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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 16 Min. Lesezeit

Dachlatten verbinden: der Stoß liegt auf dem Auflager, nie frei

Stoß mittig auf Konterlatte/Sparren, beide Stoßenden separat befestigen, Verbindungsmittel nach DIN EN 14592, Befestigung nach DIN EN 1995-1-1
8 Arbeitsschritte
7 typische Fehler

Vorab: Die Schadstofffrage beim Abriss alter Lattung

Das Verbinden neuer Dachlatten ist schadstofffrei — der Abriss der alten Lattung, der dem Verlegen oft vorausgeht, nicht. Dort gilt die Schadstofffrage.

🔴 Wer an die Lattung will, muss durch die Deckung. Lattenstöße liegen unter der Dachhaut — die Arbeit beginnt also zwangsläufig damit, Ziegel oder Platten abzunehmen und die darunterliegende Bahn freizulegen. Genau dort sitzt das Risiko: Faserzementplatten, alte Unterdeckbahnen, Kleber, Kitte und Spachtelmassen können bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31.10.1993 asbesthaltig sein. Ausgangspunkt bleibt der Baubeginn des Objekts; erst danach können Unterlagen einen später erneuerten Bestandteil freigeben. Bei Verdacht wird nichts geöffnet und nichts zerstört; Umgang und Entsorgung richten sich nach TRGS 519 und gehören zu einem dafür qualifizierten Fachbetrieb.

Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein. Auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus. Reichen sie nicht, folgt die technische Erkundung mit emissionsarmer Probenahme.
Erst wenn der Bestand als unbedenklich bestimmt ist, geht es ans Verlegen — und an die Frage, die den Stoß entscheidet: Wo darf die Latte enden?

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Was der Lattenstoß ist — und warum er nicht frei schweben darf

Der Lattenstoß ist die Stelle, an der zwei Dachlatten einer Reihe aufeinandertreffen — und sie ist die empfindlichste Stelle der ganzen Reihe.
Eine Dachlatte ist ein Bauteil auf Stützen
Die Traglatte liegt auf den Konterlatten auf und überbrückt die Stützweite dazwischen (→ Anleitung Dachlatten). Dort, wo eine Latte endet und die nächste beginnt, ist die durchlaufende Tragfähigkeit unterbrochen: Der Stoß ist die Stelle, an der die Last nicht mehr durch ein Stück Holz fließt, sondern von zwei getrennten Enden weitergegeben werden muss.
Ein frei schwebender Stoß ist eine Sollbruchstelle
Liegt der Stoß frei zwischen zwei Auflagern — also mitten in der Stützweite, wo kein Auflager trägt —, hängt das Ende der einen und der Anfang der nächsten Latte in der Luft. Unter Last — Eigengewicht, Schnee, ein Mensch, der auftritt — kippt der Stoß weg und die Deckung sackt an genau dieser Stelle ab. Der frei schwebende Stoß ist deshalb nicht fachgerecht: Er ist kein kleiner Fehler, sondern die vorgezeichnete Bruchstelle der Reihe. Nur ein nachgewiesener Stoßverbinder mit belegtem Anwendungsbereich darf diese Verbindungs- beziehungsweise Auflagerfunktion übernehmen.
Deshalb endet eine Dachlatte im Regelfall auf dem Auflager
Die Regel folgt unmittelbar aus dieser Einsicht: Jede Dachlatte endet dort, wo sie auffliegt — auf der Konterlatte beziehungsweise dem Sparren. Nur dort hat das Stoßende einen tragfähigen Untergrund. Am stumpfen Auflagerstoß trägt jedes Lattenende seine Last selbst in das Auflager — der Stoß ist keine tragende Längsverbindung, es wird keine Last von einem Lattenstück ins nächste weitergegeben. Wo kein Auflager ist, darf kein Stoß sein.

Vier fachgerechte Stoßvarianten

Ein Lattenstoß braucht ein tragfähiges Auflager — und dafür gibt es vier fachgerechte Wege, nicht einen.
VarianteVoraussetzungLastweiterleitung
Breiter SparrenSparrenbreite trägt beide Endendirekt in den Sparren
Konterbrett oder -bohlebreites Auflager statt schmaler Latteüber das Konterbrett in den Sparren
Zwei parallele Konterlattenjede Latte separat befestigtje Ende in die eigene Konterlatte
Nachgewiesener StoßverbinderEignung und Anwendungsbereich belegtVerbinder übernimmt die Auflagerfunktion
Eine gewöhnliche schmale Konterlatte genügt oft nicht. Sie ist zu schmal, um beide Enden mit den nötigen Randabständen zu fassen — deshalb endet die Eigenleistung, sobald das Auflager verbreitert, die Konterlatte verändert oder ein Verbinder bemessen werden muss. Dann übernimmt die Fachplanung.

