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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 16 Min. Lesezeit

Dachziegel abdichten von innen

Leckortung, provisorische Wasserableitung und die Grenze dessen, was von der Dachbodenseite aus geht
9 Arbeitsschritte
8 typische Fehler

Vorab: Die Schadstofffrage, auch im Dachraum

Die Schadstofffrage stellt sich nicht nur auf dem Dach, sondern auch dort, wo bei der Notfallmaßnahme gearbeitet wird: im Dachraum selbst.

🔴 Alte Mineralwolle ist ein eigener Gefahrstoff. Wer in einem Dachraum mit Dämmung arbeitet, die vor 1996 eingebaut wurde, hat es ohne Entlastungsnachweis mit künstlichen Mineralfasern zu tun, die als krebserzeugend (Kategorie 1B) einzustufen sind — nicht als „verdächtig". Für den Einbauzeitraum 1996 bis 2000 gilt ohne Einzelnachweis dasselbe. Ihr Umgang — ausbauen, verpacken, entsorgen — richtet sich nach der TRGS 521, nicht nach der TRGS 519. Bevor in ein altgedämmtes Sparrenfeld gegriffen wird, ist diese Frage zu klären.

Auch die Deckung selbst kann betroffen sein
Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen, können bei Einbau bis einschließlich 1993 asbesthaltig sein. Bei Verdacht: nicht bohren, nicht brechen, nicht betreten — TRGS 519, Fachbetrieb. Maßgeblich ist genau genommen der Baubeginn des Objekts: Wurde bis einschließlich 31. Oktober 1993 mit dem Bau begonnen, ist mit Asbest zu rechnen; bei später erneuerten Bauteilen zählen deren eigene Einbau- und Produktnachweise.
Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein
Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus; reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme. Erst nach dieser Klärung geht es an die eigentliche Notfallmaßnahme.

Was „von innen abdichten" leisten kann — und was nicht

„Dachziegel von innen abdichten" verspricht eine Reparatur ohne Leiter und ohne Gerüst. Die Wahrheit ist: Von innen wird nicht abgedichtet, sondern begrenzt — und selbst das nur, wenn man die Grenzen kennt.
Was von innen geht
das Wasser orten, seinen Weg verfolgen, es provisorisch aus dem Sparrenfeld ableiten und den Schaden am Ausbau begrenzen. Das ist Schadensbegrenzung, keine Reparatur.
Was von innen nicht geht
die Deckung dauerhaft dichten. Die Eintrittsstelle liegt auf der Wetterseite, unter den Ziegeln — dorthin kommt man von innen nicht. Wer von innen abdichten will, arbeitet an der falschen Seite des Problems: Das Wasser tritt an der Außenseite ein und muss dort gestoppt werden.
Die ehrliche Einordnung
Die Notfallmaßnahme von innen kauft Zeit — bis der Fachbetrieb die Eintrittsstelle von außen repariert. Wer sie als dauerhafte Lösung missversteht, hat den Schaden nur verschoben, nicht behoben. Diese Seite beschreibt beides: was von innen geht, und wo von innen Schluss ist.

Zuerst lokalisieren: die Wasserspur auf der Unterdeckbahn

Der erste Schritt der Notfallmaßnahme ist keine Dichtung, sondern eine Ortsbestimmung. Und die verläuft dort, wo das Wasser entlangläuft: auf der Unterdeckbahn.
Die Unterdeckbahn ist der Laufweg des Wassers
Dringt Wasser unter die Ziegel, fällt es nicht senkrecht — es landet auf der Unterdeckbahn und läuft dort der Neigung folgend abwärts, bis zur Traufe oder bis zu einer Störung. Auf dieser Bahn hinterlässt es eine Spur: einen feuchten Streifen, eine Verfärbung, eine Pfütze an der Traufe.
Diese Spur ist die Landkarte des Lecks — aber keine exakte
Wer der feuchten Spur auf der Unterdeckbahn nach oben folgt, nähert sich der Eintrittsstelle an. Die erste sichtbare Nässe ist dabei nur ein Indiz, keine sichere Aussage: Wasser kann seitlich über Konterlatten, Nägel oder Anschlüsse weiterlaufen und erst weiter oben oder seitlich eingedrungen sein. Wo die Nässe beginnt, ist ein Anhaltspunkt — ob dort wirklich das Wasser eingedrungen ist, bestätigt erst die Reparatur von außen.
Ohne Unterdeckbahn gibt es diese Landkarte nicht
In vielen Bestandsdächern fehlt die zweite Ebene. Dann tropft das Wasser direkt durch die Lattung und den Dachboden — und die Ortsbestimmung muss sich an nassen Sparren, nassen Latten und nasser Dämmung entlanghangeln. Die Spur wird undeutlicher, aber das Prinzip bleibt: der Nässe nach oben folgen, bis sie nicht weiter zu verfolgen ist — auch hier gilt, dass die erste sichtbare Nässe nur ein Indiz ist, kein Beweis für die Eintrittsstelle.

