Ortgangblech am Ziegeldach: die drei Ausführungen
Ortgangziegel, Ortgangblech oder verputzter Abschluss — und warum diese Kante am Dach dem größten Windsog standhalten mussAm Ortgang greift der Wind zuerst an. Deshalb ist er die kritischste Stelle des Dachs — und deshalb entscheidet die Art des Abschlusses darüber, was der nächste Sturm anrichtet.
3 Ausführungsarten
6 typische Schäden
238 Ortgangteile
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1Der Ortgang als seitlicher Abschluss am Giebel2Drei Ausführungsarten für denselben Abschluss3Ortgangziegel und Ortgangstein als keramischer Abschluss4Ortgangblech als Alternative zum Formziegel5Der gemauerte oder verputzte Abschluss mit Windfeder6Warum der Ortgang die kritischste Stelle des Dachs ist7Befestigung und Klammerung gegen Windsog8Der Anschluss des Ortgangs an Traufe und First9Typische Schäden am Ortgang10Was beachtet werden muss
Der Ortgang als seitlicher Abschluss am Giebel
Der Ortgang ist die seitliche Kante einer geneigten Dachfläche — dort, wo die Deckung an der Giebelwand endet, statt in eine Rinne (Traufe, Traufe am Dach) oder in eine zweite Dachfläche (First, Dachfirst abdichten) überzugehen. Er verläuft in der Falllinie des Dachs, meist mit einem gewissen Überstand über die Giebelwand hinaus.
Diese Position macht den Ortgang zu einer Kante mit einer Aufgabe, die Traufe und First nicht in gleichem Maß haben: Er muss die Dachfläche gegen Wind abschließen, der genau an dieser Linie am stärksten angreift. Was der Ortgang nicht übernimmt, ist die Ableitung von Regenwasser in eine Rinne — dafür ist er nicht vorgesehen, das Wasser läuft weiterhin zur Traufe.
Die Bauteile am Ortgang
Bauteile
9 Begriffe
Ortgang · Ortgangziegel · Ortgangstein · Ortgangblech · Windfeder · gemauerter Ortgang · verputzter Ortgang · Randziegel · Ortgangüberstand
Ausführungsarten
6 Begriffe
keramischer Abschluss · Blechabschluss · gemauerter Abschluss · Putzabschluss · Sonderziegel · Formziegel
Kräfte am Ortgang
5 Begriffe
Windsog · Windlast · Sogkraft an Dachrändern · Kantenzone · Eckzone
Drei Ausführungsarten für denselben Abschluss
Für den Ortgang gibt es im Grundsatz drei Lösungen, die sich in Material, Optik und Befestigungsaufwand unterscheiden, aber dieselbe Aufgabe erfüllen: die letzte Ziegelreihe seitlich abzuschließen und gegen Windsog zu sichern.
| Ausführung | Prinzip |
|---|---|
| Ortgangziegel / Ortgangstein | Formziegel, der die Reihe seitlich abrundet |
| Ortgangblech | Metallprofil über der letzten Ziegelreihe |
| gemauerter oder verputzter Abschluss mit Windfeder | Giebelmauerwerk trägt den Rand, Windfeder sichert die unterste Lattenreihe |
Welche Ausführung passt, hängt vom Ziegelmodell, von der vorhandenen Giebelkonstruktion und von der Optik ab, die zum restlichen Gebäude passen soll. Die drei folgenden Abschnitte gehen die Ausführungen einzeln durch.
Ortgangziegel und Ortgangstein als keramischer Abschluss
Der Ortgangziegel — je nach Modell auch Ortgangstein genannt — ist ein Formziegel, der zur jeweiligen Deckungsart passend gefertigt wird und die Randreihe mit einer abgerundeten oder abgekanteten Seite abschließt. Er liegt in derselben Ebene wie die übrige Deckung und fügt sich optisch am unauffälligsten ein.
Weil er zum jeweiligen Ziegelmodell gehört, ist er kein universelles Zubehörteil — welcher Ortgangstein zu welcher Deckung passt, hängt vom Hauptziegel ab. Für die Frankfurter Pfanne steht das Zusammenspiel im Detail in Frankfurter Pfanne.