Der Stoß liegt mittig auf Konterlatte beziehungsweise Sparren

Der Stoß darf nicht irgendwo auf dem Auflager liegen — er gehört mittig darauf.
Beide Stoßenden liegen auf demselben Auflager
Zwei aufeinanderfolgende Dachlatten einer Reihe treffen so zusammen, dass beide Enden auf derselben Konterlatte beziehungsweise demselben Sparren aufliegen. Jedes Ende hat damit seinen eigenen tragfähigen Untergrund — keines hängt frei, keines liegt neben dem Auflager auf der Bahn oder der Dämmung.
Der Stoß liegt mittig, nicht am Rand
Die beiden Enden werden so zugeschnitten, dass der Stoß mittig auf dem Auflager liegt — mit ausreichend Auflagefläche für jedes Ende beiderseits der Stoßfuge. Ein Stoß, der an der Auflagerkante liegt, gibt einem Ende zu wenig Fläche: Es kann abrutschen, wenn die Last kommt. Die Mitte des Auflagers ist der Ort, an dem beide Enden sicher tragen.
Die Auflagerbreite muss beide Befestigungen zulassen
„Mittig auf der Konterlatte beziehungsweise dem Sparren" gilt nur, wenn die nötigen End- und Randabstände für beide Befestigungen auf demselben Auflager tatsächlich eingehalten werden können. Die Mindestauflagerbreite ergibt sich deshalb aus Verbindungsmitteldurchmesser und den Randabständen — nicht aus der Annahme, dass es schon reicht. Wo eine einzelne Konterlatte dafür zu schmal ist, sind ein breiteres Konterbrett oder zwei parallele Konterlatten erforderlich. Das ist eine Bedingung des Stoßes, keine automatisch erfüllte Selbstverständlichkeit.
Das Auflager ist die Konterlatte beziehungsweise der Sparren
Bei der Standardlattung liegt die Traglatte auf der Konterlatte — dort endet sie (Konterlattung). Wo keine Konterlattung vorhanden ist und die Traglatte direkt auf dem Sparren liegt, ist der Sparren das Auflager. In beiden Fällen gilt dieselbe Regel: Der Stoß liegt mittig auf dem, was die Latte trägt — und dieses Auflager muss breit genug für zwei getrennte Befestigungen sein.

Stoßgeometrie statt „mittig"

„Mittig" ist eine Faustregel — die tatsächliche Bedingung ist die Geometrie der Auflage, und die hängt am Durchmesser des Verbindungsmittels.
Beide Enden liegen voll auf, jedes mit eigenen Verbindungsmitteln
Maßgeblich ist, dass beide Lattenenden vollflächig aufliegen und die End- und Randabstände jedes Verbindungsmittels eingehalten sind — diese Abstände wachsen mit dem Durchmesser des Nagels oder der Schraube und hängen von der Lastrichtung ab. Wo zwei parallele Konterlatten das Auflager bilden, liegt der Stoß gerade nicht mittig auf einem einzelnen Auflager, sondern verteilt auf beide.
Vorbohren entscheidet über das Spalten
Bei dünnen Querschnitten oder sprödem Holz wird vorgebohrt, um das Stirnende nicht zu spalten; die Vorbohrentscheidung gehört zur Stoßgeometrie, ohne dass pauschale Millimeterwerte gelten. Ob das Auflager breit genug ist, erkennt der Leser so vor dem Zuschnitt — nicht nach dem ersten Nagel.