Die Eintrittsstelle liegt fast nie über dem Fleck

Die wichtigste Erkenntnis der Leckortung ist eine Enttäuschung: Der Fleck an der Decke ist fast nie der Ort des Problems.
Wasser läuft, bevor es tropft
Es dringt an der Eintrittsstelle ein, läuft auf der Unterdeckbahn oder dem Sparren meterweit abwärts, staut sich an einer Latte, einem Nagel oder einem Anschluss und tropft erst dort — weit entfernt vom eigentlichen Loch. Der sichtbare Fleck ist das Ende des Weges, nicht sein Anfang.
Die Folge für die Notfallmaßnahme
Wer den Fleck abdichtet oder ein Gefäß unter den Fleck stellt, behandelt den Austrittsort, nicht den Eintrittsort. Das Wasser dringt weiter ein, läuft weiter, und der Schaden im Gefüge wächst — nur eben unsichtbar, weil es nun woanders tropft.
Deshalb gilt die Reihenfolge
erst orten, dann handeln. Die provisorische Ableitung gehört an die Eintrittsstelle oder auf den Laufweg, nicht unter den Fleck. Wo die Eintrittsstelle nicht sicher zu finden ist, wird zumindest der Laufweg so umgelenkt, dass das Wasser nicht in den Ausbau oder die Dämmung läuft.

Ortung ohne Werkzeug: Tageslicht, Kreide, Regenwarten

Die Leckortung beginnt ohne Werkzeug: mit Licht, Kreide und Geduld.
Der Tageslicht-Check ist der schnellste erste Blick
Bei Helligkeit in den Dachraum steigen und die eigene Lampe auslassen: Wo Tageslicht durch Deckung oder Unterdeckbahn fällt, ist die Hülle offen. Nicht jede Lichtstelle ist eine Eintrittsstelle — auch Lüftungsöffnungen und Fugen lassen Licht durch, ohne dass dort Regen eintritt. Aber jede markierte Stelle engt die spätere Suche von außen ein.
Feuchte Stellen werden mit Kreide umrandet
Der Rand der Nässe ist ein beweglicher: Beim nächsten Regen zeigt sich, ob die Stelle wächst, wandert oder trocken bleibt. Eine wachsende Umrandung bestätigt ein aktives Leck; eine Stelle, die bei Regen trocken bleibt, ist womöglich ein alter Schaden.
Regenwarten schlägt Regenraten
Manche Lecks zeigen sich nur bei Schlagregen aus einer bestimmten Richtung oder erst bei anhaltendem Regen. Wer die markierten Stellen beim nächsten Regen kontrolliert, statt bei Trockenheit zu schätzen, sieht die Spur im Lauf — und kann ihr nach oben folgen, solange sie frisch ist.
Die Position wird relativ zu Sparren und First notiert
Nicht „irgendwo über dem Schlafzimmer", sondern: drittes Sparrenfeld neben dem Kamin, einen guten Meter unter dem First. Diese Angabe lässt sich von innen nach außen übertragen — der Fachbetrieb sucht dann gezielt, statt das halbe Dach abzugehen.
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Der ausgebaute Dachraum: orten hinter der Verkleidung

