Konterlattung: Höhe, Abstand und Nagelabdichtung
Die zweite, senkrechte Lattenebene unter der Deckung — warum ein Dach ohne sie weder trocken noch belüftet bleibtDie Konterlatte liegt auf dem Sparren und hebt die Traglattung an. Was banal klingt, schafft die Ebene, über die das Dach atmet — und die Bahn darunter das Wasser loswird.
4 Anforderungen
3 Höhenklassen
Auf dieser Seite
1Was die Konterlattung ist und wo sie liegt2Die Belüftungsebene unter der Deckung3Wie die Konterlattung Wasser von der Unterspannbahn ableitet4Die Traglattung braucht ihren Unterbau5Höhe der Konterlatte und Lüftungsquerschnitt6Nageldichtband unter der Konterlatte beim regensicheren Unterdach7Verlegung auf dem Sparren, nicht daneben8Was fehlt, wenn die Konterlattung fehlt oder zu niedrig ausfällt9Was diese zusätzliche Lattenebene kostet10Was beachtet werden muss
Was die Konterlattung ist und wo sie liegt
Die Konterlattung ist die Lattenebene, die zuerst auf den Sparren kommt — noch vor der eigentlichen Dachlattung. Sie liegt in Falllinie, also senkrecht zur Traufe und in derselben Richtung wie der Sparren selbst, direkt über der Unterspannbahn oder dem Unterdach.
Das unterscheidet sie grundlegend von der Traglattung, die waagerecht darauf folgt und die Ziegel trägt (siehe Dachlatten). Zwei Lattenebenen, zwei Richtungen, zwei Aufgaben: Die Konterlatte liegt in Sparrenrichtung und schafft einen Raum, die Dachlatte liegt quer dazu und trägt die Deckung. Verwechselt werden die beiden trotzdem ständig — auf der Baustelle heißt oft alles „Latten“, bis eine Sparrenrichtung fehlt und die Deckung nicht mehr richtig entwässert.
Die Begriffe zur Konterlattung
Bauteile
10 Begriffe
Konterlattung · Konterlatte · Traglattung · Sparren · Falllinie · Unterspannbahn · Unterdach · regensicheres Unterdach · Nageldichtband · Lüftungsebene
Funktion
9 Begriffe
Belüftungsebene · Hinterlüftung · Zuluft · Abluft · Wasserableitung · Kondensat · Tauwasser · Zwischensparrendämmung · Aufsparrendämmung
Maße
5 Begriffe
Höhe der Konterlatte · Lüftungsquerschnitt · Sparrenlänge · Dachneigung · Dachfläche
Die Belüftungsebene unter der Deckung
Ein Steildach mit Ziegeln oder Steinen ist keine dichte Haut. Zwischen den einzelnen Deckungselementen dringt Wind und feine Feuchtigkeit ein, und von innen drückt Wasserdampf aus dem beheizten Raum durch die Dämmebene nach außen. Beides muss abtrocknen können, sonst sammelt es sich in der Konstruktion.
Genau dafür schafft die Konterlatte einen durchgehenden Luftspalt zwischen Unterspannbahn und Traglattung: Am First tritt warme, feuchte Luft aus, an der Traufe strömt kühlere, trockenere Luft nach. Diese Strömung — Zuluft unten, Abluft oben — ist der eigentliche Grund für die Konterlattung. Ohne sie liegt die Traglattung flach auf der Bahn, und es gibt keinen Weg, über den Feuchte aus dieser Zone entweichen kann.
Wie die Konterlattung Wasser von der Unterspannbahn ableitet
Die Unterspannbahn ist die zweite Wasserebene unter der Deckung: Was durch Wind, Flugschnee oder eine defekte Ziegelfuge unter die Ziegel gelangt, landet auf der Bahn und muss von dort kontrolliert nach unten zur Traufe und in die Rinne ablaufen (mehr dazu in Unterspannbahn verlegen).
Das funktioniert nur, weil die Konterlattung in Falllinie verläuft und den Wasserweg damit nicht kreuzt. Eine quer verlegte Latte an dieser Stelle würde wie ein Damm wirken und das Wasser stauen, statt es abzuleiten. Die Ausrichtung der Konterlattung ist deshalb kein gestalterisches Detail, sondern die Bedingung dafür, dass die zweite Wasserebene überhaupt funktioniert.
Die Traglattung braucht ihren Unterbau
Die dritte Aufgabe der Konterlattung ist die einfachste zu verstehen und wird trotzdem am häufigsten übersehen: Sie ist der Unterbau, auf dem die Traglattung genagelt wird. Ohne sie müsste die Traglattung direkt auf die Unterspannbahn oder gleich auf die Dämmung genagelt werden — mit jedem Nagel ein Loch in der Wasserebene, ohne tragfähigen Untergrund darunter.
Erst die Konterlatte gibt der Traglattung eine feste, punktuell tragfähige Auflage über dem Sparren. Die Last der Deckung geht von der Traglatte in die Konterlatte und von dort in den Sparren — dieselbe Kette, die in Dachlatten beschrieben ist, nur um ein Glied ergänzt.