Ortgangblech als Alternative zum Formziegel
Wo kein passender Formziegel verfügbar ist oder eine schlankere Kante gewünscht wird, übernimmt ein Ortgangblech dieselbe Aufgabe. Es wird über die letzte Ziegelreihe gelegt und deckt sowohl die Randziegel als auch den Übergang zur Unterkonstruktion ab.
Entscheidend ist dabei die Hinterlüftung: Das Blech darf die Belüftungsebene unter der Deckung nicht abdichten, sondern muss so montiert sein, dass Luft weiterhin zirkulieren kann. Ein flächig aufgeklebtes oder zu dicht anliegendes Ortgangblech unterbricht diesen Luftstrom an genau der Stelle, an der er am wenigsten auffällt — bis sich nach Jahren Feuchte in der Randzone zeigt.
Der gemauerte oder verputzte Abschluss mit Windfeder
Bei einem gemauerten oder verputzten Ortgang trägt das Giebelmauerwerk selbst den Rand; die Deckung endet auf oder an der Wand, ohne überstehenden Ziegel. Gesichert wird die unterste Lattenreihe an dieser Stelle durch eine Windfeder — eine Leiste, die die Randlatte gegen Abheben sichert und den Übergang zwischen Lattung und Mauerwerk schließt.
Diese Ausführung verlangt ein tragfähiges, sauber abschließendes Giebelmauerwerk und einen dichten Anschluss zwischen Putz und Dachfläche. Sie kommt seltener bei reinen Neueindeckungen vor als bei Gebäuden, deren Fassadengestaltung den Ortgang bewusst unsichtbar halten soll.
Ein Nachteil dieser Lösung zeigt sich erst mit den Jahren: Anders als Ortgangziegel oder Ortgangblech lässt sich ein verputzter Abschluss nicht punktuell austauschen, wenn ein Riss oder eine Fuge undicht wird. Die Instandsetzung greift dann in die Fassade ein, nicht nur in die Dachfläche — ein Grund, weshalb viele Bauherren bei einer reinen Dachsanierung zum Formziegel oder zum Blech wechseln, statt den gemauerten Abschluss zu erneuern.
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Warum der Ortgang die kritischste Stelle des Dachs ist
Wind, der auf ein Gebäude trifft, erzeugt an den Dachkanten deutlich höhere Sogkräfte als in der Fläche — diese Kanten- und Eckzonen sind der Grund, warum abgedeckte Dächer nach Stürmen fast immer am Rand beginnen, nicht in der Mitte. Der Ortgang liegt in genau dieser Zone, oft zusätzlich verschärft durch den seitlichen Überstand, an dem der Wind angreifen kann.
Deshalb ist der Ortgang die Stelle am Dach, an der eine Unterdimensionierung der Befestigung am schnellsten sichtbare Folgen hat: Ein einzelner gelöster Randziegel reißt bei der nächsten Böe oft mehrere Nachbarziegel mit. Wie stark ein konkretes Gebäude betroffen ist, hängt von der Windlastzone und der Gebäudehöhe ab und steht in den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks sowie in der Windlastnorm.
Das gilt für flache und steile Dächer gleichermaßen, auch wenn die Wahrnehmung eine andere ist: Ein steiles Dach wirkt gefährdeter, weil die Fläche größer aussieht, tatsächlich ist die Sogwirkung an der Kante selbst weniger von der Neigung abhängig als von der Gebäudehöhe, der Lage im Gelände und davon, ob das Gebäude freistehend ist oder durch Nachbarbauten im Windschatten liegt. Ein freistehendes Haus am Ortsrand braucht am Ortgang deshalb regelmäßig eine stärkere Sicherung als ein vergleichbares Gebäude in geschlossener Bebauung.
Befestigung und Klammerung gegen Windsog
Aus dieser Belastung folgt die Regel für die Befestigung: Randziegel am Ortgang werden grundsätzlich zusätzlich geklammert oder verschraubt, nicht nur lose aufgelegt oder allein durch die Nase gehalten wie in der Dachfläche üblich. Sturmklammern greifen am Ziegel und an der Lattung und verhindern, dass der Sog den Stein anhebt. Welche Klammer zu welchem Ziegelprofil passt, steht in Sturmklammern.