Ist der Dachraum ausgebaut, liegt die Konstruktion hinter Gipskarton, Holz und Dämmung verborgen — und die Wasserspur taucht erst dort auf, wo sie die Verkleidung erreicht.
Die Symptome folgen eigenen Pfaden
Der Fleck an der Gipskartondecke, die Nässe an der Fensterleibung, die feuchte Fußpfette: Das Wasser zeigt sich dort, wo es aus der Konstruktion austritt — am Sparren entlanggelaufen, an einer Durchdringung gestaut, an einer Pfette abgesetzt. Jedes Symptom ist das Ende eines Laufwegs hinter der Verkleidung, nicht der Ort des Lochs.
Die kleine Sichtöffnung ist die Ausnahme, nicht der Weg
Wo ein Symptom eindeutig auf ein enges Feld zeigt und die Schadstofffrage geklärt ist, kann eine handtellergroße Öffnung in der Verkleidung den Blick auf Sparren und Dämmung freigeben. Sie bestätigt die Ortung, ersetzt sie nicht — und sie bleibt klein, reversibel und dicht zu schließen.
Bei ungeklärter Schadstofflage bleibt die Verkleidung zu
Hinter ihr kann alte Mineralwolle aus der Zeit vor 1996 liegen — künstliche Mineralfasern, deren Umgang die TRGS 521 regelt. Und stammt die Deckung aus der Zeit bis einschließlich 1993, kann auch asbesthaltiger Faserzement im Spiel sein (TRGS 519). Ohne Klärung wird nichts geöffnet und nichts beiseitegeschoben — dann ist die Ortung hinter der Verkleidung von Anfang an Fachbetrieb.

Provisorisch ableiten: Wasser aus dem Sparrenfeld führen

Die eigentliche Notfallmaßnahme von innen ist kein Abdichten, sondern ein Umlenken: Das Wasser wird aufgefangen und dorthin geführt, wo es keinen Schaden anrichtet.
Das Prinzip ist das einer provisorischen Rinne
Unter der Eintrittsstelle oder auf dem Laufweg des Wassers wird eine dichte Folie so befestigt, dass sie das tropfende Wasser auffängt und mit Gefälle zu einem sicheren Ablauf führt — etwa zur Traufe, zu einem Eimer oder nach draußen. Sie wird so gespannt, dass das Wasser nicht überläuft und nicht in die Dämmung läuft.
Die Dämmung wird geschützt, nicht durchtränkt
Der größte Folgeschaden einer Undichtigkeit ist die durchfeuchtete Zwischensparrendämmung: Sie verliert ihre Wirkung und trocknet schlecht. Die provisorische Ableitung verhindert genau das — sie hält das Wasser von der Dämmung fern, bis die Reparatur erfolgt.
Das ist ein Provisorium, keine Lösung
Eine Folie im Sparrenfeld fängt Wasser auf, sie dichtet nichts ab. Sie ist die Antwort auf die Frage „was tue ich bis morgen", nicht auf die Frage „wie wird das Dach wieder dicht". Die dauerhafte Lösung ist die Reparatur der Eintrittsstelle von außen (→ Anleitung Dachziegel abdichten von außen).

Sonderfall Eisstau: nass nur bei Tauwetter

Manche Undichtigkeit hat gar keinen defekten Ziegel als Ursache: Das Dach ist dicht, und trotzdem tropft es — nur im Winter, nur bei Tauwetter.
Der Mechanismus liegt an der kalten Traufe
Liegt Schnee auf dem Dach, taut er von unten — aus der Wärme des Hauses heraus — und das Schmelzwasser läuft unter der Schneedecke abwärts. An der kalten Traufe, die nicht über beheiztem Raum liegt, gefriert es zu einem Eiswall. Alles, was nachkommt, staut sich dahinter und steigt so hoch, dass es unter die Deckung greift — über Überdeckungen hinweg, gegen die Richtung, für die das Dach gebaut ist.
Von innen bleibt nur das Auffangen
Gegen einen Eisstau gibt es keine punktuelle Eintrittsstelle und damit keine Notdichtung: Das Wasser steht über der ganzen Traufzone. Die provisorische Folie fängt auf und leitet um — mehr kann von innen nicht erreicht werden.
Die dauerhafte Antwort liegt an Traufe und Dämmung, nicht an der Dichtmasse. Sie liegt im dichten Anschluss des Rinneneinhangs, in einer zweiten wasserführenden Ebene über der Traufe und in einer Dämmung, die das Tauen von unten begrenzt. Das ist Fachbetriebsarbeit am Bestand — keine Notfallmaßnahme und keine Sache von Schaum oder Silikon.

