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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 16 Min. Lesezeit

Dachziegel abdichten

Warum ein Ziegeldach regensicher statt wasserdicht ist — und wann Unterspannung, Neigung und Zusatzmaßnahme wirklich abdichten
7 Arbeitsschritte
8 typische Fehler

Vorab: Die Schadstofffrage, bevor irgendwo abgedichtet wird

Bevor irgendwo abgedichtet, geöffnet oder betreten wird, steht eine Prüfung, die jede Reparatur überlagert: Woraus besteht die Deckung wirklich?

🔴 Faserzement-Kleintafeln ahmen Ziegel nach. Es gibt Platten aus Faserzement, die Frankfurter Pfannen oder Biberschwänze imitieren. Stammen sie aus der Zeit bis einschließlich 1993, können sie asbesthaltig sein — und gerade eine undicht gewordene Altdeckung ist der Ort, an dem man sie antrifft. Bei Verdacht gilt: nicht bohren, nicht brechen, nicht betreten; Umgang und Demontage richten sich nach der TRGS 519 und gehören zu einem dafür qualifizierten Fachbetrieb. Maßgeblich ist genau genommen der Baubeginn des Objekts: Wurde bis einschließlich 31. Oktober 1993 mit dem Bau begonnen, ist mit Asbest zu rechnen; bei später erneuerten Bauteilen zählen deren eigene Einbau- und Produktnachweise.

Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein
Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme.
Erst wenn die Deckung als Ton oder Beton bestimmt ist
— und auch Unterdeckung, alte Dachbahnen, Kleber, Kitte und Anschlussmassen als unbedenklich geprüft sind —, geht es an die eigentliche Frage, wie — und ob überhaupt — abgedichtet werden muss. Die Bestimmung des Decksteins allein reicht dafür nicht: Beim Öffnen, Bohren oder Durchdringen der Deckung sind auch diese Schichten zu prüfen, die unabhängig vom Ziegelmaterial asbest- oder schadstoffhaltig sein können.

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Was „Dachziegel abdichten" verspricht — und warum der Begriff trügt

„Dachziegel abdichten" klingt nach einer konkreten Handlung: eine undichte Stelle finden und dicht machen, am besten mit einem Mittel aus der Tube oder dem Eimer. Genau diese Vorstellung trügt — und zwar gleich doppelt.
Die erste Täuschung betrifft das Wort „abdichten"
Ein Ziegeldach ist niemals im Wortsinn wasserdicht. Es hält den Regen nicht deshalb ab, weil es eine geschlossene, dichte Haut wäre, sondern weil es das Wasser kontrolliert ableitet. Wer „abdichten" als „wasserdicht machen" versteht, hat das Funktionsprinzip der Deckung nicht verstanden — und greift zu Mitteln, die für dieses Prinzip nicht gemacht sind.
Die zweite Täuschung betrifft den Ort des Problems
Eine undichte Stelle im Zimmer muss keine undichte Stelle im Ziegel sein. Wasser läuft auf dem Dach weit, bevor es tropft: Es dringt an einer Stelle ein, läuft auf der Unterspannbahn oder dem Sparren entlang und tritt erst Meter entfernt im Innern aus. Wer den Fleck abdichtet, ohne die Eintrittsstelle zu finden, dichtet am falschen Ort.
Die ehrliche Antwort dieser Seite
beginnt deshalb nicht mit einem Dichtmittel, sondern mit zwei Einsichten: Ein Ziegeldach ist regensicher, nicht wasserdicht — und eine Undichtigkeit ist eine Diagnoseaufgabe, keine Beschichtungsaufgabe.

