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Von Franke Baustoffe
6. Okt. 2026 17 Min. Lesezeit

Dachziegel bohren

Warum der Formziegel dem Bohrloch vorzuziehen ist — und wie man Ton- und Betonziegel ohne Schlag richtig bohrt
9 Arbeitsschritte
8 typische Fehler

Vorab: Was Sie auf keinen Fall bohren — Alt-Faserzement

Bevor über Bohrer und Drehzahlen gesprochen wird, steht eine Bestimmung, die über allem steht — weil sie über Leben und Gesundheit entscheidet.

🔴 Asbesthaltiger oder materialmäßig ungeklärter Alt-Faserzement darf nicht gebohrt werden. Es gibt Platten aus Faserzement, die Frankfurter Pfannen oder Biberschwänze imitieren. Stammen sie aus der Zeit bis einschließlich 1993 oder ist ihre Asbestfreiheit nicht nachgewiesen, gilt die TRGS 519 — und Bohren ist genau die Bearbeitung, die bei Asbest verboten ist: Sie setzt Fasern frei. Nachweislich asbestfreier, moderner Faserzement ist davon nicht betroffen und darf bearbeitet werden. Die Farbe oder Optik der Platte ist dabei kein verlässliches Erkennungsmerkmal — eine beschichtete oder eingefärbte Faserzement-Tafel lässt sich am Aussehen nicht sicher von einem Ziegel unterscheiden. Maßgeblich ist genau genommen der Baubeginn des Objekts: Wurde bis einschließlich 31. Oktober 1993 mit dem Bau begonnen, ist mit Asbest zu rechnen; bei später erneuerten Bauteilen zählen deren eigene Einbau- und Produktnachweise.

Bei Verdacht gilt: nicht bohren, nicht sägen, nicht brechen, nicht schleifen. Umgang und Demontage richten sich nach der TRGS 519 und gehören zu einem dafür qualifizierten Fachbetrieb. Der Nachweis muss nicht immer eine Materialprobe sein — auch verlässliche Bau- und Produktunterlagen räumen den Verdacht aus.
Erst wenn die Deckung sicher als Ton oder Beton bestimmt ist, stellt sich die Frage der Bohrtechnik. Bis dahin ist der Bohrer in der Hand der falsche Weg.

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Was „Dachziegel bohren" meint — und warum der Reflex trügt

„Dachziegel bohren" klingt nach einer kleinen, harmlosen Arbeit — ein Loch in einen Ziegel, mehr nicht. Der Reflex trügt gleich doppelt.
Die erste Täuschung betrifft die Wahl des Mittels
In den meisten Fällen, in denen jemand „einen Ziegel bohren" will, ist das Bohrloch gar nicht die richtige Lösung. Wer eine Durchführung braucht — für ein Kabel, eine Antenne oder einen Lüfter —, hat mit dem Formziegel eine bessere, dichte und dafür gemachte Lösung. Das selbstgebohrte Loch im Flächenziegel ist fast immer die zweitbeste Wahl.
Die zweite Täuschung betrifft die Schwierigkeit
Ein Dachziegel ist ein gebrannter, spröder Werkstoff. Er bricht nicht wie Holz oder Metall — er springt. Ein falscher Bohrer, die Schlagfunktion oder ein unkontrollierter Ansatz reißen den Ziegel auf, und aus dem kleinen Loch wird ein Austauschfall. Das Bohren ist keine Routinearbeit, sondern eine Arbeit, die den Werkstoff kennt.
Die ehrliche Reihenfolge dieser Seite
erst prüfen, ob ein Formziegel die Stelle löst — dann, wenn wirklich gebohrt wird, mit der richtigen Technik auf der Werkbank, nicht auf dem Dach.