Beide Stoßenden separat befestigen

Der Stoß liegt auf dem Auflager — und dort werden beide Enden separat befestigt, nicht mit einem einzigen Verbindungsmittel durch beide.
Jedes Stoßende bekommt seine eigene Befestigung
Zwei Dachlatten, die an einem Auflager enden, werden getrennt befestigt: Das Ende der einen Latte bekommt seine Verbindungsmittel, das Ende der nächsten seine eigenen. Der Stoß ist damit kein „ein Nagel hält beide" — jede Latte ist für sich gehalten und trägt ihre Last über ihre eigene Befestigung ins Auflager.
Ein gemeinsames Verbindungsmittel durch beide ist der Fehler
Wer beide Stoßenden mit einem einzigen Nagel oder einer Schraube durchschlägt, hält die Lattung nur scheinbar zusammen: Ein einzelnes Verbindungsmittel kann die separate Verankerung nicht leisten und die End-, Rand- und Eindringabstände jedes einzelnen Endes nicht einhalten. Der maßgebliche Grund für die separate Befestigung ist also nicht das „eigene Arbeiten" unter Temperaturbewegung, sondern: Jedes Ende braucht seine eigene Verankerung mit den vorgeschriebenen Abständen und Eindringtiefen. Die separate Befestigung stellt genau das her und hält jedes Ende für sich fest.
Die Befestigung folgt dem Nagelbild der Fachregel
Wie viele Verbindungsmittel je Ende nötig sind und wo sie sitzen, steht im Nagelbild — der Vorgabe der Fachregel beziehungsweise des Systems für den konkreten Querschnitt. Es wird nicht „irgendwie durchgenagelt", sondern nach der vorgegebenen Anzahl und Lage. Die separate Befestigung ist dabei die Grundregel: jedes Ende für sich, nach dem Nagelbild.

Die Verbindungsmittel nach DIN EN 14592

Was die Latte hält, sind Nägel und Schrauben — und die sind genormt: DIN EN 14592.
DIN EN 14592 regelt die Produktanforderungen, nicht den Anschluss
DIN EN 14592 ist die Norm für stiftförmige Verbindungsmittel — Nägel und Schrauben — für Holzkonstruktionen. Sie legt die Produktanforderungen und Leistungsmerkmale fest, die ein Verbindungsmittel erfüllen muss: Werkstoff, Geometrie, Festigkeit. Sie bemisst damit aber nicht den konkreten Lattenanschluss — die Aussage „ein Verbindungsmittel, das dieser Norm entspricht, ist damit für den Einsatz qualifiziert" greift zu kurz. Neben ihr gelten die deutschen Anwendungsanforderungen aus DIN 20000-6; die eigentliche Befestigung des Lattenendes erfolgt nach DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5, Ausgabe 2010-12 mit A2:2014-07 samt Nationalem Anhang 2013-08) und den handwerklichen Regeln — einschließlich Mindest-End-, -Rand- und -Eindringabständen sowie der nötigen Eindringtiefe. Ein beliebiger Nagel aus der Werkzeugkiste bleibt trotzdem falsch: Er erfüllt weder die Produktanforderung noch die Anschlussregeln.
Das Verbindungsmittel muss korrosionsgeschützt sein
Die Lattung liegt in der belüfteten, feuchtebelasteten Ebene unter der Deckung — dort herrscht wechselnde Feuchte, und ein blanker Nagel rostet. Welcher Werkstoff und welche Beschichtung nötig sind, ergibt sich aus Exposition, Verbindungsmitteldurchmesser, einer etwaigen Holzschutzbehandlung und dem Leistungsnachweis — „verzinkt oder nicht rostend" ist ohne diese Zuordnung keine vollständige Auswahlregel.
Die konkrete Wahl folgt der richtigen Vorgabe
Welcher Nagel, welche Schraube, welche Länge und welcher Abstand — das folgt für den Anschluss Dachlatte–Konterlatte beziehungsweise Sparren den ZVDH-Holzhinweisen und der Bemessung, nicht der Faustregel „je länger, desto besser". Die Ziegelanleitung bestimmt Decklänge, Lattweite und Ziegelbefestigung — sie regelt nicht den Lattenanschluss. Die Verbindungsmittel werden zur Latte, zum Auflager und zur Deckung passend gewählt — nach DIN EN 14592 und der Vorgabe, die für den konkreten Aufbau gilt.