Regensicher statt wasserdicht: das Prinzip der Ziegeldeckung

Um zu verstehen, was „abdichten" hier überhaupt heißen kann, muss man das Prinzip der Ziegeldeckung auseinandernehmen.
Ein Ziegel allein ist nicht dicht
Die einzelnen Ziegel einer Deckung sind nicht wasserdicht miteinander verbunden — sie liegen überlappend aufeinander, verbunden durch Falz und Überdeckung, aber nicht verklebt oder verschweißt. Zwischen den Ziegeln gibt es Spalte, durch die bei Wind und Treiben Wasser dringen kann.
Die Deckung funktioniert durch Ableiten
Das Wasser, das auf die Fläche fällt, läuft von Ziegel zu Ziegel abwärts, über die Überdeckung und die Falze, bis zur Traufe. Jede Reihe überdeckt die Reihe darunter so weit, dass das Wasser unter normalen Bedingungen nicht bergauf in die Überdeckung kriecht. Die Deckung ist regensicher: Sie leitet den Regen kontrolliert ab, statt ihn abzusperren.
Und genau dafür gibt es eine zweite Ebene
Weil die Deckung eben nicht wasserdicht ist, liegt darunter eine zweite wasserführende Ebene — die Unterspannung beziehungsweise Unterdeckung —, die das wenige Wasser auffängt, das bei Sturm oder Schneetreiben doch unter die Deckung gedrückt wird. Beides zusammen, Deckung und Unterspannung, ergibt ein System, das dicht ist — ohne dass irgendein Teil allein „wasserdicht" wäre.

Die zwei Neigungen: Regeldachneigung ist nicht Mindestneigung

Die Neigung ist die wichtigste Größe für die Regensicherheit — und der Begriff, der dabei am häufigsten falsch verwendet wird.
Die Regeldachneigung
ist die untere Neigung, bei der eine Deckung ohne Zusatzmaßnahmen regensicher ist. Sie ist keine absolute Grenze: Sie darf unterschritten werden, wenn die vom Hersteller ausdrücklich vorgesehenen Zusatzmaßnahmen ausgeführt werden — vergrößerte Überdeckung, eine zusätzliche Lage, verklebte Nähte oder ein Unterdach.
Die Mindestdachneigung
ist etwas anderes: eine produktspezifische, harte Grenze, unter der es keine Zusatzmaßnahme mehr gibt, die es richtig macht. Unter ihr ist das Produkt schlicht das falsche Material für dieses Dach.
Warum die Unterscheidung zählt
Wer „Mindestneigung" schreibt, wo Regeldachneigung gemeint ist, stellt eine verhandelbare Größe als absolute Grenze dar — und übersieht, dass auch unterhalb der Regeldachneigung noch fachgerecht gedeckt werden kann, nur eben mit Zusatzmaßnahmen. Die Zahlen selbst stehen in der ZVDH-Fachregel und in der Herstellerfreigabe des gewählten Ziegels; eine Pauschalangabe für „alle Ziegel" gibt es nicht.

Die zweite wasserführende Ebene: Unterspannung und Unterdeckung

Unter der Ziegeldeckung liegt die Ebene, die den Unterschied zwischen „regensicher" und „trocken" ausmacht — und auch hier gibt es zwei Begriffe, die man nicht vermischen sollte.
Die Unterspannung
ist über ihre Verlegeart definiert, nicht über den Werkstoff: eine Bahn, die frei gespannt unter der Deckung auf den Sparren liegt — zwischen den Sparren hängt sie ohne Unterlage durch. Sie leitet das wenige Wasser, das unter die Deckung gerät, zur Traufe ab und fängt Spritzwasser und Treibregen ab, dichtet aber nicht vollständig gegen alle Einwirkungen.
Die Unterdeckung
unterscheidet sich davon konstruktiv: Hier liegt die Bahn auf einer ausreichend tragfähigen Unterlage — etwa einer Schalung — auf, statt frei zu spannen. Das ist der Grundunterschied zwischen den beiden Begriffen; das Verkleben der Stöße und Durchdringungen ist dagegen eine Frage der Ausführungsklasse, nicht des Grundbegriffs. Die Unterdeckung ist bei flachen Neigungen oder exponierten Lagen die nötige Zusatzmaßnahme, um unterhalb der Regeldachneigung oder bei besonderen Beanspruchungen regensicher zu bleiben.
Beide gehören zur Zusatzmaßnahme, nicht zur Regelausstattung
In vielen Bestandsdächern fehlt die zweite Ebene ganz — die Deckung hält allein. Dann ist jede Undichtigkeit in der Deckung sofort eine Undichtigkeit im Raum. Wo eine zweite Ebene vorhanden ist, fängt sie den einzelnen Ziegelschaden zwar ab, bevor er innen sichtbar wird — aber sie ist kein Aufschubpuffer: Ein defekter Ziegel ist zeitnah zu reparieren, unabhängig davon, ob eine zweite wasserführende Ebene vorhanden ist. Auch eine Vordeckbahn ist dabei nicht automatisch eine geeignete Zusatzmaßnahme unter Ziegeln — nur wenn sie herstellerseitig ausdrücklich dafür freigegeben ist.