Der Formziegel: die Vorzugslösung vor jedem Bohrloch

Bevor der Bohrer angesetzt wird, steht die Frage, die diese Seite von vielen anderen unterscheidet: Gibt es für die Durchführung einen Formziegel?
Der Formziegel ist ein Ziegel, der die Durchführung schon mitbringt
Statt einen Flächenziegel zu durchbohren, wird an der Durchtrittsstelle ein Durchführungsziegel beziehungsweise Durchgangsziegel eingesetzt — ein Ziegel gleicher Geometrie, der werksmäßig mit dem Durchgang versehen ist. Für Antennen gibt es den Antennendurchgang, für Lüfter den Lüfterziegel, für Solarleitungen die Durchgangspfanne.
Der Vorteil ist grundsätzlich
Ein Formziegel passt in die Deckung, wahrt Überdeckung und Falz und schließt die Durchführung regensicher ab. Ein selbstgebohrtes Loch unterbricht die Überdeckung, ist schwer abzudichten und schwächt den Ziegel an der am stärksten belasteten Stelle. Der Formziegel ist nicht das teure Extra, sondern die fachgerechte Standardlösung.
Das Bohrloch bleibt die Ausnahme
Es ist gerechtfertigt, wenn kein passender Formziegel verfügbar ist oder die Durchführung an einer Stelle liegt, die kein Formziegel abdeckt. Für eine Halterung ist das Bohrloch dagegen keine Lösung: Ein Dachziegel ist kein tragfähiger Befestigungsgrund — Lasten werden in den Sparren, die Lattung oder eine bemessene Systemunterkonstruktion eingeleitet, nicht in den einzelnen Ziegel (dazu Anleitung Markise auf Dachziegel montieren). Wo tatsächlich gebohrt werden muss, zählt die Technik, die in den nächsten Abschnitten beschrieben ist. Genau hier — beim Formziegel — setzt die Produktanknüpfung dieser Seite an.

Ton oder Beton: der Werkstoff bestimmt die Technik

Wer doch bohrt, steht zuerst vor einer Unterscheidung, die die ganze Technik bestimmt: Woraus ist der Ziegel?
Tondachziegel und Betondachsteine bohren sich unterschiedlich
Der Tonziegel ist keramisch gebrannt, hart und spröde — er reagiert empfindlich auf Schlag und Hitze. Der Betondachstein ist mineralisch gebunden, dichter und weniger spröde, aber ebenfalls empfindlich gegen Schlag, weil der Schlag das Gefüge lockert. Beide vertragen keine Schlagfunktion; beide wollen langsam und gekühlt gebohrt werden.
Die Oberfläche entscheidet über den Ansatz
Engobe, Glasur oder eine Beschichtung auf der Oberfläche sind glatt und hart — der Bohrer neigt beim Ansetzen zum Verrutschen. Ein kleines Vorbohren oder ein fester, geführter Ansatz verhindert, dass der Bohrer über die Glasur wandert und eine Kratzspur hinterlässt.
Der gemeinsame Nenner
Ton und Beton unterscheiden sich in der Härte, nicht im Grundsatz. Beide sind spröde, beide vertragen keinen Schlag, beide brauchen einen scharfen, für Stein geeigneten Bohrer. Wer den Werkstoff nicht kennt, wählt den Bohrer falsch — und der falsche Bohrer ist der Bruch.

Der richtige Bohrer: Diamant oder Hartmetall, nie Schlag

Der Bohrer ist die halbe Arbeit — und die falsche Wahl die ganze Katastrophe.
Diamant- oder Hartmetallbohrer, nicht Holz- oder Metallbohrer
Ein Dachziegel ist Stein. Ein gewöhnlicher HSS-Bohrer wird an der harten, gebrannten Oberfläche sofort stumpf und glüht; er schneidet nicht, er reibt — und erzeugt genau die Hitze, die den Ziegel sprengen lässt. Geeignet sind Hartmetallbohrer für weicheren Beton und Diamantbohrer für harte Tonziegel und glasierte Oberflächen.
Die Schlagfunktion bleibt aus
Das ist die wichtigste Regel dieser Seite, weil sie am häufigsten missachtet wird. Die Schlagfunktion ist für Beton und Mauerwerk gedacht — sie hämmert auf das Material. Ein Dachziegel hält diesen Schlag nicht aus: Er zerspringt. Gebohrt wird drehend ohne Schlag, mit niedriger bis mittlerer Drehzahl und geduldigem Vorschub.
Die Kühlung richtet sich nach dem Bohrsystem
Wird der Ziegel beim Bohren heiß, entstehen Spannungen im Gefüge, und der Ziegel springt. Ob nass oder trocken gebohrt wird, bestimmt das konkrete Diamant- beziehungsweise Bohrsystem — eine pauschale Pflicht zum Nassbohren gibt es nicht. Wasser am Elektrowerkzeug verlangt ein dafür zugelassenes Nassbohrsystem mit entsprechenden elektrischen Schutzmaßnahmen. Trocken und heiß gebohrt, ist der Riss vorprogrammiert.
Warum die Schlagfunktion so verlockend ist
Sie geht schneller durchs Material — in Mauerwerk. Auf dem Ziegel ist genau diese Schnelligkeit der Fehler. Die Schlagfunktion ist für die Wand, nicht fürs Dach.