Warum die Dampfbremse keine Regensperre ist

Wer im Dachraum arbeitet, trifft auf ein Bauteil, das viele für eine Dichtung halten — und das doch eine ganz andere Aufgabe hat.
Die Dampfbremse hat eine Aufgabe: Wasserdampf begrenzen
Sie sitzt auf der warmen Innenseite der Dämmung und verhindert, dass Feuchtigkeit aus der Raumluft in die Dämmung und die Konstruktion wandert und dort kondensiert. Sie ist eine Dampfbremse, keine Wasserbarriere.
Sie ist nicht dafür gemacht, flüssiges Wasser zu stoppen
Viele Dampfbremsfolien sind gegenüber flüssigem Wasser durchaus dicht — sie scheiden als Regensperre nicht aus, weil sie physikalisch „keinen Regen aushält", sondern wegen ihrer Lage auf der Innenseite, der fehlenden wasserdichten Anschlüsse und der fehlenden Bemessung für einen Wasserfall. Als Auffangfolie zweckentfremdet, hält sie das Wasser nicht dauerhaft — nicht aus Mangel am Material, sondern weil sie für diese Aufgabe weder eingebaut noch bemessen ist.
Die Verwechslung hat zwei Richtungen
Zum einen wird die Dampfbremse fälschlich als Ersatz für die fehlende Unterdeckbahn behandelt; zum anderen wird eine nachträglich aufgebrachte „Dichtfolie" auf der Innenseite als Reparatur verkauft, obwohl sie nur den Dampf einsperrt und das eigentliche Problem — die undichte Deckung — unberührt lässt. Beides gehört nicht auf diese Seite: Die Regensperre liegt außen, die Dampfbremse innen, und keine ersetzt die andere.

Warum PU-Schaum und Silikon ausscheiden

Der Reflex, ein Leck mit dem zu stopfen, was gerade im Keller oder im Werkzeugkasten liegt — PU-Schaum, Silikon, Dichtmasse — ist in diesem Zusammenhang besonders schädlich.
PU-Schaum quillt und drückt
Unter einen Ziegel gespritzt, dehnt er sich aus, hebt den Ziegel an und stört die Überdeckung — er schafft ein neues Leck, wo er eines schließen sollte. Und er verklebt die Deckung, sodass die spätere Reparatur den Ziegel erst mühsam freilegen muss.
Silikon dichtet da, wo Wasser ablaufen soll
In die Falze und Überdeckungen gedrückt, versperrt Silikon die kontrollierte Ableitung des Wassers. Es staut sich, sucht sich neue Wege und tritt an anderer Stelle wieder aus — oft schlimmer als vorher.
Beide sind von innen ohnehin am falschen Ort
Die Eintrittsstelle liegt auf der Wetterseite unter den Ziegeln; von innen erreicht man sie gar nicht. PU-Schaum und Silikon von innen treffen weder die Ursache noch den Laufweg — sie verstopfen nur das, was man von innen gerade noch erreicht, und machen die fachgerechte Reparatur teurer.
Die richtige Reihenfolge bleibt
orten, provisorisch ableiten, Fachbetrieb. Kein Schaum, kein Silikon, keine Dichtmasse im Sparrenfeld.

Was Sie von innen auf keinen Fall tun

Neben Schaum und Silikon gibt es eine Handlung, die ausdrücklich unterbleibt — weil sie aus einer Notfallmaßnahme einen Unfall macht.
Von innen aufs Dach steigen
Wer durch ein Dachfenster oder eine Luke nach draußen steigt, um das Leck selbst zu suchen, begibt sich auf die rutschigste Fläche am Haus — bei Regen und oft bei Dämmerung, also genau dann, wenn die Deckung am gefährlichsten ist. Eine undichte Stelle bei Nässe auf dem Dach zu suchen, ist keine Notfallmaßnahme, sondern eine Sturzgefahr.
Die Leiter bei Nässe einsetzen
Auch der Weg über die Leiter ist bei Regen kein sicherer Weg: nasse Sprossen, nasse Schuhe, keine sichere Standfläche. Die Leiter ist ohnehin nur ein Zugang, kein Arbeitsplatz für eine flächige Suche mit beiden Händen.
Die Dämmung durchwühlen
Wer alte Mineralwolle ohne Klärung der Gefahrstofffrage beiseiteschiebt, um ans Leck zu kommen, riskiert den Kontakt mit künstlichen Mineralfasern (TRGS 521). Erst klären, dann anfassen.
Das Fazit der Notfallseite
Von innen wird geortet, aufgefangen und abgeleitet — und dann der Fachbetrieb gerufen. Alles, was darüber hinausgeht, gehört auf die Außenseite des Dachs und in Fachhände.