Wann die Unterdeckbahn verklebt sein muss

Die einfach überlappte Bahn ist der Regelfall — aber drei Lagen verlangen mehr als Überlappung.
Unterhalb der Regeldachneigung
ist die verklebte Ausführung Teil der Zusatzmaßnahme, die das Unterschreiten überhaupt erst erlaubt. Welche Maßnahme in welchem Fall verlangt ist, ordnet das ZVDH-Regelwerk über die fünf Klassen der Zusatzmaßnahmen — sie beschreiben die ausgeführte Maßnahme und gelten produktübergreifend. Herstellerfreigabe und Datenblatt der Bahn konkretisieren das für das jeweilige Produkt.
In exponierter Windlage
drückt der Wind Regen und Schnee nicht nur unter die Deckung, sondern auch gegen die Stöße der Bahn. Eine nur überlappte Naht ist hier der Weg des geringsten Widerstands.
Über genutztem Dachraum
zählt jede Undichtigkeit der zweiten Ebene doppelt: Wo darunter gewohnt wird, wird aus dem Tropfen auf der Bahn ein Schaden im Wohnraum. Die verklebten Stöße machen die zweite Ebene zur geschlossenen Haut.
Die Regel dahinter
Je ungünstiger Neigung, Lage und Nutzung, desto eher gehören Stöße und Durchdringungen verklebt statt nur überlappt. Welche Ausführung im Einzelfall gefordert ist, legt das Datenblatt des Herstellers fest.

Was die ZVDH-Fachregel für Dachziegel und Dachsteine festlegt

Für all das gibt es eine verbindliche Richtschnur — und sie ist die Grundlage, nach der Fachbetriebe arbeiten und im Streitfall beurteilt wird.
Die ZVDH-Fachregel für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen
ist das Regelwerk des Dachdeckerhandwerks für genau diese Deckung. Sie legt fest, welche Neigungen mit welchen Zusatzmaßnahmen zulässig sind, wie Überdeckung und Lattweite ausgeführt werden und wie Anschlüsse, Traufe, Ortgang und First zu dichten sind.
Ihre Rolle ist doppelt
Für den Fachbetrieb ist sie die Arbeitsgrundlage; für den Laien ist sie der Maßstab, an dem gemessen wird, ob eine Deckung fachgerecht ist. Wer selbst eingreift und dabei von der Fachregel abweicht, trägt die Folgen dieser Abweichung — im Schadensfall ist die Fachregel der Maßstab der Beurteilung.
Für die Frage „abdichten" heißt das
Es gibt keinen Abschnitt der Fachregel, der vorsieht, eine Ziegeldeckung nachträglich mit einem Dichtmittel „abzudichten". Die Fachregel denkt in Deckung, Neigung und zweiter Ebene — nicht in Beschichtung. Wer der Fachregel folgen will, dichtet durch richtige Deckung und Unterspannung, nicht durch Überschmieren.