Die Bohrerwahl im Überblick: Werkstoff, Bohrer, Drehzahl, Kühlung

Die Zusammenhänge aus den letzten Abschnitten, auf einen Blick sortiert:
WerkstoffBohrertypDrehzahl und DruckKühlung
Tonziegel, engobiert oder glasiertDiamantbohrerniedrige Drehzahl, schonender Vorschub, kein Schlagnach Bohrsystem, nass oder trocken
BetondachsteinHartmetallbohrerniedrige bis mittlere Drehzahl, geduldiger Druck, kein Schlagnach Bohrsystem, nass oder trocken
Die Tabelle zeigt die Richtung, nicht die Zahlen
Drehzahl und Vorschub hängen von Durchmesser, Werkzeug und Maschine ab — die verbindlichen Werte stehen im Datenblatt des Werkzeugs, nicht auf dieser Seite. Die Größenlogik reicht als Kompass: Je größer der Durchmesser, desto niedriger die Drehzahl und desto weniger Druck. Wer mit dem größten Bohrer auch das höchste Tempo fährt, kombiniert die zwei Fehler, die den Ziegel sprengen.
Die Glasur verlangt die schonendste Stufe
Auf der glasierten Oberfläche gilt das untere Ende jeder Angabe: die niedrigste Drehzahl, der geringste Druck, der geführteste Ansatz. Die Glasur ist die härteste und zugleich empfindlichste Schicht des Ziegels — sie verzeiht weder Hitze noch ein abrutschendes Werkzeug.

Große Durchmesser: Lochsäge und Diamantbohrkrone

Nicht jede Durchführung passt durch ein kleines Loch. Sobald der Durchmesser wächst, ändert sich das Werkzeug.
Über einer bestimmten Lochgröße endet der Spiralbohrer
Dann schneiden Lochsäge beziehungsweise Diamantbohrkrone einen Ring in den Ziegel und lassen einen Bohrkern stehen, statt das ganze Loch zu zerspanen. Das ist materialschonender und schneller — aber nur mit der gleichen Disziplin wie beim kleinen Bohrer: drehend, ohne Schlag, gekühlt nach System.
Stufig aufbohren statt auf Anhieb das Endmaß
Wer direkt mit dem größten Durchmesser ansetzt, überlastet Werkzeug und Ziegel. Der saubere Weg führt über Zwischengrößen: klein ansetzen, führen, vergrößern. Jede Stufe nimmt dem Ziegel nur so viel ab, wie er ohne Spannung hergibt.
Der Kern wird herausgelöst, nicht durchgedrückt
Wer den Bohrkern mit Druck durchstößt, reißt den Ziegel am Lochrand aus — ausgerechnet dort, wo später die Dichtung der Durchführung anliegen soll. Der Kern wird abgestützt und gelöst, nicht durch den Ziegel gejagt.
Auf glatter Glasur braucht die Krone Führung
Ohne Zentrierung wandert die Krone über die Glasur, bevor sie fasst, und hinterlässt eine Kratzspur neben dem Loch. Ein Zentrierbohrer, eine Führungsschablone oder ein schräg angesetzter, langsam aufrichtender Start halten die Krone auf Position, bis sie frisst.

Wo im Ziegel gebohrt wird

Die Lochposition ist Teil der Technik, keine Nebensache. Das sauberste Loch am falschen Platz macht den Ziegel trotzdem zum Problem.
Abstand zu Rand und Falz wahren
Das Loch gehört in die freie Wasserfläche des Ziegels, nicht in die Überdeckung und nicht in den Falz — dort läuft das Wasser, und dort dichtet der Nachbarziegel ab. Zum Rand bleibt genug Material stehen, dass das Loch den Ziegel nicht zur Kante hin aufschwächt; zu nah am Rand gebohrt, bricht der Steg zwischen Loch und Kante beim Einhängen oder im Frost.
Nicht über der Lattung bohren
Die Durchführung läuft unter dem Ziegel weiter in die Dachhaut. Trifft das Loch auf die Stelle, unter der die Latte liegt, kollidiert die Tülle mit der Lattung, und der Ziegel liegt auf der Durchführung auf statt in der Deckung. Die Position wird vor dem Ablegen am ausgehangenen Ziegel geprüft, nicht am Dach geschätzt.
Ein Loch pro Ziegel
Jedes weitere Loch schwächt den Ziegel an einer zweiten Stelle. Braucht die Durchführung mehr Platz, als ein Loch hergibt, ist das ein Fall für den Formziegel oder für den benachbarten Ziegel — nicht für das zweite Loch im selben.
Die Traufreihe meiden
An der Traufe sammeln sich Schlagregen, Schnee und Rückstau; nirgendwo auf der Fläche ist der Wasserdruck auf eine Durchführung größer. Wer die Wahl hat, legt das Loch weiter oben in die ruhigere Zone der Deckung.