Schritt für Schritt: der Notfall-Ablauf

Dieser Ablauf gilt für die Stunden und Tage, bis der Fachbetrieb kommt — er ist die Schadensbegrenzung, nicht die Reparatur.
1

Schadstofffrage klären

Deckung und Dämmung bestimmen: Faserzement-Kleintafeln (TRGS 519) und alte Mineralwolle (TRGS 521) sind Fälle für den Fachbetrieb (siehe ganz oben).

2

Strom abschalten

Tritt Wasser in die Nähe von Leitungen, Leuchten oder Verteilern, vor jeder weiteren Maßnahme die betroffenen Stromkreise sicher abschalten — Wasser und Strom im Dachraum sind eine lebensgefährliche Kombination.

3

Austrittsort sichern

Wo tropft es in den Raum? Möbel abdecken, Eimer stellen, den Schaden am Ausbau begrenzen.

4

Wasserspur verfolgen

Der Nässe auf Unterdeckbahn, Sparren und Latten nach oben folgen; die erste sichtbare Nässe ist ein Indiz, kein Beweis — Wasser kann seitlich über Konterlatten, Nägel oder Anschlüsse weiterlaufen.

5

Eintrittsstelle einordnen

Gebrochener Ziegel, verschobene Überdeckung, defekter Anschluss oder zerstörte Unterdeckbahn? Die Einordnung bestimmt die spätere Reparatur.

6

Provisorisch ableiten

Eine dichte Folie unter der Eintrittsstelle oder auf dem Laufweg befestigen, mit Gefälle zu einem sicheren Ablauf — weg von der Dämmung, weg vom Ausbau.

7

Dämmung schützen

Durchnässte Dämmung erst nach bestätigter Schadstoff-Unbedenklichkeit freilegen. Bei alter Mineralwolle bleibt das TRGS-521-/Fachbetriebsarbeit — und durchnässte Mineralwolle ist nicht pauschal durch Trocknen wieder nutzbar.

8

Kein Schaum, kein Silikon

Nichts unter den Ziegel spritzen, nichts in die Falze drücken — das verschärft den Schaden.

9

Fachbetrieb beauftragen

Die dauerhafte Reparatur erfolgt von außen (Dachziegel abdichten von außen beziehungsweise Einzelne Dachziegel austauschen), sobald es das Wetter zulässt.

Dokumentieren für die Versicherung

Die Notfallmaßnahme begrenzt den Schaden — die Dokumentation sichert, was er angerichtet hat, bevor Spuren verwischt werden.
Fotografieren, bevor verändert wird
Austrittsort, Wasserspur und Schäden am Ausbau gehören im Originalzustand auf Fotos; die provisorische Maßnahme selbst — Folie, Umleitung, Auffangbehälter — wird danach ebenfalls festgehalten. So bleibt nachvollziehbar, was das Wasser getan hat und was dagegen unternommen wurde.
Datum und Wetterlage werden notiert
Wann wurde der Schaden bemerkt, bei welchem Wetter — Schlagregen, Sturm, Tauwetter auf Schnee? Diese Zuordnung zu einem Ereignis ist es, die die Versicherung später prüft; wer sie gleich festhält, muss sie später nicht rekonstruieren.
Beschädigtes wird gesichert, nicht entsorgt
Durchnässte Dämmung, angelaufene Einrichtung, beschädigter Ausbau: Die Versicherung will den Schaden sehen, nicht davon hören. Lagern, was gefährdet ist, sichern, was den Schaden belegt — entsorgt wird erst nach der Schadensaufnahme. Und bei alter Mineralwolle gilt ohnehin: nicht anfassen, bevor die TRGS-521-Frage geklärt ist.