Wann eine Ziegeldeckung wirklich undicht wird

Wenn die Deckung regensicher ist, stellt sich die Frage: Wo kommt das Wasser dann her? Es gibt eine überschaubare Liste von Ursachen — und fast keine wird durch ein Dichtmittel behoben.
Der einzelne Ziegelschaden
Ein gebrochener, gerissener oder verschobener Ziegel lässt Wasser an genau einer Stelle durch. Die Lösung ist der Austausch, nicht die Abdichtung (→ Anleitung Einzelne Dachziegel austauschen).
Die gestörte Überdeckung
Wenn Ziegel durch Sturm oder Tritt verschoben sind, stimmt die Überdeckung nicht mehr — Wasser kann bergauf kriechen. Die Lösung ist das Wiederherstellen der Deckung, nicht das Schmieren.
Der defekte Anschluss
Traufe, Ortgang, First, Kamin- und Durchdringungsanschlüsse sind die Stellen, an denen Ziegeldeckungen zuerst undicht werden. Hier dichtet der richtige Anschluss — Firstrolle, Dichtband, Anschlussblech —, nicht ein flächiges Mittel auf dem Ziegel.
Die fehlende oder beschädigte zweite Ebene
Wo die Unterspannung fehlt oder zerrissen ist, wird aus dem einzelnen Schaden ein sichtbarer Schaden. Die Lösung liegt unter der Deckung, nicht auf ihr.
Der gemeinsame Nenner
In keinem dieser Fälle ist „die Ziegel abdichten" die Antwort. Die Antwort ist immer eine konkrete Reparatur am richtigen Ort — Austausch, Wiederherstellung, Anschluss oder zweite Ebene.

Kondenswasser oder Regen: die wichtigste Verwechslung

Nicht jeder nasse Fleck unterm Dach kommt von draußen. Die folgenschwerste Fehldiagnose ist Kondenswasser, das für ein Leck gehalten wird — sie führt zur Reparatur an der falschen Stelle.
Regen korreliert mit der Witterung
Ein Deckungsleck zeigt sich bei Regen, Treibregen oder Schneetreiben und bleibt bei trockener Kälte aus. Kondenswasser macht das Gegenteil: Es tritt bei Kälte ohne Niederschlag auf, wenn es draußen kalt und drinnen warm ist.
Die Verteilung verrät den Ursprung
Ein Leck macht einen Fleck, von dem aus das Wasser läuft. Kondenswasser verteilt sich flächig — an den kältesten Stellen der Konstruktion, an Sparren und Unterspannbahn, im Firstbereich.
Der Mechanismus ist der Taupunkt, nicht der Regen
Warme, feuchte Raumluft steigt auf, trifft auf die kalte Konstruktion und schlägt dort als Wasser nieder. Fehlt die Dampfbremse oder ist sie durchgestoßen, fehlt die Hinterlüftung der Deckung, entsteht Tauwasser — auch bei völlig intakter Deckung.
Die Konsequenz
Ein Klimaleck wird nicht auf der Deckung repariert. Wer Kondenswasser für ein Leck hält und abdichtet, verändert die Deckung ohne Grund — und das Wasser kommt wieder, weil seine Quelle im Raumklima liegt, nicht im Ziegel.

Kehle und Grat: die unterschätzten Detailstellen

Zwei Detailstellen bündeln, was die Fläche verteilt — und fallen deshalb zuerst auf.
Die Kehle sammelt das Wasser zweier Flächen
Wo zwei Dachflächen innen zusammentreffen, läuft das Wasser beider Seiten in einer Linie zusammen. Die Kehle führt damit ein Vielfaches dessen, was ein einzelner Ziegel ableitet — bei Starkregen ist sie der am stärksten belastete Streifen des Dachs.
Genau deshalb versagt sie zuerst
Laub, Moos und abgetragenes Korn sammeln sich in der Kehle und stauen das Wasser bergauf unter die Deckung. Und ist das Kehlblech darunter verzogen, verrutscht oder durchgerostet, gibt die letzte Sicherung nach — der Schaden macht sich wegen der gebündelten Wassermenge sofort bemerkbar.
Der Grat ist die windige Seite desselben Prinzips
Wo zwei Flächen außen zusammentreffen, liegt die Deckkante offen im Wind; Treibregen und Schneetreiben drücken hier zuerst unter die Deckung.
Die Pflege ist eine Sichtkontrolle
Kehle und Grat regelmäßig prüfen — vom Boden mit dem Fernglas oder vom Dachboden an der Unterspannbahn: frei von Laub und Moos, ohne sichtbare Schäden am Blech. Muss das Kehlblech erneuert werden, ist es ein Normteil: Kehlbleche führt Franke im Blechsortiment von Sarei; Maß und Winkel richten sich nach der Deckung vor Ort.

