt vom zugelassenen System, der Dachneigung, der Nutzung und dem Regelwerk ab. Unterdach und Unterdeckung sind nicht dasselbe: Das ausgeführte Unterdach leitet eigenständig ab, die Unterdeckbahn auf Schalung nur deckungsnah. Welche Ebene das System verlangt, sagt dessen Zulassung — keine Pauschalregel.
Brandschutz am Durchgang
Der Kabeldurchgang durch die wasserführenden Ebenen und die Konstruktion wird brandsicher und regensicher ausgeführt — Facharbeit, kein Loch.
Absturz
Gearbeitet wird vom Gerüst; die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche, die Leiter kein Arbeitsplatz.
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