Norm, Bemessung und Ausführung trennen

Ein Verbindungsmittel hängt an vier Regeln — und jede greift an einer anderen Stelle. Wer sie vermischt, deutet eine Produktnorm zur Anschlussfreigabe um.
RegelRolle
DIN EN 14592Produktanforderungen an stiftförmige Verbindungsmittel
DIN 20000-6deutsche Anwendungsanforderungen
DIN EN 1995-1-1 plus Nationaler AnhangBemessung des Anschlusses
ZVDH-Holzhinweisehandwerkliche Ausführung

Die Produktnorm ist keine Anschlussfreigabe

Dass ein Nagel DIN EN 14592 entspricht, sagt nichts darüber, ob der konkrete Anschluss trägt — das leistet erst die Bemessung nach Eurocode 5 mit dem Nationalen Anhang, zusammen mit der deutschen Anwendung und den ZVDH-Hinweisen. Alle vier Regeln gelten, keine ersetzt die andere.

Lastweg bis zum Sparren

Ein richtiger Lattennagel hilft nicht, wenn die Konterlatte selbst nicht trägt — der Lastweg muss bis zum Sparren stimmen.
Die Last läuft von der Deckung bis in den Sparren
Eigenlast, Schnee, Windsog und Hangabtrieb wandern von der Deckung über die Dachlatte, das Verbindungsmittel und die Konterlatte in den Sparren. Jede dieser Stationen muss die Last weitergeben können; eine zu schwache Konterlatte oder ihre mangelhafte Befestigung am Sparren reißt den Weg, bevor der beste Nagel etwas ausrichtet.
Aufsparrendämmung, Schneefang und Solarlasten kommen gesondert hinzu
Wo Aufsparrendämmung, Schneefanggitter oder Photovoltaik Last eintragen, werden sie einzeln in den Lastweg eingerechnet — sie sind keine Randnotiz, sondern eigene Lasteinträge, die Latte und Befestigung nachweisen müssen.

Der Stoßversatz: benachbarte Stöße nicht übereinander

Die Regel für den einzelnen Stoß ist klar — die für die ganze Fläche kommt dazu: Stöße werden versetzt.
Benachbarte Reihen stoßen nicht über demselben Auflager
Würden in jeder Reihe die Stöße über demselben Sparren liegen, entstünde eine senkrechte Linie aus Stoßstellen — eine Reihe von Schwachpunkten, die die Lattung an einer Stelle schwächt. Deshalb werden die Stöße benachbarter Reihen sinnvoll versetzt: Jede Reihe stoßt über einem anderen Auflager, sodass sich die Stoßstellen über die Fläche verteilen und keine durchgehende Linie bilden. Ein verbindlicher Versatz gilt dagegen nur, wo die Lattung statisch zur Stabilisierung von Sparren oder Bindern angesetzt wird — dann nach Tragwerksplanung.
Der Versatz ist die Fortsetzung der Stoßregel
Die Einzelregel — Stoß auf dem Auflager, nie frei — und die Flächenregel — Stöße versetzen — gehören zusammen: Die erste macht den einzelnen Stoß tragfähig, die zweite verhindert, dass die Summe der Stöße die Lattung als Ganzes schwächt. Beide folgen aus derselben Einsicht: Der Stoß ist die Schwachstelle, und Schwachstellen werden verteilt statt gebündelt.
Der Versatz wird mitgeplant, nicht zufällig gelassen
Beim Zuschneiden und Verlegen wird der Versatz von vornherein angelegt — mit dem Aufmaß, das festlegt, welche Latte wo endet. Ein Versatz, der „von selbst" entsteht, ist keiner: Erst die geplante Verteilung der Stöße macht aus einzelnen sicheren Stößen eine sichere Lattung.

Dient die Lattung der Aussteifung?

Der pauschale Stoßversatz ist nur in einem Sonderfall wirklich geregelt — und der beginnt mit einer klaren Entscheidung.
Nur Deckunterlage oder Aussteifung?
In der Regel ist die Lattung schlicht die Deckunterlage: Dann verteilen sich die Stöße sinnvoll, aber kein besonderer Versatz ist vorgeschrieben. Anders, wenn die Dachlatten statisch zur Stabilisierung von Sparren oder Bindern angesetzt werden — dann sind Stoßlage, Versatz und der kraftschlüssige Anschluss Teil der Tragwerksplanung.
Die Aussteifungsfunktion wird beurteilt, nicht vermutet
Ob die Lattung aussteift, entscheidet die Tragwerksplanung; erst dort werden die zusätzlichen Randbedingungen und kraftschlüssigen Anschlüsse festgelegt. Die pauschale Versatzregel gilt deshalb nur für diesen Sonderfall, nicht für jede Decklattung.