Beim Ortgangblech übernimmt die Verschraubung in ausreichender Zahl entlang der gesamten Länge dieselbe Aufgabe — auch hier gilt: Windnägel oder Schrauben in der vom Hersteller vorgesehenen Zahl und Abstand, nicht nach Augenmaß reduziert, weil das Blech optisch bereits fest sitzt.
Der Anschluss des Ortgangs an Traufe und First
Der Ortgang trifft an seinen beiden Enden auf die anderen Dachkanten, und beide Übergänge sind Schwachstellen, wenn sie ungeplant bleiben. Unten, an der Traufe, muss der seitliche Abschluss so in den Traufbereich übergehen, dass kein offener Spalt entsteht, durch den Wind unter die Randziegel greifen kann (Traufe am Dach). Oben, am First, muss die letzte Ortgangreihe zur Firstkonstruktion passen, damit auch dort keine Lücke für Windsog oder eindringendes Wasser bleibt (Dachfirst abdichten).
Beide Anschlüsse werden mitgeplant, bevor der Ortgang selbst montiert wird — nachträglich an einer fertigen Kante nachzubessern, ist deutlich aufwendiger als die Reihenfolge von Anfang an richtig zu legen.
In der Praxis heißt das: Das unterste Ortgangelement wird erst gesetzt, wenn Traufblech und erste Ziegelreihe bereits liegen, und das oberste erst, wenn feststeht, wie der First die Fläche abschließt. Wer den Ortgang unabhängig von diesen beiden Nachbarkanten plant, riskiert an genau den beiden Enden einen Versatz, der sich später nur mit Zuschnitt oder einem zusätzlichen Formstück ausgleichen lässt.
Typische Schäden am Ortgang
Wind greift unter die Randziegel
Ziegel heben ab, Folgeschäden an Nachbarziegeln
Ortgangblech nicht hinterlüftet
Feuchtestau in der Randzone der Belüftungsebene
Anschluss zum Giebelmauerwerk offen
Wind- und Wassereintritt an der Fuge
fehlende oder zu wenige Klammern
Randziegel lösen sich zuerst bei Sturm
Ortgangüberstand falsch bemessen
Wasser läuft an der Giebelwand statt über die Kante ab
Windfeder fehlt beim gemauerten Abschluss
unterste Randlatte hebt bei Sog ab
Die meisten dieser Schäden entstehen nicht durch das Material selbst, sondern durch eine Befestigung, die für die Fläche ausreicht, für die Randzone aber zu schwach ist.
Was beachtet werden muss
Höhe und Absturzkante
Der Ortgang liegt an der Giebelkante des Dachs — häufig die Stelle mit dem größten Höhenunterschied zum Boden. Gearbeitet wird von Gerüst oder Arbeitsbühne aus, nie von der Dachfläche selbst, die keine Verkehrsfläche ist. Die Leiter ist dabei ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz — sie reicht allenfalls für die Sichtkontrolle, nicht für die Montage von Ziegeln, Blech oder Klammern. Technische Sicherung geht dabei vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst; ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht, sondern fängt den Sturz auf.
Gewährleistung
Klammerzahl, Verschraubung und Ortgangüberstand stehen in der Verlegeanleitung des Ziegel- beziehungsweise Blechherstellers und richten sich nach der Windlastzone des Gebäudestandorts. Wer davon abweicht, verliert im Schadensfall das Argument gegenüber dem Hersteller.
Statik des Giebels
Ob das vorhandene Giebelmauerwerk einen gemauerten oder verputzten Ortgangabschluss trägt, ist eine Frage der Bausubstanz, die vor der Entscheidung für diese Ausführung zu klären ist.
Altbestand
Wird ein bestehender Ortgang zurückgebaut — alte Ortgangbleche, alte Verputzung, alte Formziegel —, gilt bei Material aus der Zeit bis einschließlich 1993: Es gilt bis zum Nachweis des Gegenteils als asbestverdächtig, insbesondere bei Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen. Geklärt wird das zuerst über die Bau- und Produktunterlagen; reichen sie nicht, folgt eine Materialprobe im Labor. Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierten und ausgerüsteten Fachbetrieb — vor dem ersten Eingriff.

















