Die Bohrtechnik: langsam, gekühlt, auf der Werkbank

Neben dem Bohrer entscheidet die Art, wie gebohrt wird — und hier steckt die zweite Hälfte der Technik.
Der Ziegel wird abgelegt, nicht auf dem Dach gebohrt
Ein Dachziegel lässt sich in den meisten Fällen aus der Deckung heben und auf einer Werkbank, einem Bock oder einer festen Unterlage bohren. Auf dem Dach zu bohren — auf der rutschigen, nachgebenden Fläche, ohne festen Stand — ist nicht nur gefährlich, sondern auch ungenau: Der Ziegel federt, der Bohrer verläuft, der Ziegel bricht. Die Werkbank gibt den festen Halt, den das Dach nie bietet.
Vorbohren mit kleinem Durchmesser
Ein Zentrierloch mit kleinem Bohrer verhindert das Verrutschen auf der glatten Oberfläche und führt den großen Bohrer. Wer sofort mit dem Enddurchmesser ansetzt, riskiert das Wandern des Bohrers und einen unsauberen Ansatz.
Langsam bohren, wenig Druck, nach System gekühlt
Der Vorschub ist geduldig; der Bohrer arbeitet, statt zu drücken. Nass oder trocken — je nach Bohrsystem — wird die Bohrung kühl gehalten. Wer Druck und Tempo erhöht, um schneller zu sein, bezahlt mit einem gesprungenen Ziegel.
Von der Oberseite zur Unterseite
Gebohrt wird von der Sichtseite her, damit die Bohrung sauber ansetzt und der Ausbruch auf der Rückseite landet. Dass er dort nicht sichtbar ist, macht ihn nicht harmlos: Ein rückseitiger Ausbruch schwächt den Ziegel und erschwert die dauerhafte Abdichtung der Durchführung. Ein Stück Klebeband auf der Oberfläche mindert zusätzlich das Ausbrechen des Bohrlochrands.

Staubschutz beim Trockenbohren

Ein kurzer Block, der zur Gesundheit gehört, nicht zur Technik.
Trocken gebohrt, entsteht quarzhaltiger Feinstaub
Ton und Beton enthalten Quarz, und der Staub aus der Bohrung ist fein genug, um tief in die Lunge zu gehen. Ein Loch ist eine Kleinigkeit — der Staub bleibt es nicht, wenn er regelmäßig eingeatmet wird.
Absaugen oder Atemschutz tragen
Der saubere Weg ist eine Absaugung direkt an der Bohrung; ohne Absaugung gehört eine geeignete Atemschutzmaske aufs Gesicht. Mit dem Mund wegblasen ist kein Staubschutz, sondern Staubverteilung — der Feinstaub steht danach in der Atemluft, statt im Bohrloch.

Was beim Bohren schiefgeht — und wie es schiefgeht

Der Dachziegel ist ein Werkstoff, der auf Fehler nicht mit Nachgeben, sondern mit Bruch reagiert. Die häufigsten Schäden sind deshalb gut vorhersehbar.
Der Ziegel springt
Schlagfunktion, zu viel Druck oder Hitze erzeugen Spannungen, die den spröden Ziegel aufreißen. Der Riss beginnt oft am Bohrloch und läuft quer durch den Ziegel — aus einem kleinen Loch wird ein unbrauchbarer Ziegel.
Die Oberfläche platzt am Lochrand aus
Ohne Vorbohren und ohne Klebeband reißt der harte Überzug am Bohrlochrand aus, und das Loch wird unsauber und unregelmäßig. Das ist nicht nur Optik — an einem ausgefransten Lochrand ist die spätere Abdichtung schwerer.
Der Ziegel bricht beim Wieder-Einhängen
Selbst wenn das Loch sauber ist, hat die Bohrung den Ziegel an einer Stelle geschwächt. Wird er unsanft zurückgesetzt oder hält die Bohrung eine Last aus, für die der Ziegel nicht gemacht ist, bricht er an der Bohrung. Der gebohrte Ziegel ist dauerhaft schwächer als der ungebohrte.
Der gemeinsame Nenner
Der Ziegel verzeiht keine Eile und keinen Schlag. Wer die Technik beherrscht, bohrt ein sauberes Loch; wer sie missachtet, bohrt einen Bruch — und braucht danach den Austauschziegel.