Durchdringungen und Dachfenster: wo der Bestand zuerst altert

Jede Öffnung in der Deckung ist eine Systemstelle: Ziegel, Anschluss und Dichtelement treffen hier aufeinander — und altern unterschiedlich schnell.
Die Manschette altert vor dem Ziegel
Sanitärlüfter, Antennendurchgänge und Durchgangspfannen führen Rohre und Kabel durch die Deckung; der Übergang wird mit Manschette und Anschlussmaterial gedichtet. UV-Licht und die ständige Bewegung der Deckung bei Wind und Wärme machen dieses Material spröde — oft Jahre bevor die Ziegel ringsum etwas zeigen.
Das Dachfenster dichtet über den Eindeckrahmen
Der Rahmen bindet das Fenster in die Deckung ein und führt das Wasser um die Öffnung herum. Verschmutzt seine Wasserführung oder altert seine Dichtung, läuft das Wasser am Fensterrand unter die Deckung — die Ziegel drumherum sind unschuldig.
Von innen sucht man am Anschluss
Nässe entlang des Fensterrahmens, entlang eines Rohrs oder ringförmig um eine Durchführung weist auf den Anschluss, nicht auf die Fläche. Auf dem Dachboden gilt wie immer: der Wasserspur bergauf folgen, bis sie an einer Durchdringung endet.
Die Reparatur ist der Anschluss, nicht das Schmieren
Manschette, Durchgangspfanne oder Eindeckrahmen werden getauscht — Dachdurchführungen, Dachfenster und Eindeckrahmen führt Franke im Sortiment.

Diagnose: Symptom, Ursache, Prüfschritt

Aus dem Fleck wird eine Diagnose, wenn man das Auftreten des Wassers liest, statt sofort nach einem Dichtmittel zu greifen. Die Tabelle sortiert die typischen Symptome.
SymptomWahrscheinliche UrsachePrüfschritt
Nass nur bei Treibregen aus einer RichtungAnschluss an Ortgang oder Wandbetroffene Seite von innen an der Unterspannbahn prüfen
Nass entlang der FirstlinieFirstanschluss oder FirstentlüftungFirstbereich vom Dachboden aus kontrollieren
Nass bei Tauwetter nach SchneeSchneetreiben oder Eisstau an der TraufeTraufbereich und zweite Ebene auf Wasserspuren prüfen
Nass bei Kälte ohne RegenKondenswasser, kein DeckungsleckDampfbremse und Hinterlüftung prüfen, die Deckung bleibt außen vor
Nass direkt unter einer DurchdringungManschette oder Anschluss der DurchführungWasserspur am Sparren bergauf bis zur Durchdringung folgen
Wer das Symptom so einordnet, sucht an der richtigen Stelle — und dichtet nicht blind eine Fläche ab, die gar nicht die Ursache trägt.

Warum Dichtmittel auf dem Ziegel keine Lösung ist

Der Reflex, eine undichte Stelle mit einem Dichtmittel zu überschmieren, ist verständlich — und in fast jedem Fall der falsche Weg.
Ein Ziegel ist kein Bad
Die Abdichtung eines Ziegeldachs entsteht durch Überdeckung und Ableitung, nicht durch eine aufgelegte, verklebte Haut. Ein Dichtmittel, das auf die Ziegeloberfläche geschmiert wird, liegt auf einer Fläche, die nicht dafür gemacht ist, eine flächige Dichtschicht zu tragen — sie soll Wasser ableiten, nicht aufstauen.
Das Mittel dichtet am falschen Ort
Der eigentliche Wassereintritt liegt selten dort, wo das Wasser sichtbar wird. Wer den sichtbaren Fleck abdichtet, lässt das Wasser an der eigentlichen Stelle weiter eindringen — es sucht sich nur einen anderen Weg nach innen.
Es behindert die Ableitung
Eine aufgeschmierte Masse in den Falzen und Überdeckungen kann das kontrollierte Ablaufen des Wassers stören — Wasser staut sich dort, wo es vorher ablief, und sucht sich neue Wege.
Und es verhindert die eigentliche Reparatur
Wer erst schmiert, muss zum Austausch das Mittel wieder entfernen. Die richtige Reihenfolge ist: Ursache finden, dann reparieren — nicht erst zukleben und später raten, was darunter lag.
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Schritt für Schritt: vom Fleck zur Ursache