Reparatur eines vorhandenen Stoßschadens

Ein beschädigter Stoß wird nicht mit einem Flicken gekittet, sondern neu aufgesetzt — auf einem tragfähigen Auflager.
Der Schaden wird flächig freigelegt
Eine ausreichend große Deckfläche wird geöffnet, damit beide neuen Stoßorte auf tragfähigen Auflagern geplant werden können; gespaltene Enden werden ersetzt, nicht angenagelt. Kurze Flickstücke, die nur an zwei problematischen Enden angenagelt werden, sind genau dieser Fehler — sie verlagern den Stoß, statt ihn auf ein tragfähiges Auflager zu bringen.
Der Zwischenzustand wird wetterfest geschlossen
Bis die Deckung wieder aufliegt, ist die Fläche gegen Regen gesichert; vor dem Wiedereindecken wird die neue Stoßlage fotografisch kontrolliert — beide Enden auf dem Auflager, separat befestigt, keine gespaltene Kante. Erst dann kommt die Deckung zurück.

Schadensbild am Lattenstoß

Ein verdeckter Anschlussfehler zeigt sich früh an der Deckung — wer die Bilder kennt, erkennt ihn, bevor weitere Reihen betroffen sind.
SchadensbildPrüfschritt
Abgesackte ZiegelreiheStoß unter der Reihe öffnen
Gespaltener LattenkopfEnde ersetzen, Vorbohren prüfen
Loser oder korrodierter NagelVerbindungsmittel und Auflager prüfen
Bewegung am schmalen AuflagerAuflagerbreite gegen Stoß prüfen
Jedes Bild führt zu einem Öffnungs- und Prüfschritt. Die abgesackte Reihe weist auf einen nachgebenden Stoß, der gespaltene Kopf auf fehlende Vorbohrung, der lose Nagel auf zu kurze oder falsche Verbindungsmittel. Wer das Bild zuordnet, öffnet gezielt — statt erst beim vollständigen Versagen der Reihe.

Stoß unter einer Bestands-PV-Anlage

Liegt der beschädigte Stoß im Feld einer Photovoltaikanlage, ist die Lattenreparatur keine reine Lattungssache mehr.
Freischaltung und Demontage sind Fachfirmensache. Befindet sich die Schadstelle im Modul-, Schienen- oder Dachhakenfeld, dürfen elektrische Freischaltung und Demontage nur Fachfirmen übernehmen — die DC-Seite bleibt auch bei abgeschaltetem Wechselrichter spannungsführend, solange Licht auf das Modul fällt.
Die Lattenreparatur darf nicht zur PV-Demontage in Eigenleistung werden. Wer unter der Anlage einen Stoß richten will, darf die Module dafür nicht selbst abnehmen; die Stelle wird erst nach der fachgerechten Demontage zugänglich. Das ist eine Abgrenzung, kein Hindernis — die Fachfirma macht den Weg frei, die Lattung folgt danach.
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Dachlatten verbinden: Schritt für Schritt

1

Schadstofffrage klären

Der erste Handgriff ist das Abnehmen der Deckung über der Stoßstelle — und damit steht die Frage vor dem Handgriff, nicht danach: Bei Material aus der Zeit bis einschließlich 1993 ist an Bahnen, Platten und Dichtstoffen mit Asbest zu rechnen; Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen qualifizierten Fachbetrieb (siehe ganz oben).

2

Auflager bestimmen

Feststellen, worauf die Traglatte liegt: auf der Konterlatte oder direkt auf dem Sparren. Das Auflager ist der Ort des Stoßes.

3

Stoßlage anzeichnen

Den Stoß so planen, dass er mittig auf dem Auflager liegt — mit ausreichend Auflage für beide Enden.

4

Verbindungsmittel wählen

Korrosionsgeschützte Nägel oder Schrauben nach DIN EN 14592, passend zum Querschnitt und zur Deckung — die Befestigung erfolgt nach DIN EN 1995-1-1 mit den Mindestabständen und Eindringtiefen nach der Systemvorgabe.

5

Erstes Stoßende befestigen

Das Ende der ersten Latte auf dem Auflager mit seinen Verbindungsmitteln befestigen — nach dem Nagelbild.