Wenn der Ziegel doch bricht: der Austauschziegel

Das ehrlichste Kapitel dieser Seite behandelt den Fall, der trotz aller Sorgfalt eintreten kann — und er ist kein Betriebsunfall, sondern eine eingeplante Möglichkeit.
Ein gesprungener Ziegel ist ein Austauschfall
Ein Ziegel mit Haarriss ist nicht mehr dicht und nicht mehr tragfähig; er wird nicht geklebt und nicht überschmiert, sondern ersetzt. Der Austausch gehört zum Bohren dazu — wer einen Ziegel bohrt, plant den Ersatz gleich mit ein.
Der Ersatz muss zum Bestand passen
Gleiche Geometrie, gleiche Falzform, gleiche Deckmaße und möglichst gleiche Generation — ein falscher Austauschziegel passt nicht in die Deckung und dichtet nicht. Genau hier setzt die Produktanknüpfung an: beim Austauschziegel, der nach dem Bruch gebraucht wird.
Deshalb ist der Formziegel die bessere Wahl
Er macht das Bohren — und damit das Bruchrisiko — von vornherein überflüssig. Wer vor der Wahl steht, rechnet den Bruch mit ein: Der Formziegel kostet einmal und dichtet dauerhaft; das Bohrloch riskiert den Bruch und braucht dann den Austausch. Die vollständige Anleitung zum Austausch steht in Einzelne Dachziegel austauschen.

Die Durchführung abdichten

Das Loch ist gebohrt, der Ziegel hängt wieder — fertig ist die Stelle damit noch nicht. Die Abdichtung entscheidet, ob das Bohren überhaupt etwas gebracht hat.
Ein dichtes Loch im Ziegel nützt nichts, wenn das Wasser eine Schicht tiefer eintritt. Der Ziegel ist nur die oberste Lage der Dachhaut. Unter ihm liegen Unterdeckung beziehungsweise Unterspannbahn — und genau dort sucht sich das Wasser seinen Weg, wenn die Durchführung nur im Ziegel gut aussieht, darunter aber offen bleibt.
Die Durchführung im Ziegel wird mit Systemteilen geschlossen
Tülle oder Kabelverschraubung sitzen passgenau auf dem gebohrten Maß und dichten den Durchtritt gegen die Wetterseite ab. Eine nachträglich zugekleisterte Fuge ist keine Abdichtung auf Dauer: Sie altert, reißt und fällt genau dann auf, wenn das Wasser schon läuft. Der Bohrlochrand — sauber, ohne Ausbruch — ist die Unterlage, auf der das Systemteil dichtet; deshalb hängt die Dichtheit schon an der Bohrqualität.
Zugentlastung ist Teil der Abdichtung
Ein Kabel, das an seinem eigenen Gewicht oder am Wind zieht, reißt die Verschraubung über die Zeit aus ihrer Dichtlage. Das Kabel wird so fixiert, dass keine Zugkraft an der Durchführung hängt — sonst arbeitet jede Böe gegen die Dichtung.
Der kritische Anschluss liegt unter dem Ziegel
Die Unterdeckung beziehungsweise Unterspannbahn wurde für die Durchführung geöffnet und muss wieder dicht an sie angeschlossen werden — mit einem Klebeflansch oder einem zum Bahn-System passenden Dichtband, nicht mit einem Rest Klebeband aus der Werkzeugkiste. Wer diesen Anschluss offen lässt, hat den Ziegel dicht und das Dach undicht. Das passende Manschetten- oder Anschlussband gehört zum jeweiligen Bahnensystem und kommt vom Bahnenhersteller — Franke führt es nicht. Der Anschluss ist eine Systementscheidung, kein Improvisationsplatz.
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Schritt für Schritt: das Bohren eines Dachziegels

Dieser Ablauf gilt für den Fall, dass wirklich gebohrt wird — und er setzt voraus, dass kein Formziegel die Stelle löst.
1

Schadstofffrage klären

Deckung als Ton oder Beton bestimmen; Faserzement aus der Zeit bis einschließlich 1993 darf nicht gebohrt werden (TRGS 519, Fachbetrieb — siehe ganz oben).