Die beiden Ebenen unterscheiden sich in Richtung, Lage und Aufgabe so deutlich, dass eine Verwechslung auf der Baustelle sofort ein Problem wird:
| Merkmal | Konterlattung | Traglattung |
|---|---|---|
| Richtung | in Falllinie, parallel zum Sparren | quer dazu, waagerecht |
| Lage | unmittelbar auf dem Sparren, über der Bahn | auf der Konterlattung |
| Aufgabe | Belüftungsebene, Wasserableitung, Unterbau | trägt die Ziegel |
| Maßgeblich für | Lüftungsquerschnitt | Lattweite nach Ziegel |
Höhe der Konterlatte und Lüftungsquerschnitt
Wie hoch die Konterlatte ausfällt, entscheidet direkt darüber, wie groß der freie Querschnitt für die Luftströmung ist — die Latte selbst ist die einzige Distanz zwischen Bahn und Traglattung. Zu niedrig gewählt, bleibt von der theoretischen Belüftungsebene praktisch nichts übrig.
Der erforderliche Querschnitt steht als Zahl in DIN 4108-3:2024-03. Ab 5° Dachneigung verlangt die Norm eine mindestens 2 cm hohe freie Belüftungsebene — örtliche Einengungen sind zulässig —, an der Traufe mindestens 2 ‰ der zugehörigen Dachfläche beziehungsweise 200 cm² je Meter, am First 0,5 ‰ beziehungsweise 50 cm² je Meter.
Welche Konterlattenhöhe das bedeutet, empfiehlt der ZVDH nach Sparrenlänge — für die Ziegel- und Steindeckung:
| Sparrenlänge | Konterlatte |
|---|---|
| allgemein | 30 × 50 mm |
| ab 8 m | freie Höhe ≥ 4 cm |
| 10 bis 15 m | freie Höhe ≥ 6 cm |
Mehr Stufen nennt das Regelwerk an dieser Stelle nicht — insbesondere gibt es keine eigene Stufe „unter 8 m mit 3 cm“ und keine ausdrückliche Vorgabe für Sparrenlängen über 15 m; dort wird objektbezogen geplant. Die 2 cm der Norm sind die Untergrenze für die freie Höhe, die ZVDH-Werte liegen darüber: Sie berücksichtigen, dass ein Teil des Querschnitts durch Bahnendurchhang, Ziegelfuß und Verschmutzung verlorengeht. Eine feste Pflicht zur „Zwischenlüftung“ gibt es nicht; bei sehr langen Lüftungswegen können aber zusätzliche Maßnahmen nötig werden. Wer die passende Höhe sucht, findet sie über die Fachregel für den konkreten Sparrenabstand und die Dachlänge — nicht durch Schätzen nach Optik.
Ein weiterer Punkt, der in dieser Rechnung leicht untergeht: Je länger der Sparren und je flacher die Neigung, desto weiter muss die Luft strömen, bis sie am First entweicht. Auf langen Dachflächen reicht ein Querschnitt, der auf einem kurzen Walmdach ausreichen würde, oft nicht mehr — genau deshalb steigt die Anforderung des ZVDH mit der Sparrenlänge auf 4 und dann 6 cm. Wo Zweifel bestehen, ob der gewählte Querschnitt für die konkrete Fläche reicht, prüft die Verlegeanleitung des Ziegel- oder Bahnenherstellers gemeinsam mit der Fachregel — beide zusammen, nicht nur eine der beiden Quellen.
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Nageldichtband unter der Konterlatte beim regensicheren Unterdach
Nicht jede Unterspannbahn verträgt eine Nagelung ohne Weiteres. Wo ein regensicheres Unterdach ausgeführt ist — eine der oberen Anforderungsklassen unterhalb der Deckung, abgegrenzt in Unterspannbahn verlegen, nicht jede beliebige Bahn unter der Lattung —, verlangt der Bahnenhersteller in der Regel ein Nageldichtband unter der Konterlatte.
Das Band dichtet jede einzelne Nagelung ab, die sonst ein Loch in der regensicheren Ebene wäre. Ob diese Maßnahme im konkreten Fall vorgeschrieben ist, steht in der Verlegeanleitung des Bahnenherstellers — sie ist Teil der Produktzusage, nicht eine Option, die je nach Tagesform entfällt.
Verlegung auf dem Sparren, nicht daneben
Die Konterlatte muss genau über dem Sparren liegen, nicht danebengesetzt. Nur dort findet die Befestigung einen tragfähigen Untergrund; ein Nagel oder eine Schraube neben dem Sparren trifft ins Leere oder in die Dämmung und hält nichts.
Das klingt selbstverständlich, ist aber der Punkt, an dem eine ungenaue Anzeichnung sich rächt: Sitzt die Konterlatte auch nur wenige Zentimeter neben der Sparrenmitte, wackelt die gesamte Traglattung darüber, sobald Wind oder Schnee auf die Fläche drücken.