Dieser Ablauf führt vom sichtbaren Schaden zur Ursache — und er ist bewusst kein Aufruf, selbst aufs Dach zu steigen.
1

Schadstofffrage klären

Deckung als Ton oder Beton bestimmen und auch Unterdeckung, Dachbahnen, Kleber, Kitte und Anschlussmassen prüfen; Faserzement-Kleintafeln aus der Zeit bis einschließlich 1993 sind ein Fall für den Fachbetrieb (siehe ganz oben).

2

Den Fleck verorten

Wo tritt Wasser aus — und bei welcher Witterung? Nur bei Starkregen, bei Treibregen, bei Schneetreiben? Das unterscheidet Überdeckungsfehler von Anschlussfehlern.

3

Die Eintrittsstelle suchen

Vom Dachboden aus der Wasserspur auf der Unterspannbahn folgen, bis zur Eintrittsstelle — sie liegt oft Meter vom Fleck entfernt.

4

Die Ursache bestimmen

Gebrochener Ziegel, verschobene Überdeckung, defekter Anschluss oder zerstörte Unterspannbahn?

5

Die passende Reparatur wählen

Ziegel austauschen (Einzelne Dachziegel austauschen), Überdeckung wiederherstellen, Anschluss erneuern (Firstziegel erneuern und befestigen beziehungsweise Dachziegel abdichten von außen) oder Unterspannbahn reparieren (Unterspannbahn von innen reparieren).

6

Nicht schmieren

Kein Dichtmittel auf die Ziegel — es dichtet am falschen Ort und stört die Ableitung.

7

Fachbetrieb einbeziehen

Wo die Ursache auf dem Dach liegt und beide Hände gebraucht werden, arbeitet der Fachbetrieb vom Gerüst.


Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
„Wasserdicht" statt „regensicher" gedachtfalsches Prinzip, falsches Mittel
Mindestneigung statt Regeldachneigung angenommenZusatzmaßnahme übersehen oder Grenze falsch gedeutet
Sichtbaren Fleck abgedichtet statt Eintrittsstelle gesuchtWasser läuft weiter, Schaden wandert
Dichtmittel auf die Ziegel geschmiertAbleitung gestört, eigentliche Reparatur verhindert
Unterspannung als unnötig weggelasseneinzelner Ziegelschaden wird zum Innenschaden
Undichtigkeit pauschal statt ursachenbezogen behandeltteure Fehlmaßnahme, Schaden bleibt
Auf dem Dach ohne Gerüst gearbeitetSturzgefahr
Faserzement-Imitat als Ziegel bearbeitetAsbestfreisetzung, TRGS 519 verletzt
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — steht vor dem ersten Handgriff
Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen, können bei Einbau bis einschließlich 1993 asbesthaltig sein. Bei Verdacht: nicht bohren, nicht brechen, nicht betreten — TRGS 519, Fachbetrieb. Der Nachweis kann über Unterlagen oder eine Materialprobe erfolgen.
Photovoltaik im Bestand
Liegt ein Modulfeld auf dem Dach, ist die Fläche darunter nicht erreichbar, ohne Module abzunehmen — und Module nimmt kein Laie ab: Die DC-Seite bleibt bei Lichteinfall spannungsführend. Eine Leckortung rund um ein Modulfeld ist Sache der Fachfirma.
Neigung richtig benennen
Regeldachneigung und Mindestneigung sind zwei Begriffe, nicht einer. Die Regeldachneigung darf mit den vorgesehenen Zusatzmaßnahmen unterschritten werden; die Mindestneigung ist eine harte Grenze.
Kein Dichtmittel auf den Ziegel
Die Deckung dichtet durch Ableitung, nicht durch eine aufgelegte Haut. Ein Dichtmittel dichtet am falschen Ort und stört die Wasserführung.
Absturz
Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche. Diagnosen und Reparaturen auf dem Dach gehören in Fachhände mit Gerüst; die Leiter ist Zugang, kein Arbeitsplatz.
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