2

Formziegel prüfen

Gibt es für die Durchführung einen Durchführungsziegel, eine Durchgangspfanne oder einen Antennen-/Lüfterziegel? Wenn ja: den nehmen, statt zu bohren.

3

Ziegel ablegen — durch den, der aufs Dach darf

Das Aushängen und spätere Wiedereinhängen ist Arbeit auf der Dachfläche und damit die Grenze aus der Abgrenzung oben: Sie erfolgt von Gerüst oder Arbeitsbühne, im Zweifel durch den Dachdecker. Das Bohren selbst ist davon unabhängig — es passiert am Boden, und darum geht es auf dieser Seite. Den zu bohrenden Ziegel aus der Deckung heben und auf eine feste Unterlage legen — nicht auf dem Dach bohren.

4

Werkstoff bestimmen

Ton oder Beton? Danach den Bohrer wählen: Diamant für harte Tonziegel und Glasuren, Hartmetall für Beton.

5

Vorbohren

Kleines Zentrierloch setzen, gegebenenfalls Klebeband auf die Oberfläche.

6

Drehend bohren, ohne Schlag

Niedrige Drehzahl, wenig Druck; nass oder trocken je nach Bohrsystem — bei Wasser nur mit zugelassenem Nassbohrsystem und den nötigen elektrischen Schutzmaßnahmen.

7

Lochrand prüfen

Sauberer Rand, kein Ausbruch — sonst ist die spätere Abdichtung erschwert.

8

Ziegel wieder einhängen

Vorsichtig zurücksetzen, mit korrekter Überdeckung und Falz; die Durchführung mit Systemtülle oder Kabelverschraubung abdichten, mit Zugentlastung versehen und fachgerecht an Unterdeckung beziehungsweise Unterspannung anschließen.

9

Bruch einplanen

Springt der Ziegel doch: Austauschziegel einsetzen (Einzelne Dachziegel austauschen).


Die häufigsten Fehler

FehlerFolge
Mit Schlagfunktion gebohrtZiegel zerspringt
Zu heiß gebohrt (ohne passende Kühlung)Hitze, Spannungen, Ziegel springt
Auf dem Dach statt auf der Werkbank gebohrtunsauberer Ansatz, Bruch, Sturzgefahr
Falscher Bohrer (HSS statt Diamant/Hartmetall)Bohrer stumpf, Ziegel überhitzt
Faserzement als Ziegel gebohrtAsbestfreisetzung, TRGS 519 verletzt
Formziegel nicht geprüftunnötiges Bohrloch, geschwächter Ziegel
Ziegel beim Bohren gebrochen und nicht ersetztvorgeschädigter Ziegel als Anfang eines größeren Schadens
Durchführung nicht abgedichtetWasser läuft am Bohrloch ins Haus
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Was beachtet werden muss

Schadstofffrage — steht vor dem ersten Handgriff
Faserzement-Kleintafeln, die Ziegel nachahmen, können bei Einbau bis einschließlich 1993 asbesthaltig sein — und Bohren setzt Fasern frei. Die Farbe ist kein verlässliches Erkennungsmerkmal. Bei Verdacht: nicht bohren, nicht sägen, nicht brechen — TRGS 519, Fachbetrieb. Der Nachweis kann über Unterlagen oder eine Materialprobe erfolgen.
Photovoltaik im Bestand
Liegt ein Modulfeld auf dem Dach, ist der Ziegel darunter nicht erreichbar, ohne Module abzunehmen — und Module nimmt kein Laie ab: Die DC-Seite bleibt bei Lichteinfall spannungsführend. Jede Arbeit rund um ein Modulfeld ist Sache der Fachfirma.
Formziegel vor Bohrloch
Die Vorzugslösung ist der Durchführungsziegel beziehungsweise die Durchgangspfanne, nicht das selbstgebohrte Loch. Gebohrt wird nur, wo kein Formziegel passt.
Nie mit Schlag
Der Ziegel ist spröde: drehend bohren ohne Schlagfunktion, niedrige Drehzahl. Nass oder trocken — je nach Bohrsystem; Wasser am Elektrowerkzeug nur mit zugelassenem Nassbohrsystem.
Absturz
Der Ziegel wird abgelegt und auf fester Unterlage gebohrt; die Dachfläche ist keine Werkbank, die Leiter kein Arbeitsplatz.
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