Was fehlt, wenn die Konterlattung fehlt oder zu niedrig ausfällt
Fehlt die Konterlattung ganz, fehlen alle drei Funktionen gleichzeitig: Es gibt keine Belüftungsebene, das Wasser auf der Unterspannbahn hat keinen freien Ablauf mehr, sobald die Traglattung quer darüberliegt, und die Traglattung selbst nagelt ohne tragfähigen Unterbau direkt auf der Bahn.
Eine zu niedrig gewählte Konterlatte macht denselben Fehler in abgeschwächter Form: Die Luftströmung kommt nicht in Gang, feuchte Luft staut sich unter der Deckung, und über die Zeit zeigt sich das an feuchten Dämmstoffen, an Schimmel auf der Innenseite der Bahn und, im schlimmsten Fall, an Fäulnis am Sparren selbst. Diese Schäden entstehen langsam und werden oft erst bemerkt, wenn eine Dachfläche von innen geöffnet wird — etwa beim nachträglichen Dämmen (siehe Dach von innen dämmen).
| Zustand der Konterlattung | Folge |
|---|---|
| fehlt vollständig | keine Belüftungsebene, Traglattung nagelt direkt auf der Bahn |
| zu niedrig für die Dachlänge | Luftströmung kommt nicht in Gang, Feuchte staut sich |
| quer statt in Falllinie verlegt | Wasser auf der Bahn wird gestaut statt abgeleitet |
| neben statt auf dem Sparren genagelt | Traglattung ohne tragfähigen Untergrund |
| ohne Nageldichtband bei regensicherem Unterdach | Nagellöcher werden zur Schwachstelle der Bahn |
Bei einer bestehenden Deckung, die neu eingedeckt wird, ist das oft der Moment, an dem eine über Jahre unbemerkte Unterdimensionierung erstmals auffällt: Die alte Konterlattung wird abgenommen, und darunter zeigt sich eine dunkel verfärbte oder weiche Unterspannbahn, die nur deshalb so lange gehalten hat, weil das Dach selten stark beansprucht wurde.
Was diese zusätzliche Lattenebene kostet
Konterlatten werden wie Dachlatten nach laufenden Metern gehandelt und laufen über die Sparrenzahl, nicht über die Dachfläche — je Sparren eine durchgehende Latte von der Traufe bis zum First. Gegenüber der übrigen Eindeckung ist der Anteil an den Gesamtkosten klein.
Dafür führen wir kein eigenes Sortiment — sagen Sie uns, was Sie brauchen, dann klären wir Bezug und Menge gemeinsam. Was bei uns liegt, sind die Bauteile, die an dieser Stelle mit verbaut werden.
— Was wir liefern können
Was beachtet werden muss
Betreten der Dachfläche
Die frisch verlegte Konterlattung ist kein Laufsteg. Gearbeitet wird von Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle aus. Eine Leiter ist dabei ein Zugangsmittel, kein Arbeitsplatz — sobald die Arbeit sich über mehrere Sparrenfelder zieht oder beide Hände gebraucht werden, gehört ein Gerüst dazu.
Technische Sicherung hat dabei Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung: Gerüst, Arbeitsbühne oder Laufbohle zuerst. Ein Auffangsystem ersetzt den sicheren Standplatz nicht — es fängt den Sturz auf, es verhindert ihn nicht.
Aufbau vor Latte
Die Höhe der Konterlatte folgt aus dem geforderten Lüftungsquerschnitt, der wiederum aus Sparrenlänge, Dachneigung und Deckung folgt. Diese Werte stehen in der Fachregel und in der Verlegeanleitung des Bahnenherstellers — nicht im Bauchgefühl.
Regensicheres Unterdach
Ist ein regensicheres Unterdach ausgeführt, ist das Nageldichtband unter der Konterlatte Teil der Produktzusage des Bahnenherstellers. Wer darauf verzichtet, verliert im Schadensfall das Argument der Gewährleistung.
Altbestand
Wird eine alte Konterlattung im Zuge einer Sanierung freigelegt, kann darunter eine alte Bitumenbahn oder ein Kleber aus einer Zeit stecken, in der solche Materialien noch asbesthaltig ausgeführt wurden. Bei Bauteilen aus der Zeit bis einschließlich 1993 gilt: Klärung über eine Materialprobe im Labor, Umgang und Entsorgung nach TRGS 519 durch einen dafür qualifizierter Fachbetrieb — diese Frage steht vor dem ersten Eingriff, nicht danach.
Gewährleistung
Weicht die ausgeführte Höhe vom geforderten Lüftungsquerschnitt ab, ist das kein kosmetischer Fehler, sondern ein Grund für spätere Feuchteschäden, für die niemand mehr die Ursache in der Lattung vermutet.

















