6

Zweites Stoßende separat befestigen

Das Ende der nächsten Latte auf demselben Auflager mit seinen eigenen Verbindungsmitteln befestigen — nicht mit einem Verbindungsmittel durch beide.

7

Stoßversatz einhalten

Benachbarte Reihen über verschiedenen Auflagern stoßen lassen — keine senkrechte Linie aus Stoßstellen.

8

Prüfen

Kontrollieren, dass kein Stoß frei zwischen zwei Auflagern liegt und jedes Ende separat gehalten ist — bevor die Deckung darüberkommt.


Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Frei schwebender Stoß zwischen zwei AuflagernSollbruchstelle, Deckung sackt ab
Stoß neben statt auf dem AuflagerEnde ohne tragfähigen Untergrund
Beide Enden durch ein Verbindungsmittel gehaltenseparate Verankerung und Randabstände verfehlt
Stoß am Auflagerrand statt mittigzu wenig Auflage, rutscht ab
Benachbarte Stöße nicht versetztsenkrechte Linie aus Schwachstellen
Blanke, nicht korrosionsgeschützte Nägelrosten in der belüfteten Ebene durch
Verbindungsmittel ohne Systemvorgabe gewählthält nicht oder schwächt das Holz
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — zuerst zu klären
Beim Abriss alter Lattung gilt vorher die Schadstofffrage: Bei Objekten mit Baubeginn bis einschließlich 31. Oktober 1993 ist an Bahnen, Platten und Dichtstoffen mit Asbest zu rechnen — Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen qualifizierten Fachbetrieb. Diese Prüfung steht vor jedem anderen Schritt am Bestand.
Kein frei schwebender, nicht nachgewiesener Stoß
Der einfache Lattenstoß, der frei zwischen zwei Auflagern liegt, ist die Sollbruchstelle der Reihe und ohne Nachweis unzulässig. Jede Dachlatte endet auf dem Auflager — nie in der Stützweite; nur ein nachgewiesener Stoßverbinder darf diese Funktion übernehmen.
Stoß mittig auf Konterlatte beziehungsweise Sparren
Der Stoß liegt mittig auf dem, was die Traglatte trägt — der Konterlatte oder, wo keine vorhanden ist, dem Sparren. Voraussetzung ist, dass die Auflagerbreite die End- und Randabstände beider Befestigungen zulässt; sonst sind ein breiteres Konterbrett, zwei parallele Konterlatten oder ein nachgewiesener Stoßverbinder nötig.
Beide Stoßenden separat befestigen
Jedes Stoßende bekommt seine eigenen Verbindungsmittel — nicht ein Verbindungsmittel durch beide. Jedes Ende trägt seine Last selbst ins Auflager; entscheidend sind die separate Verankerung und die End-, Rand- und Eindringabstände jedes einzelnen Endes.
Verbindungsmittel nach DIN EN 14592
Verwendet werden korrosionsgeschützte Nägel oder Schrauben nach DIN EN 14592; die Norm regelt Produktanforderungen und Leistungsmerkmale, die eigentliche Befestigung folgt DIN EN 1995-1-1 und den handwerklichen Regeln (Mindestabstände, Eindringtiefe) — nach der Systemvorgabe, nicht nach Gefühl.
Stoßversatz
Benachbarte Reihen stoßen sinnvoll über verschiedenen Auflagern — ein verbindlicher Versatz ist nur gefordert, wo die Lattung zur Aussteifung angesetzt wird (dann nach Tragwerksplanung).
Betreten der Dachfläche
Die Dachfläche ist keine Verkehrsfläche, auch die frisch verlegte Lattung kein Laufsteg. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle; die Leiter ist nur der Zugang, kein Arbeitsplatz.
Was schiefgeht, wenn man es falsch macht
Der teuerste Fehler am Lattenstoß ist der bequeme: die Latte einfach dort gekappt, wo das Stück zu Ende war — und der Stoß landet frei zwischen zwei Auflagern. Die Lattung hält beim Verlegen, sieht sauber aus und bricht, wenn die erste volle Last kommt oder jemand beim Arbeiten auf genau diese Stelle tritt. Deshalb steht die Stoßlage vor dem Zuschnitt und das Auflager vor dem Stoß: Wer verbindet, verbindet auf dem Auflager — nie in der Luft.
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