Der Anruf beim Fachbetrieb: was Sie durchgeben

Ein geordneter Anruf erspart dem Fachbetrieb das Rätseln — und dem Dach Tage im Regen. Wer seine Beobachtungen bündelt, bekommt eine gezieltere Reparatur statt einer Suchaktion.
Deckungsart und Baujahr nennen
Ziegel, Betondachstein oder Faserzement-Kleintafel — und aus welcher Zeit Haus und Deckung stammen. Bei Faserzement bis einschließlich 1993 weiß der Betrieb sofort, dass die TRGS-519-Frage zu klären ist, und kommt entsprechend gerüstet.
Die Leckposition präzise durchgeben
Die Markierung aus der Ortung zählt: welches Sparrenfeld, wie weit unter dem First, wie weit neben Kamin oder Traufe. „Über dem Schlafzimmer" hilft wenig; „drittes Feld neben dem Kamin, firstnah" lässt sich von außen ansteuern.
Die Witterungskorrelation beschreiben
Tropft es bei jedem Regen, nur bei Schlagregen aus einer Richtung, erst bei Dauerregen — oder ausschließlich bei Tauwetter auf Schnee? Dann liegt eher ein Eisstau vor als ein Deckungsschaden. Das Muster grenzt die Ursache ein, bevor jemand aufs Dach steigt.
Fotos und Vorgeschichte mitschicken
Die Bilder aus der Dokumentation, der Zeitpunkt des ersten Tropfens und alles, was provisorisch unternommen wurde — Folie im Sparrenfeld, umgelenktes Wasser, abgeschaltete Stromkreise. Was der Betrieb vorab weiß, muss er vor Ort nicht erst suchen.

Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Fleck statt Eintrittsstelle behandeltWasser läuft weiter, Schaden wandert
Dampfbremse als Regensperre benutztDampfbremse versagt, eigentliches Leck bleibt
PU-Schaum unter den Ziegel gespritztZiegel angehoben, neues Leck, teure Freilegung
Silikon in die Falze gedrücktAbleitung gestört, Wasser sucht neue Wege
Von innen aufs Dach gestiegenSturz bei Nässe und Dämmerung
Wasser nicht abgeleitet, nur aufgefangenDämmung und Ausbau durchfeuchtet
Alte Mineralwolle ohne Klärung angefasstKontakt mit künstlichen Mineralfasern, TRGS 521
Provisorium als dauerhafte Lösung stehen gelassenSchaden wächst unsichtbar weiter
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — steht vor dem ersten Handgriff
Im Dachraum zählt beides: Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen (Asbest, TRGS 519), und alte Mineralwolle aus der Zeit vor 1996 (TRGS 521). Beide Fragen sind vor dem ersten Griff ins Sparrenfeld zu klären; der Nachweis kann über Unterlagen oder eine Materialprobe erfolgen.
Photovoltaik im Bestand
Liegt ein Modulfeld auf dem Dach, ist die Eintrittsstelle darunter nicht erreichbar, ohne Module abzunehmen — und Module nimmt kein Laie ab: Die DC-Seite bleibt bei Lichteinfall spannungsführend. Die Reparatur rund um ein Modulfeld ist Sache der Fachfirma.
Von innen wird begrenzt, nicht abgedichtet
Die Eintrittsstelle liegt auf der Wetterseite. Von innen wird geortet, aufgefangen und abgeleitet; die dauerhafte Reparatur erfolgt von außen durch den Fachbetrieb.
Kein Schaum, kein Silikon, keine Dichtmasse
PU-Schaum hebt Ziegel an, Silikon stört die Ableitung, beides liegt ohnehin am falschen Ort und verteuert die spätere Reparatur.
Elektrische Gefahr
Tritt Wasser in die Nähe von Leitungen, Leuchten oder Verteilern, werden die betroffenen Stromkreise vor jeder Maßnahme sicher abgeschaltet. Wasser und Strom im Dachraum sind lebensgefährlich.
Absturz
Nicht bei Nässe und Dämmerung aufs Dach oder auf die Leiter. Die Leiter ist Zugang, kein Arbeitsplatz — und bei Regen kein sicherer Weg.
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